Private Anbieter im Internet : Kataster- und Grundbuchauszüge: Behörden warnen vor Abzocke

Der Bedarf nach Flurkarten, Grundbuch- und Katasterauszügen ist Dank des Immobilienbooms enorm.

Der Bedarf nach Flurkarten, Grundbuch- und Katasterauszügen ist Dank des Immobilienbooms enorm.

Dank des Immobilienbooms füllen sich Privatanbieter im Netz die Taschen – denn sie sind deutlich teurer als das Amt.

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10. Januar 2018, 11:34 Uhr

Kiel | Für den Kauf einer Wohnung oder den Bau eines Hauses klingen die Summen nicht beträchtlich: 39,80 Euro für eine Liegenschaftskarte aus dem Katasteramt und 34,80 Euro für einen Grundbuchauszug – und das bequem online bestellt. Doch wer sich beim Behördengang im Internet  von vermeintlich geringen Summen blenden lässt, landet schnell statt beim Amt auf den Onlineseiten von privaten Anbietern, die Dank Werbung bei Google & Co. ganz weit vorn in der Trefferliste stehen. Und die machen ein gutes Geschäft. Wer den Kataster- oder Grundbuchauszug direkt beim Landesamt für Vermessung und Geoinformation in Schleswig-Holstein beziehungsweise beim zuständigen Grundbuchamt bestellt, zahlt für eine Liegenschaftskarte nur 23,80 Euro und für einen Grundbuchauszug zehn Euro.

Der Bedarf nach Flurkarten, Grundbuch- und Katasterauszügen ist Dank des Immobilienbooms enorm. Allein beim Landesamt für Vermessung und Geoinformation wurden 2017 über 138.000 Liegenschaftskarten angefordert, auf denen die Größe und Grenzen von Flurstücken und Gebäuden dokumentiert sind. Tendenz steigend. Bei den Grundbuchämtern liegt die Zahl noch höher, Immobilien- und Bankexperten gehen von jährlich knapp 300.000 Grundbuchvorgängen allein in Schleswig-Holstein aus.

Oliver Breuer, Sprecher des Justiz- und Verbraucherschutzministeriums warnt deshalb vor der Online-Abzocke: „Die Kosten privater Anbieter betragen oft ein Vielfaches der grundbuchamtlichen Gebühren. Auch sind nicht alle Anbieter seriös.“ Innenstaatssekretärin Kristina Herbst betont: „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schicken gerne jedem Bürger auf Anfrage die benötigten Auszüge aus dem Liegenschaftskataster zu den festgesetzten Kosten per E-Mail zu.“ 

Wer einen privaten Dienstleister mit der Beschaffung der Kataster- oder Grundbuchauszüge beauftragt, spart durch den Preisaufschlag keinerlei Arbeit. Die Daten muss er in beiden Fällen selbst eingeben, entsprechende Flurstücknummern selbst ermitteln.

Online-Behördengang hat auch Tücken – Private Anbieter kassieren ab

Ein Kommentar von Dieter Schulz

Das Amt hat immer zu, wenn man zwischen Job, Kinderbetreuung und Vereinsabend gerade mal Zeit hätte, den Grundbuchauszug zu beantragen oder die Flurkarte zu bestellen. Und im Internet ist immer geöffnet – die Digitalisierung hat für den Bürger auch viele Vorteile. Doch die neue Freiheit im Netz hat auch ihre Tücken.

Da Behörden nicht werben dürfen, erscheinen deren offiziellen Onlineseiten bei Google & Co. häufig erst nach den Angeboten verschiedener privater Dienstleister. Und wie überall im Leben gilt auch bei Beantragen von amtlichen Dokumenten im Netz: Wer das Kleingedruckte nicht liest oder beim Preis nicht vergleicht, zahlt drauf.

Dass jedoch so viele Bürger schnell den teueren Dienstleister anklicken, liegt jedoch auch am Negativimage vieler Behördengänge – langes, stupides Warten in kalten Fluren oder schlicht und einfach unfreundliche „Bedienung“. Solange dies so bleibt, werden viele Bürger weiterhin zuerst die gesuchte Dienstleistung und nicht den Behörden-Namen in die Internet-Suchmaske eingeben.

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