Schleswig-Holsein und Hamburg : KOMMENTAR: Schicksalsgemeinschaft

Hamburg und Schleswig-Holstein müssen lernen, dass sie nur gemeinsam erfolgreich sein können, sagt Stephan Richter.

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02. Oktober 2011, 10:29 Uhr

Erst himmelhoch jauchend, jetzt zu Tode getrübt. So klingt es, wenn Politiker an der Waterkant über den Nordstaat fabulieren. Einst schritten Ministerpräsident Peter Harry Carstensen und sein Hamburger Amtskollege Ole von Beust wie Deichgrafen die Küste ab und verkündeten, dass es den Nordstaat noch zu ihren Lebzeiten geben würde.
Nun regiert in der Hansestadt ein neuer Senat, und schon ist es vorbei mit der alten Herrlichkeit. In der Kieler Landesregierung wächst das Misstrauen. Sind die Hamburger eben doch arrogante Pfeffersäcke, wie es die Nordstaat-Gegner schon immer vermutet haben? Alles blanke Theorie. Denn eine immer engere Zusammenarbeit zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein ist keine Frage von Sympathie oder Großzügigkeit eines Landes. Sie ist ein Muss. Die Elbmetropole und der Norden bilden eine Schicksalsgemeinschaft - ob sie es wollen oder nicht. Längst sind an anderen Orten Europas - siehe Kopenhagen - Großregionen entstanden. Die Globalisierung schreitet voran; der Wettbewerb in der Wirtschaft ebenso wie in den Bereichen Bildung und Forschung wächst. Und da wollten Hamburg und Schleswig-Holstein weiter vor sich hin pütschern? Nein, Exzellenz ist gefragt.
Auch strukturpolitisch werden mit dem Bau der Fehmarnbelt-Querung neue Fakten geschaffen. Man stelle sich vor, sechs Milliarden Euro werden für den Brückenschlag verbuddelt, aber der deutsche Norden probt die Rückkehr zur Kleinstaaterei. Tatsächlich wurde bislang von der Politik mehr über den Nordstaat geredet als gehandelt. Gemeinsame Kabinetts-Sitzungen waren nichts anderes als schöne Inszenierungen. Wenn Hamburg jetzt bei der Kooperation auf die Macht des Faktischen setzen will, ist das kein Grund, in Kiel Verrat zu wittern. Selbstbewusst sollte Schleswig-Holstein den Wettbewerb aufnehmen. Zum Beispiel im Kampf um die Windmesse. Wenn die Hansestadt der Stormstadt Konkurrenz machen will, dann zeigt sie nur, dass sie den Trend in den vergangenen Jahren verschlafen hat. Husum ist zwar kleiner, aber schneller. Da müssen die Hamburger ganz tapfer sein und mit den Schleswig-Holsteinern lernen, dass sie nur gemeinsam erfolgreich sein können.

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