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Mobilcom-Gründer angeklagt : Klage zugelassen - 17 Tage zu früh für Schmid

vom

Am Ende fehlten etwas mehr als zwei Wochen - und das nach 4015 Tagen. So lange liegt das vermeintliche Bankrottvergehen des Gerhard Schmid zurück.

shz.de von
erstellt am 21.Mai.2013 | 03:23 Uhr

Kiel | Für Wolfgang Kubicki, der Schmids Ex-Frau vertritt, ist die Sache klar: Die Kammer habe das Hauptverfahren nur eröffnet, um die drohende Verjährung zu verhindern. Daher sei es "eher unwahrscheinlich", dass es überhaupt zu einem Prozess kommt. "Das steht noch in den Sternen", so der Staranwalt. Kubicki hatte erst im März einen wichtigen juristischen Erfolg für Schmid-Sindram erzielt. Das Landgericht Flensburg wies in einem Zivilverfahren die Klage des Insolvenzverwalters Jan H. Wilhelm ab, der sich von der Schleswiger Unternehmerin das Vermögen zurückholen wollte. Seine Begründung: Aus dem gegen Gerhard Schmidt eröffneten Insolvenzverfahren sei Massevermögen hinterzogen worden. Um den Verdacht einer Straftat zu vereiteln, seien nachträglich Dokumente produziert und rückdatiert worden.
Die 7. Zivilkammer des Flensburger Landgerichts kam allerdings zu dem Ergebnis, dass Gerhard Schmid das umstrittene Aktienpaket im Frühjahr 2003 "wirksam an seine damalige Ehefrau übertragen hat und Sybille Schmid-Sindram damit rechtmäßige Eigentümerin des Vermögens geworden ist. Der ursprüngliche Eigentümer Gerhard Schmid war zum Zeitpunkt der Übertragung der Aktien zur Verfügung berechtigt", heißt es in dem Urteil, auch wenn Schmid erst am 2. Mai 2003 - unmittelbar vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens am selben Tag - das Aktienpaket auf ein anderes Depot verschob.

Ermittlungen seit 2005


Auch Schmids Verteidiger Marc Langrock zeigt sich "nach wie vor zuversichtlich, dass sich die Vorwürfe als haltlos erweisen werden". Laut Anklage soll Schmid zwischen 2002 und 2004 rund 2,8 Millionen Mobilcom-Aktien im Wert von rund 14 Millionen Euro nach Liechtenstein verschoben haben - am Insolvenzverwalter vorbei in ein Depot einer Gesellschaft, die seiner Ehefrau gehört haben soll. Zudem soll er rund 2,9 Millionen Euro aus dem Verkauf von Spitzenpferden transferiert haben.
Für die Anklage ermittelte die Staatsanwaltschaft seit 2005. Sie ließ Büros in Liechtenstein durchsuchen, Bankmitarbeiter verhören und Akten beschlagnahmen. Schmids Anwälte versuchten vergeblich, den Zugriff zu verhindern. Liechtensteiner Gerichte gaben aber in erster und zweiter Instanz ihre Zustimmung. Der Staatsgerichtshof wies zudem eine Verfassungsbeschwerde zurück. Erst 2009 erhielt die Kieler Staatsanwaltschaft die Depot- und Kontounterlagen, auf die sie nun ihre Anklage stützt. Ein Schuldspruch könnte den einstigen Liebling des Neuen Marktes bis zu fünf Jahre hinter Gitter bringen.

Drei Jahre einer der reichsten Deutschen


Die Haftstrafe wäre ein nochmaliger Tiefschlag nach einer Traumkarriere, die mit einem tiefen Absturz endete. 2003 musste Schmid private Insolvenz anmelden, nachdem er drei Jahre zuvor noch zu den reichsten Deutschen gehörte. Auf dem Papier waren Schmids Anteile an dem von ihm gegründeten Unternehmen Mobilcom sagenhafte sieben Milliarden Euro wert. Das war die Zeit, als der Maurer-Sohn aus dem Fränkischen zum Milliardär aufgestiegene Unternehmer seine Hochzeit mit 500 Gästen auf einem Mississippi-Dampfer auf der Schlei feierte und niemand an das böse Ende dachte.
Schmid begann als Vorstandsassistent eines Porzellanherstellers, wurde Geschäftsführer eines Ostseebades und dann Vorstandsmitglied einer Autovermietungsfirma. Dort stieg er aus, ließ den gut dotierten Posten fahren, um sich den Telekommunikationsmarkt "zu nehmen"", wie er später sagte. Er gründete 1991 die Mobilcom und begann, Handys in Schleswig-Holstein zu vermarkten - mit einer einzigen Mitarbeiterin. Es sollten einmal über 5000 werden. Das Unternehmen wuchs schnell: Der Umsatz überstieg bald die damalige 100 Millionen Mark-Schallgrenze, 1997 brachte Schmid es als eine der ersten Aktiengesellschaften an den Neuen Markt. Nach der Liberalisierung des deutschen Festnetzmarktes ein Jahr später zündete die Aktie des Unternehmens aus Büdelsdorf wie eine Rakete.

Eigenes Handynetz - der große Traum


Der ganz große Geschäftstraum war für Mobilcom und deren Chef ein eigenes Handynetz. Für mehr als acht Milliarden Euro ersteigerte Schmid im Jahr 2000 eine der UMTS-Lizenzen. Zuvor hatte der Staatskonzern France Télécom für fast vier Milliarden Euro 28,5 Prozent der Mobilcom-Aktien übernommen. Aber die Ausgaben für die Lizenzen sorgten für einen gigantischen Schuldenberg, der das Unternehmen in die roten Zahlen drückte. Schmid verlor erst seinen Chefsessel und dann die Zahlungsfähigkeit. Doch der ehemalige Eishockey-Profi kämpft trotz der vielen Niederlagen immer weiter. Allerdings sind gegen ihn noch zwei weitere Wirtschaftverfahren vorm Landgericht Kiel anhängig.
Sybille Schmid-Sindram, die sich inzwischen vom Mobilcom-Gründer scheiden ließ und in Lürschau (Kreis Schleswig-Flensburg) zu Hause ist, steht heute an der Spitze des Stromanbieters Bonusstrom in Fahrdorf. Außerdem ist sie an der Waterkant Immobilienfond GmbH beteiligt. Hier managt sie als Geschäftsführerin Immobilienbesitz in Kieler Toplage und soll unterdessen den Bau neuer Projekte in der Landeshauptstadt planen.
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