Neue Zahlen aus SH und Hamburg : Kinder sind im Straßenverkehr immer häufiger in Unfälle verwickelt

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Im Norden kommt es immer öfter zu schweren Unfällen.

Im Norden kommt es immer öfter zu schweren Unfällen.

In Hamburg und Schleswig-Holstein kam es 2017 öfter zu Unfällen als im Vorjahr – aber es gab weniger Verletzte.

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11. Oktober 2018, 06:42 Uhr

Hamburg | In der Hansestadt Hamburg und im Land Schleswig-Holstein kommt es zu immer mehr Verkehrsunfällen. Vor allem für Kinder scheint der Straßenverkehr immer gefährlicher zu werden. Dies belegen Zahlen der Landespolizei Schleswig-Holstein und der Stadt Hamburg. Dabei fällt auf: Die Zahl der Unfälle ist gestiegen, aber weniger Menschen lassen ihr Leben auf den Straßen im Norden. Eine Analyse:

Ein Dreijähriger reißt sich von der Hand seines Vaters los, läuft auf die Straße, wird von einem Auto erfasst und schwer verletzt. Dieser Unfall ereignete sich erst vor wenigen Tagen in Hamburg, passiert aber so oder ähnlich statistisch gesehen zweimal am Tag − wenn man die aktuellen Unfallzahlen zu Grunde legt. Demzufolge sind 367 Kinder und damit 44 mehr als im selben Vorjahreszeitraum im ersten Halbjahr 2018 im Hamburger Verkehr verunglückt − entweder als aktive Verkehrsteilnehmer oder etwa als Mitfahrer in Autos.

Für die CDU-Fraktion der Hansestadt sind die Zahlen nicht hinnehmbar. Sie wirft dem Senat der Hansestadt vor, die jüngsten Verkehrsteilnehmer nicht gut genug zu schützen und hat eine intensivere und bessere Verkehrserziehung  sowie mehr Tempokontrollen insbesondere vor Kitas und Schulen gefordert.

Radfahrer sind häufiger in Unfälle verwickelt

Die Innenbehörde sieht das anders. Nur ein kleiner Teil der Kinderunfälle ereigne sich im Umfeld von Kitas oder Schulen. Die Anzeigen nach mobilen Radarkontrollen seien zudem auf 132.306 gestiegen, während es im ersten Halbjahr 2017 noch 97.788 Anzeigen gewesen seien. Auch die Ausweitung von Tempo-30-Zonen stärke die Verkehrssicherheit in Hamburg.

Die Hauptverursacher von Kinderunfällen sind laut der Statistik aber nicht mehr die Autofahrer. In 124 Fällen im ersten Halbjahr waren Radfahrer demnach die Hauptverantwortlichen für Unfälle mit den Jüngsten, 105-mal waren es Autofahrer. Im Vergleichszeitraum 2017 war das Verhältnis noch umgekehrt.

<p>Kinder werden in der Hansestadt oft verletzt.</p>
imago/7aktuell

Kinder werden in der Hansestadt oft verletzt.

 

Die Zahlen spiegeln auch wieder, dass insgesamt in Hamburg immer mehr Radfahrer unterwegs sind. Die Zahl der Verkehrsunfälle mit Radfahrern ist laut Statistik im ersten Halbjahr 2018 auf 1523 gestiegen. Zwischen Januar und Juni 2017 waren es noch 1508 Unfälle. 1133 Radfahrer wurden bei Unfällen verletzt, zwei Radfahrer getötet. Hauptverursacher der Radunfälle waren im ersten Halbjahr 2018 in 720 Fällen Pkw-Fahrer. Bei 64 Radfahrunfälle war der Verursacher ein Lkw-Fahrer. Dazu zählt auch der Unfall Anfang Mai an der Osterstraße in Eimsbüttel, der viele Hamburger erschütterte: Eine 33 Jahre alte Radfahrerin und Mutter zweier Kinder starb, nachdem sie von einem nach rechts abbiegenden Lkw überrollt worden war − wahrscheinlich weil der Lkw-Fahrer sie im sogenannten toten Winkel nicht sehen konnte.

Weiterlesen :Abbiegeunfälle mit Lkw: So sicher sind Fahrradfahrer in SH unterwegs

Die Hamburgische Bürgerschaft hatte danach beschlossen, den gesamten Fuhrpark der Stadt und der städtischen Unternehmen ab 3,5 Tonnen mit Abbiegeassistenten auszurüsten.

Auch in Schleswig-Holstein sind die Zahlen gestiegen

In Schleswig-Holstein zeichnet sich ein ähnliches Bild ab wie in der Hansestadt. Wie die Landespolizei des nördlichsten Bundeslandes mitteilt, sind im ersten Halbjahr 2017 insgesamt 666 Kinder verunglückt. Im ersten Halbjahr 2018 sind es schon 675. Allerdings kam in diesem Jahr nur ein Kind zu Tode. 2017 waren es zwei Kinder.

<p>Dieses Bild gibt es im Norden immer weniger: Motorradfahrer verunglücken seltener.</p>
imago/Sascha Ditscher

Dieses Bild gibt es im Norden immer weniger: Motorradfahrer verunglücken seltener.

 

Auch die Zahl der Verkehrsunfälle ist gestiegen. Nachdem es im ersten Halbjahr 2017 insgesamt 42.728 Unfälle auf Schleswig-Holsteins Straßen gab, krachte es in diesem Jahr schon 43.398 mal. Doch auch hier ist die Zahl der Verletzten oder Getöteten rückläufig. Wie die Landespolizei mitteilt sind in diesem Jahr 5827 Menschen auf den Straßen verletzt oder getötet worden. 2017 waren es 5893 Personen.

Fahrradfahrer und Fußgänger leben in Schleswig-Holstein gefährlich

Fahrradfahrer werden bei Unfällen auch in Schleswig-Holstein besonders oft verletzt. Bei 1906 Unfällen (2017) wurden 1800 Radler verletzt oder getötet. Diese Zahlen sind sogar noch gestiegen. 2018 gab es 2017 Unfälle mit Radlern, bei denen 1917 Menschen verletzt oder getötet wurden. Bei Fußgängern zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Von 537 auf 568 Unfälle sind die Zahlen binnen eines Jahres gestiegen.

Weniger Unfälle bei Motorradfahrern

Etwas überraschend sind die Zahlen bei den Motorradfahrern. Bei den besonders langen Sommer in diesem Jahr, liegt die Vermutung nahe, dass auch bei den Motorradfahrern die Zahl der Unfälle steigt. Doch diese sind sogar gesunken. Hier gab es 654 Unfälle. Ein Minus von 11,5 Prozent.

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