Kiel : Kleingartenverein: Aufnahmestopp für Migranten

Immer mehr Migranten entdecken den Kleingartenverein und ihre eigene Kleingartenkultur. /Symbolfoto

Immer mehr Migranten entdecken den Kleingartenverein und ihre eigene Kleingartenkultur. /Symbolfoto

Der Vorsitzende eines Anlagenverbundes sieht die Tendenz, dass die „neuen Mitglieder“ häufig gegen Regeln verstoßen.

shz.de von
03. September 2018, 11:40 Uhr

Kiel | Im Kieler Kleingartenverein von 1897 will der Vorsitzende einen Aufnahmestopp für Migranten einführen. Axel Zabe (63) führt an, dass die „neuen Mitglieder“ zu häufig gegen Regeln verstoßen würden, berichtete der „Deutschlandfunk“.

Der Verein zählt knapp 2400 Gärten, die sich auf 54 Anlagen verteilen. „Das ist eine Gemeinschaft, ein Kleingartenverein. Da sind die Nationalitäten vollkommen egal. Hier ist eine Gemeinschaft, die Gesetzen untersteht, die wir leider einhalten müssen.“ Im Hinblick auf die Migranten sagt er: „Das ist natürlich so, dass die einen ganz anderen Lebensstil haben als wir, das ist ja vollkommen klar. Und dass sie den hier natürlich beibehalten wollen. Das geht damit los, dass hier zum Teil geschlachtet und geschächtet wird.“ Wie viele Regelverstöße es gebe, wisse er nicht. Genauso wenig, wie hoch insgesamt der Migrantenanteil unter den Vereinsmitgliedern sei.

Ein 33-jähriger Kleingärtner aus einer syrisch-kurdischen Familie sagte gegenüber dem „Deutschlandfunk“: In seinem Heimatland seien Gärten beliebt. In seiner Heimat hätte seine Familie Felder gehabt und Baumwolle angebaut. Ein Schrebergarten in Deutschland sei zwar nicht dasselbe, aber sehr wichtig für die Erwachsenen und die Kinder, die hier gerne spielen würden.

„Bei uns gibt’s nicht so viele Gesetze und Regeln. Deswegen macht man praktisch, was man will.“ Etwas lauter gehe es bei ihm und seiner Familie mal zu, aber eine Meldung von außen genüge, damit sie die Lautstärke senken. Und Kinder seien eben auch Mal etwas lauter, dafür solle doch beidseitiges Verständnis herrschen. Einem Vorwurf von Zabe widerspricht er bestimmt. Ein Schaf sei im Kleingarten noch nie geschächtet worden. 

Der Kreisverband der Kieler Kleingärtner widerspricht den Forderungen des Vorsitzenden. Jeder sei in den Vereinen willkommen. In dem Aufnahmestopp sehe der Verband eine Tendenz zum Rassismus.

Die Leiterin der schleswig-holsteinischen Anti-Diskriminierungsstelle, Samiah El Samadoni, sagte, dass es juristisch fragwürdig sei, Interessenten wegen ihres Migrationshintergrunds die Aufnahme in bestimmte Anlagen zu verweigern.

Nach dem Vorstoß des Vereinsvorsitzenden Axel Zabe hat sich die Stadt Kiel eingeschaltet sowie die betroffene Kleingartenanlage Kollhorst inspiziert und 70 von 88 Gärten beanstandet. Darunter Parzellen von Deutschen und Migranten.

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