zur Navigation springen

Probleme im Grenzgebiet : Kein Netz in SH – das Dilemma mit den Funklöchern

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Auch ein vollständiger Ausbau der LTE-Netze bringt keine hundertprozentige Flächendeckung.

von
erstellt am 20.Sep.2017 | 16:34 Uhr

Hörnum/Kiel | Dieter Mordhorst muss die Strandtreppe hochlaufen, um zu telefonieren. Der Wehrführer der freiwilligen Feuerwehr Hörnum flucht über die lückenhafte Mobilfunkversorgung an der Sylter Westküste. Mit dem Handy bei einem Rettungseinsatz am Strand die Leitstelle anzurufen, ist für den Hörnumer Feuerwehrchef nahezu unmöglich. Kein Einzelfall, wie eine Umfrage des sh:z ergab. Schleswig-Holstein – ein Land der Funklöcher?

Aus allen Teilen des Landes meldeten Handybesitzer Lücken in der Mobilfunkversorgung. Für Boris Wita von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein keine Überraschung: „In dünn besiedelten Regionen ist das Netz eine Katastrophe.“ Sobald man die Städte verlässt, sei das nächste Funkloch nicht weit. Ob Telekom, Vodafone oder Telefónica – alle drei Netze seien von einer flächendeckenden Versorgung weit entfernt.

Das sehen die Mobilfunkkonzerne anders: Vodafone versorge mit dem alten GSM-Standard 99,9 Prozent der Bevölkerung in Schleswig-Holstein, mit UMTS 80 Prozent und mit dem neuen LTE 96,5 Prozent, erklärt Konzernsprecher Volker Petendorf. Sein Unternehmen habe im nördlichsten Bundesland mehr als 100 Millionen Euro in den LTE-Ausbau investiert und verfüge im Land über 500 LTE-Standorte. In den nächsten zwölf Monaten sollen 27 Bauvorhaben umgesetzt werden, darunter LTE-Nachrüstungen an bestehenden Standorten, aber auch komplett neue Stationen. „Allerdings setzt die Nähe zu Dänemark dem Wirkungsradius in bestimmten Regionen Grenzen,“ räumt Petendorf ein. An der Grenze zu Dänemark würden „Sektoren mit etwas geringerer Leistung senden“, bestätigt Telefónica-Sprecher Florian Streicher. Und im Grenzgebiet dürften die LTE-Sender nicht auf 800 MHz funken, ergänzt Stefanie Halle von der Telekom.

„Eine zufriedenstellende Versorgung von grenznahen Regionen ist in den meisten Fällen technisch möglich, jedoch für die Unternehmen oft nicht wirtschaftlich,“ erläutert Michael Reifenberg von der Bundesnetzagentur. Allerdings mussten sich die Netzbetreiber bei den LTE-Frequenzauktionen 2015 dazu verpflichten, bis 1. Januar 2020 mindestens 97 Prozent der Haushalte in jedem Bundesland zu versorgen und im Bundesdurchschnitt eine Haushaltsabdeckung von 98 Prozent zu erreichen. Die Autobahnen und ICE-Strecken sind vollständig zu versorgen. Doch eine 97-prozentige Haushaltsabdeckung ist nicht gleichbedeutend mit einer 97-prozentigen Flächenversorgung. Gerade im dünn besiedelten Schleswig-Holstein wird es also auch künftig Funklöcher geben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen