Ungeklärtes Tötungsdelikt in Seth : Knochensuche im Morast – Durchbruch im Fall Heike Lehmann?

Im Morast aus dem Teich suchen Polizisten nach den Knochen der seit 36 Jahren vermissten Heike Lehmann aus Seth. Ihr Freund soll sie ermordet haben.

Im Morast aus dem Teich suchen Polizisten nach den Knochen der seit 36 Jahren vermissten Heike Lehmann aus Seth. Ihr Freund soll sie ermordet haben.

Ein Landwirt hatte eine Handtasche, einen BH und Schuhe gefunden, die offenbar Mordopfer gehörten. Die Polizei baggerte daraufhin einen Teich aus.

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18. Oktober 2018, 15:00 Uhr

Seth | Überführt der Jahrhundertsommer einen Mörder? In Seth (Kreis Segeberg) hat die Polizei am Mittwoch begonnen in einem Teich nach der Leiche einer jungen Frau zu suchen, die 1982 spurlos verschwand: Heike Lehmann, 20 Jahre alt und schwanger. Am Freitag beendeten die Beamten die Suche.

Der Teich war in der Sommerhitze weitgehend trockengefallen, weshalb der Landwirt, auf dessen Flächen er liegt, ihn von Blättern und Geäst reinigte. Dabei stieß er auf eine Handtasche, einen BH und Schuhe. Ein Ermittler: „Er dachte sich zunächst nichts dabei, doch seine Familie erinnerte sich an den Fall Heike Lehmann.“

Ein Leichenspürhund schnüffelte über den Grund des ausgebaggerten Teichs.
Eckard Gehm

Ein Leichenspürhund schnüffelte über den Grund des ausgebaggerten Teichs.

 

Die Verkäuferin war im fünften Monat schwanger, als sie mit ihrem Freund (24), Sohn eines wohlhabenden Milchbauern, zum Ball der Landwirtschaftsmesse Norla fuhr. Der junge Mann will Heike mit seinem Opel Ascona zurück nach Seth gefahren und um 4.45 Uhr vor der Haustür abgesetzt haben. Doch ihr Bett war unberührt, die Schwangere verschwunden.

Die Suche nach sterblichen Überresten ist schließlich am Freitag ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Es seien keine weiteren Objekte gefunden worden, sagte eine Sprecherin der Polizeidirektion Kiel. Nach dem Hinweis eines Landwirts hatte die Polizei seit Mittwoch mit schwerem Gerät in einem ausgetrockneten Teich nach Gegenständen gesucht, die mit dem Vermisstenfall in Zusammenhang stehen könnten.

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Die Kripo war sich schnell sicher, dass Heike Lehmann ermordet wurde – von ihrem Freund. „Er hatte einen Grund und eine Gelegenheit“, erklärte ein Kripobeamter damals. Für das Wochenende nach Heikes Tod war die Verlobung geplant. Familienoberhaupt Rudolf Lehmann hatte klare Verhältnisse von dem Jungbauern gefordert. Dessen Eltern sollen nicht begeistert gewesen sein, sie waren gegen die arme Braut. Die Kripo sah darin das Motiv für den Mord.

Mutter Magda Lehmann und Schwester Martina sagen, der Schmerz sei nicht verwunden.
Eckard Gehm

Mutter Magda Lehmann und Schwester Martina sagen, der Schmerz sei nicht verwunden.

 

Doch nachweisen konnte die Ermittler dem Freund nichts, trotz einer großen Suche wurde keine Leiche gefunden. 1985 wurde der Jungbauer verhaftet, weil ein Erdloch entdeckt worden war, dass man für das Grab hielt. Doch die Beamten lagen falsch.

Nun liegen Handtasche, BH und Schuhe bei der Mordkommission. Nach Informationen unserer Zeitung können sie mit großer Wahrscheinlichkeit Heike Lehmann zugeordnet werden. Und die Ermittler sind noch aus einem weiteren Grund elektrisiert: Der Teich liegt lediglich 1,7 Kilometer von Heike Lehmanns Elternhaus entfernt, ist mit dem Auto gut zu erreichen.

Die Polizei rückte mit schwerem Gerät an: Ein Bagger schaufelte den Morast aus dem Teich, den ein Radlager auf einem angrenzenden Feld verteilte. Polizeibeamte suchten anschließend mit Harken nach sterblichen Überresten. Birgit Heß, Leiterin der zuständigen Staatsanwaltschaft Kiel, sagte: „Wir lassen nichts unversucht, um den Fall aufzuklären. Knochen wurden bislang aber nicht gefunden.“

Magda Lehmann, Mutter von Heike, erklärte am Mittwoch: „Die Polizei hat uns über die Suche informiert. Mehr dürfen wir nicht sagen.“

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