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Orkantief „Xaver“ : Kita-Schließungen: Eltern ärgern sich über sturmfrei

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Als Kinder wegen des Orkantiefs am Donnerstag aus den Kitas abgeholt werden mussten, kamen Eltern in Bedrängnis. Denn im Gegensatz zu den städtischen Mitarbeitern in Kiel mussten sie trotz Sturm arbeiten. Die Frage: Wohin mit den Kindern?

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erstellt am 07.Dez.2013 | 09:36 Uhr

Kiel | Für Michael F. ist das Wochenende schon jetzt gelaufen. Er muss nachsitzen – und zwar im Büro. „Mein Arbeitgeber ist zwar kinderfreundlich und hat mir sofort freigegeben, weil die Kita wegen Sturmtief Xaver schließt. Aber meine Arbeit muss ich trotzdem machen.“ Gegen 13 Uhr kam am Donnerstag der Anruf, dass seine beiden Kinder spätestens bis 14 Uhr aus dem städtischen Kindergarten in Kiel abgeholt werden sollen.

Seine Frau arbeitet in der Nähe von Neumünster und konnte nicht so schnell weg. „Außerdem ist ihr Arbeitgeber ohnehin schon gereizt wegen der Fehltage durch Kinderkrankheiten.“ Besonders verärgert ist Michael F., dass auch gleich für Freitag die Betreuung der Kinder abgesagt wurde. „Mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist es offenbar doch nicht so weit her, wie die Politiker immer behaupten.“

Kiels Interims-Stadtoberhaupt Peter Todeskino (Grüne) sieht das anders. Er hatte entschieden, dass alle 4500 städtischen Mitarbeiter – egal, ob sie in der Kita, im Rathaus oder bei der Müllabfuhr arbeiten – am Donnerstagmittag nach Hause gehen sollten und auch gestern dienstfrei hatten. Während die Landesregierung ihren Beamten und Angestellten die Entscheidung selbst überließ, ob sie angesichts der Wetterlage am Donnerstag die Amtsstuben früher verlassen, habe sich die Stadt ganz bewusst gegen diese Lösung auf freiwilliger Basis entschieden, erklärt Todeskino. „Die Feuerwehr hat vor einem schlimmen Szenario gewarnt“, so der Bürgermeister, der „zutiefst davon überzeugt ist“, dass er „höchst verantwortlich“ gehandelt hat.

Ob im Umkehrschluss die Rathäuser – beispielsweise in Flensburg, Neumünster oder Rendsburg –, die Landesbehörden oder gar die Kaufhäuser und Zahnarztpraxen unverantwortlich gehandelt haben, weil dort gestern ein weitgehend normaler Arbeitstag war, ließ Todeskino unbeantwortet. Dass müssten die Bürgermeister, der Ministerpräsident und die Firmenchefs selbst verantworten. „Wir haben richtig gehandelt, zumal der Freitag ja ohnehin nur ein halber Arbeitstag ist.“

Zudem verweist Todeskino auf Notbesetzungen, von denen aber viele Kita-Eltern nichts wussten. „Das ist uns nicht angeboten worden, ich musste wieder mal in der Nachbarschaft betteln, ob jemand meine Tochter nimmt“, berichtet eine Mutter. „Man hätte es den Eltern doch freistellen können, ob sie es verantworten wollen, ihr Kind in die Kita zu geben“. Die Kitas komplett zu schließen und das Personal bis Montag nach Hause zu schicken, könne man sich nur im öffentlichen Dienst leisten, meint die Kielerin, die in einem großen Kaufhaus angestellt ist. „Die Leidtragenden sind doch die Eltern, die in der Privatwirtschaft tätigt sind und auch bei Wind und Wetter zur Arbeit müssen“.

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