Archäologisches Landesamt : Knochen aus der NS-Zeit: Kein Fund auf Norderstedter Spielplatz

Spielplatz

Experten des Archäologischen Landesamts gruben auf einem Spielplatz, um einem Hinweis auf vermeintliche frühere Knochenfunde aus der NS-Zeit nachzugehen.

Eine Anwohnerin berichtete von Knochenfunden. Experten fanden tatsächlich welche, doch diese stammen nicht aus der NS-Zeit.

shz.de von
12. Juli 2018, 17:05 Uhr

Norderstedt | Entwarnung in Norderstedt: Experten des Archäologischen Landesamts konnten bei Untersuchungen auf einem Spielplatz der Stadt keine menschlichen Überreste oder sonstige Hinweise auf ein Massengrab aus der NS-Zeit finden. „Wir können mit Sicherheit sagen, dass da kein Massengrab ist“, sagte der Leiter des Landesamts, Ulf Ickerodt, am Donnerstag nach Abschluss der Grabungen.

Es sei zwar tatsächlich ein einziger Knochen gefunden worden, dabei handele es sich aber um modernen Schlachtabfall. Die Archäologen hatten den Boden auf dem Spielplatz in zwei etwa bis zehn Meter langen und 1,5 Meter tiefen Schnitten untersucht. Gefunden worden sei vor allem „moderner Schrott“ wie Keramikreste aus dem 20. Jahrhundert.

Auch wenn – wie von den Archäologen erwartet – keine Überreste eines NS-Massengrabes gefunden wurden, sei es wichtig gewesen, die Frage zu klären, sagte Ickerodt. „Wir haben da auch eine ethische Verantwortung.“ Hintergrund der Aktion sind Hinweise einer Anwohnerin der Ende der 1950er entstandenen Norderstedter Wohnsiedlung. Die dort aufgewachsene Frau hatte berichtet, dass Kinder in den 1960er Jahren dort immer wieder Knochen beim Spielen gefunden hätten, sagte Stadtsprecher Bernd-Olaf Struppek vor der Untersuchung. Die Frau habe geschildert, damals habe man in der Siedlung darüber gesprochen, dass es sich möglicherweise um menschliche Überreste aus der NS-Zeit handeln und es einen Bezug zur nur wenige Kilometer entfernten Klinik Ochsenzoll geben könnte.

Laut Experte Ickerodt befand sich im Bereich des heutigen Spielplatzes zur fraglichen Zeit ein Feld. Für ihn sei es nicht vorstellbar, dass man dort Menschen verscharrt habe, sagte er bereits im Vorfeld. Dort sei laut Informationen der Stadt Norderstedt die Jagd-Pacht einer ortsbekannten Schlachterfamilie gewesen. „Es ist davon auszugehen, dass dort möglicherweise Tierkadaver aufgebrochen wurden und zurückgelassen oder verscharrt wurden.“ Eine weitere Möglichkeit für spätere Knochenfunde könnten Schwarz-Schlachtungen im Dritten Reich oder in der Nachkriegszeit gewesen sein.

Der Stadtsprecher freute sich über das Ergebnis der Untersuchung. „Es ist wunderbar, dass sich der Verdacht überhaupt nicht erhärtet hat.“ Die Stadt will den Spielplatz nun so schnell wie möglich wieder herrichten. Voraussichtlich sei er von der kommenden Woche an wieder bespielbar, sagte Struppek.

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