Ex-Frau des Mobilcom-Gründers : Klarer Punktsieg für Sybille Schmid-Sindram

Ein Bild aus erfolgreichen Tagen: Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid und seine Frau Sybille im Jahr 2005 während einer Hauptversammlung des Unternehmens in Berlin. Foto: dpa
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Ein Bild aus erfolgreichen Tagen: Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid und seine Frau Sybille im Jahr 2005 während einer Hauptversammlung des Unternehmens in Berlin. Foto: dpa

Sieg vor dem Flensburger Landgericht: Wie die Ex-Frau des Mobilcom-Gründers Gerhard Schmid, Sybille Schmid-Sindram, um ihr Vermögen kämpft.

shz.de von
11. März 2013, 05:32 Uhr

Flensburg | Die Ex-Ehefrau von Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid hat im Streit um drei Millionen Mobilcom-Aktien, die ihr Ex-Mann ihr einst in einem Ehevertrag übertragen haben soll, einen wichtigen juristischen Erfolg erzielt. Das Landgericht Flensburg wies jetzt die Klage des Insolvenzverwalters Jan H. Wilhelm ab, der sich von der Schleswiger Unternehmerin das Vermögen zurückholen wollte. Seine Begründung: Aus dem gegen Gerhard Schmidt eröffneten Insolvenzverfahren sei Massevermögen hinterzogen worden. Um den Verdacht einer Straftat zu vereiteln, seien nachträglich Dokumente produziert und rückdatiert worden.

Schwere Vorwürfe, denen seit Jahren auch die Kieler Staatsanwaltschaft nachgeht. Sie erhebt unter anderem den Vorwurf des Bankrottvergehens und den Verdacht der Untreue zum Nachteil der Mobilcom AG gegen Gerhard Schmid. Drei Wirtschaftsverfahren gegen den im Jahr 2000 wohl spektakulärsten Aufsteiger des Neuen Marktes sind beim Landgericht Kiel anhängig. Dass die Ex-Ehefrau dabei Beihilfe geleistet hat, ließ sich zumindest im jetzigen Zivilverfahren nicht erhärten.

Dreh- und Angelpunkt des Zivilverfahrens war ein Brief

Im Gegenteil. Die 7. Zivilkammer des Flensburger Landgerichts kam zu dem Ergebnis, dass Gerhard Schmid das umstrittene Aktienpaket im Frühjahr 2003 "wirksam an seine damalige Ehefrau übertragen hat und Sybille Schmid-Sindram damit rechtmäßige Eigentümerin des Vermögens geworden ist. Der ursprüngliche Eigentümer Gerhard Schmid war zum Zeitpunkt der Übertragung der Aktien zur Verfügung berechtigt", heißt es in dem Urteil, auch wenn Schmid erst am 2. Mai 2003 - unmittelbar vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens am selben Tag - das Aktienpaket auf ein anderes Depot verschob.

Dreh- und Angelpunkt des Zivilverfahrens war ein Brief des damaligen Bräutigams Gerhard Schmid vom 1. Juli 2000 an seine Braut. Zwei Wochen vor der Hochzeit, die mit 500 Gästen auf einem Mississippi-Dampfer auf der Schlei gefeiert wurde, schrieb der gerade zum Milliardär aufgestiegene Unternehmer, der seine Service-Providerfirma für den Mobilfunkbereich - die Mobilcom - in Schleswig mit einer Mitarbeiterin gestartet hatte und später in einen Firmenneubau nach Büdelsdorf zog:

"Liebe Sybille,

hiermit übertrage ich dir 3.000.000 Mobilcom-Aktien unter der aufschiebenden Bedingung, dass wir noch vor unserer Hochzeit einen Ehevertrag abschließen, mit dem gesetzliche Gütertrennung vereinbar wird und Du auf die eheliche Zugewinngemeinschaft und den gesetzlichen Versorgungsausgleich verzichtest.

Mit der Unterschrift unter dem Ehevertrag nimmst Du die Übertragung der 3.000.000 Mobilcom-Aktien an. Zugleich bestätigst Du, dass ich zunächst bis auf weitere Anweisungen von Dir die Aktien in einem meiner Depots verwahre und die Stimmrechte für Dich als Treuhänder ausübe".

Ein millionenschwerer Deal

Ein millionenschwerer Deal. So taxierte der Insolvenzverwalter den Wert der drei Millionen Mobilcom-Aktien zum Zeitpunkt der Übertragung auf 600 Millionen Euro. Gerhard Schmid soll zu diesem Zeitpunkt rund 23, 6 Millionen der insgesamt 65,3 Millionen Mobilcom-Aktien gehalten haben. Sein Unternehmen hatte in besten Zeiten einen Börsenwert von mehr als dreizehn Milliarden Euro. Demnach war Schmids persönlicher Anteil an der Providerfirma mehr als vier Milliarden Euro wert. Der Ehevertrag mit Sybille Schmid-Sindram wurde am 12. Juli 2000 geschlossen. Auch wenn die entsprechenden Schriftstücke, deren Echtheit der Insolvenzverwalter bestreitet, im Original nicht auffindbar waren, sah das Landgericht keine ausreichenden Beweise, "um zu dem für eine Verurteilung sicheren Schluss zu kommen, dass die Urkunden nachträglich gefälscht" worden sind, um beim Absturz in die private Pleite noch schnell Vermögen in Sicherheit zu bringen. Nicht zuletzt der Brief Gerhard Schmids an seine "Liebe Sybille" und der Ehevertrag seien schlüssig. So wäre "die unternehmerische Handlungsfähigkeit des Gerhard Schmid ohne Ehevertrag mit seiner zukünftigen Ehefrau wesentlich eingeschränkt, wenn nicht gar ausgeschlossen gewesen", heißt es in der Urteilsbegründung.

Immerhin ging mit der Hochzeit ein weiterer Höhepunkt der Schmid-Karriere einher: Zusammen mit der France Telekom, die 28,5 Prozent an der Mobilcom AG erworben hatte, ersteigerte der Überflieger im Sommer 2000 vom Bund eine der 8,5 Milliarden Euro teuren UMTS-Lizenzen für den Mobilfunk. Gerhard Schmid gehörte zu diesem Zeitpunkt zu den 100 reichsten Deutschen. Mit der Heirat erhielt seine Frau zwar ein Vermögen, verzichtete aber im Gegenzug auf Unterhalt und Versorgungsausgleich.

Der Unternehmensgründer stürzte ab

Doch solche Fragen erübrigten sich mit der Pleite, die im Frühjahr 2003 nicht mehr zu stoppen war. Mobilcom-Großaktionär Gerhard Schmid und die France Telecom hatten sich nach dem UMTS-Coup zerstritten. Der Unternehmensgründer stürzte ab und musste am 11. Februar 2003 beim Amtsgericht Flensburg einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens wegen drohender Zahlungsunfähigkeit stellen. Das Verfahren ist bis heute nicht beendet. Seine Ex-Frau dagegen, die sich inzwischen von ihm scheiden ließ und in Lürschau (Kreis Schleswig-Flensburg) zu Hause ist, steht an der Spitze des Stromanbieters "Bonusstrom" in Fahrdorf. Außerdem ist sie an der Waterkant Immobilienfond GmbH beteiligt. Hier managt sie als Geschäftsführerin großen Immobilienbesitz in Kieler Toplage.

Das Vermögen aus der Ehe mit dem Mobilcom-Gründer dürfte bei diesem Aufstieg geholfen haben. Doch die 7. Zivilkammer des Landgerichts Flensburg stellt dazu im aktuellen Urteil klar: Sybille Schmid-Sindram "konnte als Eigentümerin wirksam über die Aktien verfügen und sie somit auch auf ein durch sie geführtes Unternehmen übertragen. Herausgabe- oder Wertersatzansprüche kommen somit … nicht in Betracht."

Ein Urteil, das nicht zuletzt die Kieler Staatsanwaltschaft genau studieren wird. Die Ex-Ehefrau des Mobilcom-Gründers soll unterdessen den Bau neuer Immobilienprojekte in der Landeshauptstadt planen.

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