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Neuer Bundesverkehrswegeplan : Kein Strom für die Marschbahn: „Westküste wird abgehängt“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Im neuen Verkehrswegeplan lehnt Minister Dobrindt eine Elektrifizierung der Westküstengleise ab – aus Schleswig-Holstein kommt deutliche Kritik.

shz.de von
erstellt am 01.Mär.2016 | 08:04 Uhr

Rückschlag für die Westküste: Die Marschbahn zwischen Itzehoe und Westerland wird nicht elektrifiziert. Auch die Linie von Wilster nach Brunsbüttel erhält keine Oberleitung. Das geht aus dem Entwurf für den neuen Bundesverkehrswegeplan bis 2030 hervor, den Minister Alexander Dobrindt in zwei Wochen dem Bundestag zur Beratung vorlegen will. Da der CSU-Politiker beide Projekte für volkswirtschaftlich unrentabel hält, hat er sie nicht in seinen Plan aufgenommen.

Der bislang nicht elektrifizierte Teil der Marschbahnstrecke ist rund 170 Kilometer lang. Stromleitungen gibt es auf 19.800 Kilometern des bundesweit 33.000 Kilometer langen Schienennetzes. In der Regel sind dies Strecken auf denen ICE verkehren oder die ein hohes Aufkommen an Güterverkehr aufweisen. Beides trifft auf die Marschbahn nicht zu.

Dagegen hatte Dobrindts Kieler Amtskollege Reinhard Meyer die Elektrifizierung beider Strecken gefordert. Der SPD-Politiker reagierte daher gestern verärgert: „Hier zeigt sich, dass die Westküste abgehängt wird“, schimpfte er. Die Entscheidung des Bundes sei nicht zuletzt mit Blick auf die Chancen des Hafens in Brunsbüttel falsch. Auch CDU-Verkehrsexperte Hans-Jörn Arp zeigte sich enttäuscht: „Das ist ein schwerer Schlag“, sagte er und forderte Meyer auf, sich bei Dobrindt stärker für die Westküste einzusetzen. Meyer appellierte seinerseits an die Bundestagsabgeordneten, für die Elektrifizierung zu kämpfen.

Dobrindt hält drei Projekte in Schleswig-Holstein für besonders dringlich. So stuft er zum einen die Vertiefung des Nord-Ostsee-Kanals in den „vordringlichen Bedarf plus“ ein – worüber sich sein Kollege Meyer erfreut zeigte: „Die Vertiefung ist mit Blick auf künftige Generationen von Container-Feederschiffen absolut notwendig“, sagte er. Zum anderen hat Dobrindt den vierspurigen Ausbau der A21 bis Schwarzenbek ebenso in die höchste Dringlichkeitsstufe eingeordnet wie den sechsspurigen Ausbau der A23 bei Hamburg (siehe Grafik). Meyer begrüßte vor allem die A-23-Pläne: „Die Strecke Tornesch-Eidelstedt ist enorm wichtig als Achse in die Metropolregion.“ Auch CDU-Mann Arp freute sich: „Der Ausbau dort ist dringend nötig.“

Die wichtigsten Projekte in SH.

Die wichtigsten Projekte in SH.

Foto: shz-Grafik Yalim
 

Das größte Verkehrsprojekt im Land, der Weiterbau der A20, hat es dagegen wie bereits berichtet nur in die zweithöchste Kategorie geschafft, den einfachen „vordringlichen Bedarf“. Auch damit sind die Chancen auf eine Verwirklichung aber gut – vorausgesetzt es findet sich ein Investor für den milliardenschweren Elbtunnel. Zudem hat auch der Ausbau der B5 in Nordfriesland gute Aussichten, da er ebenfalls als vordringlich gilt. Überraschend taucht im „vordringlichen Bedarf“ zudem der Ausbau des Elbe-Lübeck-Kanals auf, obwohl der wie die Marschbahn volkswirtschaftlich nicht rentabel ist und daher vom Bund bisher abgelehnt wurde. Dobrindt begründet das mit der „Umweltfreundlichkeit des Verkehrsträgers Wasser“.

Vordringlich sind schließlich auch noch einige lokale Projekte – wie die Verlegung der B431 bei Wedel, die Kieler Südspange sowie Ortsumgehungen etwa in Handewitt, Geesthacht, Ratzeburg und Lauenburg. Die vom Land angemeldete Umgehungsstraße in Tating auf Eiderstedt hat Dobrindt dagegen gestrichen.

Keine Rolle spielen im neuen Verkehrswegeplan alle Projekte, die bereits begonnen oder fest beschlossen sind – wie die Hinterlandanbindung zum Fehmarnbelt oder der A-20-Weiterbau zur A7. Sie gelten ohnehin als gesetzt.

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