paradiso : Kloster-Leben: Schlichtheit statt Luxus

„Der beste Besitz ist der, den ich gar nicht erst anschaffen muss“, sagt Äbtissin Bärbel Görcke.
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„Der beste Besitz ist der, den ich gar nicht erst anschaffen muss“, sagt Äbtissin Bärbel Görcke.

Die jüngste Äbtissin Deutschlands erzählt im neuen Magazin „paradiso“ davon, wie sie im Kloster Mariensee bei Hannover ohne Luxus lebt.

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15. Juni 2014, 17:45 Uhr

Mariensee | „Ich habe oft das Gefühl, dass ich mehr habe, als ich brauche“, sagt Bärbel Görcke. Sie ist Äbtissin des Klosters Mariensee in der Nähe bei Hannover. Auf dem Tisch steht eine kleine Vase mit Buchsbaum, an der weißen Wand hängt kein einziges Bild. Görcke hat keine hohen Ansprüche. Sie besitzt weder Auto noch Fernseher.

Vor zehn Jahren wurde Bärbel Görcke Äbtissin in Mariensee. Die heute 48-Jährige ist die jüngste evangelische Äbtissin in Deutschland. Im Frauenstift hat aber mittlerweile jede ein privates Konto. Geld bedeutet der Äbtissin vor allem Sicherheit: „Ich bin dankbar, immer etwas zu essen zu haben. Das Geld, das ich besitze, kann ich nutzen, um etwas abzugeben und Gutes zu tun.“ So unterstützt das Kloster ein Projekt von „Brot für die Welt“ und fördert ein Kunstprojekt für Kinder.

„Wir locken auf den Weg der Einfachheit und der Schönheit“, meint die Äbtissin. Sie macht sich nicht viel aus Dekoration. „Schönheit entsteht durch Form und Licht, nicht durch Bilder“, sagt sie. Luxus lehnt sie entschieden ab. „Der beste Besitz ist der, den ich gar nicht erst anschaffen muss“.

Die Schlichtheit, die die Äbtissin so schätzt, zeigt sich auch in ihrem Auftreten. Sie trägt ein langes, weites Wollgewand, das an das traditionelle Ornat der Schwestern erinnert. Eine Kleiderordnung gibt es zwar nur zu offiziellen Anlässen, doch die Äbtissin bevorzugt auch zivil die zeitlose Kleidung, die auf den kühlen Fluren gut vor Kälte schützt. Eine bewusste Entscheidung, um sich auf andere Dinge konzentrieren zu können. Bis auf kleine Perlenohrringe trägt sie weder Schmuck noch Schminke.

Der Kreuzgang des Klosters ist lichtdurchflutet, durch die Fenster sieht man eine große Kastanie auf dem Innenhof, die gerade zu blühen beginnt. In den Räumen stehen massive Holzmöbel. Die Bodendielen knarzen, wenn man darüber geht. „Ich finde es wunderbar, an einem Ort mit einer solchen Geschichte zu leben“, schwärmt Görcke. Sie sieht es als Aufgabe der Konventualinnen, den Schatz des 1207 gegründeten Klosters zu hüten und weiterzugeben. „Wir wollen ein offenes, schönes Haus führen“, sagt sie. Kloster Mariensee bietet Kunstausstellungen, Konzerte, Tage zur Einkehr und Workshops zum Erlernen von klösterlichen Kulturtechniken an.

Infos: www.kloster-mariensee.de

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www.paradiso-magazin.de

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