Suchtprävention : „Komasaufen“: Abwärtstrend in Schleswig-Holstein

Insgesamt sinkt die Zahl der Krankenhauseinweisungen wegen Alkoholkonsums bei Jugendlichen. Nur bei den 15 bis 16-Jährigen ist sie im Vergleich zum Vorjahr um rund 7 Prozent gestiegen.
Insgesamt sinkt die Zahl der Krankenhauseinweisungen wegen Alkoholkonsums bei Jugendlichen. Nur bei den 15 bis 16-Jährigen ist sie im Vergleich zum Vorjahr um rund 7 Prozent gestiegen.

Im vergangenen Jahr wurden 181 Jugendliche mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus gebracht. 2016 waren es noch 199.

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01. Juni 2018, 10:43 Uhr

Kiel | In Schleswig-Holstein hält der Abwärtstrend beim „Komasaufen“ an. Immer weniger Jugendliche kommen mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus. Das geht aus dem aktuellen Bericht der AOK Nordwest hervor.

Demnach wurden im vergangenen Jahr insgesamt 181 junge Menschen im Alter von 12 bis 20 Jahren  mit einer akuten Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert, über neun Prozent weniger als im Vorjahr (199). 2012 landeten noch 271 Jugendliche und junge Heranwachsende wegen exzessiven Alkoholkonsums in einer Klinik.

„Grund zur Entwarnung ist das allerdings nicht. Wir dürfen nicht nachlassen, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene über die Gefahren des Alkoholkonsums aufzuklären, denn Alkoholkonsum kann zu langfristigen Gesundheitsschäden führen und erhöht die Gefahr, später abhängig zu werden“, warnt AOK-Vorstandsvorsitzender Tom Ackermann.

Die rückläufige Entwicklung ist besonders bei Jugendlichen im Alter von 12 bis 14 Jahren auffällig. Hier ist die Zahl der Krankenhauseinweisungen in 2017 wegen akutem Alkoholrausch im Vergleich zu 2016 um fast 13 Prozent zurückgegangen. Bei den 15 bis 16-Jährigen sind die Klinikaufenthalte durch Rauschtrinken allerdings im Vergleich zum Vorjahr um rund 7 Prozent gestiegen.

„Wer bereits in jungen Jahren exzessiv Alkohol trinkt, läuft Gefahr, wichtige Hirnfunktionen dauerhaft zu schädigen und eine Alkoholsucht zu entwickeln. Daher ist es wichtig, dass Jugendliche auch und gerade beim Alkohol Verantwortung für die eigene Gesundheit übernehmen“, so Ackermann.

Kampf gegen „Komasaufen“ als gesellschaftliche Herausforderung

Für AOK-Chef Ackermann ist der Kampf gegen das „Komasaufen“ eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, die nicht nur von den Krankenkassen allein geführt werden kann. So sind auch Lehrer und Eltern gefragt, Grenzen zu setzen und die Gefahren des Rauschtrinkens zu thematisieren. Aber auch Kommunen und Politik sind gefordert, sich in die Suchtprävention noch stärker einzubringen, die Verfügbarkeit von Alkohol zu verringern und die Lebensverhältnisse und -bedingungen zu verbessern.

Als positive Beispiele nannte Ackermann die landesweiten präventiven AOK-Schulprogramme wie den „Klarsicht-Parcours“ ab der 7. Klassenstufe oder „AlcoMedia“ ab der 10. Klasse in Kooperation mit der Landesstelle für Suchtfragen Schleswig-Holstein e. V. (LSSH). Nach Auffassung der Aok ist Alkohol derzeit noch relativ gut verfügbar, einfach konsumierbar und präsent.

Neben der Einschränkung der Verfügbarkeit spielt aus Sicht der AOK auch eine wichtige Rolle, wie der Umgang mit Alkohol vorgelebt wird. „Wenn Eltern, Vereinstrainer, Verwandte und andere wie selbstverständlich alkoholische Getränke zu sich nehmen, ist die Hemmschwelle für Kinder und Jugendliche meist sehr niedrig. Wenn es „normal“ ist, dass am Wochenende, nach sportlicher Aktivität oder bei Feiern viel Alkoholisches getrunken wird, dann übernehmen unsere Kinder und Jugendliche dieses Verhalten eher“, so Ackermann.

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