Städtebauprojekt : „Kleiner Kiel Kanal“: Heute fällt die Entscheidung im Rat

So sieht der offizielle Computer-Entwurf aus: Rechts sind Terrassen eingeplant, in der Mitte ist eine Fußgängerbrücke im Verlauf der Holstenstraße vorgesehen. Zur linken Seite bleibt Platz für zwei Busspuren, im Hintergrund ist der Kleine Kiel zu erkennen.
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Der offizielle Computer-Entwurf: Rechts sind Terrassen eingeplant, in der Mitte ist eine Fußgängerbrücke im Verlauf der Holstenstraße vorgesehen. Zur linken Seite bleibt Platz für zwei Busspuren, im Hintergrund ist der Kleine Kiel zu erkennen.

Das ehrgeizige und wegen seiner Kosten umstrittene Projekt „Kleiner Kiel Kanal“ steht heute zur Abstimmung.

shz.de von
16. Juli 2015, 06:44 Uhr

Kiel | Es ist sicherlich eines der ehrgeizigsten, fantasievollsten und zugleich teuersten Projekte in der Stadtgeschichte der Landeshauptstadt: Das sogenannte Projekt „Kleiner Kiel Kanal“. Seit Jahren laufen die Diskussionen und Überlegungen dazu. Im Herbst trat die Stadt mit ihren Plänen an die Öffentlichkeit und bezog die Bevölkerung mit in die Planungen ein.

Ein knappes Jahr später soll heute in der Ratsversammlung darüber abgestimmt werden, ob das Projekt auch in die Tat umgesetzt wird. Shz.de hat für Sie die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengestellt.

Was ist das Projekt „Kleiner Kiel Kanal“?

Der Begriff ist irreführend, da er vor Jahren als Arbeitstitel eingeführt wurde, aber nicht mehr dem aktuellen Planungsstand entspricht: In der Innenstadt soll im Bereich der Holstenbrücke eine Wasserfläche entstehen, die aus zwei 50 bzw. 100 Meter langen „Wannen“ besteht. Sie sollen rund 10 Meter breit und 1,40 Meter tief sein. Eine Fußgängerbrücke soll beide Ufer miteinander verbinden. Zudem soll es mehr Grün und einen hölzernen Boardwalk sowie einen Platz mit Liegeflächen geben.

Ursprünglich angedacht war eine Art Kanal bis zu der Teichlandschaft am Kleinen Kiel. Eine solche Verlängerung ist aus Kostengründen aber zumindest vorerst vom Tisch. Aus dem Rathaus heißt es dazu: „Die Verwaltung schlägt eine mögliche spätere Umsetzung vor.“

Wann soll das Projekt umgesetzt werden?

Wenn alles glatt läuft, sollen die Bauarbeiten im Herbst 2016 beginnen, also schon in gut einem Jahr. Ab Mitte 2017 soll die Holstenbrücke für den Privatverkehr voll gesperrt werden. Die Fertigstellung ist für das Frühjahr 2019 vorgesehen.

Was würde der Bau und die Unterhaltung kosten?

Die Zahlen ändern sich regelmäßig, sodass noch keine verlässlichen Angaben gemacht werden können. Nach letztem Stand belaufen sich die Baukosten auf 11,5 Millionen Euro - das wären über 1,6 Millionen Euro mehr als bisher veranschlagt. Für mögliche Unwägbarkeiten beim Bau ist allein schon eine Million Euro eingeplant.

Von den Kosten übernähmen Land und Bund zwei Drittel. Der Eigenanteil der Stadt würde bei etwa 3,5 Millionen Euro liegen, sofern die geplanten Kosten eingehalten werden. Am Eigenanteil wiederum sollen Anlieger mit rund einer Million Euro beteiligt werden. 

Auch die Angaben zu den Unterhaltungskosten schwanken: Im Oktober 2014 war von rund 111.000 Euro jährlich die Rede, wenige Tage zuvor noch von rund 200.000 Euro. Aktuellere Zahlen liegen bislang nicht vor.

Was sagen die Befürworter?

Es besteht Handlungsbedarf, um als Stadt weiterhin attraktiv für die Kieler und Gäste zu bleiben. Das Kiel-Kanal-Projekt soll Teil eines Prozesses werden, an dessen Ende das dann runderneuerte Stadtbild im Zentrum weiter aufgewertet wird. Das erhoffen sich auch einige Kaufleute. Ein Hamburger Geschäftsmann hat im Juni das ehemalige Kino „Die Brücke“ gekauft und will dort in unmittelbarer Nähe zum geplanten Kiel-Kanal Gastronomie ansiedeln.

Im Zuge der Stadtbild-Erneuerung sollen nach Stadtangaben in den kommenden Jahren auf privater und öffentlicher Ebene Investitionen in Höhe von insgesamt rund 330 Millionen Euro getätigt werden. Darunter fallen unter anderem die Umgestaltung des Holstenplatzes, die Aufwertung des Rathausplatzes, das Schlossquartier und das Treppenviertel neben dem Rathaus.

Was sagen die Kritiker?

„Viel zu teuer“, lautet das Hauptargument der Gegner. So sagte der CDU-Ratsfraktionsvize Rainer Kreutz, dass der Eigenanteil trotz der Landesförderung angesichts leerer Kassen und städtischer Rekordverschuldung nicht tragbar sei.

Zudem befürchten ansässige Kaufleute, dass ihre Geschäfte künftig nicht mehr oder nur noch schwierig mit dem Auto erreichbar seien.

Durften die Bürger mitentscheiden?

Ja und Nein: Um Fragen, Anregungen und Kritik zu dem Projekt zu bekommen, hat die Stadt seit Oktober ihre Bürger ermuntert, sich einzubringen. Innerhalb von zwei Monaten kamen 700 Rückmeldungen, die teilweise in den Planungen zur Gestaltung des Umfelds der Wasserfläche berücksichtigt wurden. Einen von der FDP-Ratsfraktion Ende Oktober geforderten Bürgerentscheid wird es aber wohl nicht geben.

 
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