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Sanierungspläne : Karstadt in der Krise: Die Filialen in SH

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Aus der Onlineredaktion

Die Warenhäuser haben Tradition: In Schleswig-Holstein ist Karstadt noch in fünf Städten vertreten - in einer Filiale war sogar schon Thomas Mann Kunde.

Banges Warten bei Karstadt: Welches Konzept hat Immobilieninvestor René Benko in der Tasche? Fest steht: Es werden Filialen schließen. Laut einer Studie des Warenhausexperten Gerd Hessert sind 29 der bundesweit 83 Filialen bedroht. Immer wieder werden auch Standorte im Norden genannt, denen die Zukunftsperspektive fehlt. In Schleswig-Holstein bangen 900 Mitarbeiter um ihren Job.

Welche Standorte die Türen schließen müssen, steht noch nicht fest. Nach dem erneuten Eigentümerwechsel tritt der Aufsichtsrat des Unternehmens am Donnerstag erstmals zu Gesprächen zusammen. Eine Reise durch die Karstadt-Filialen in Schleswig-Holstein.

 

Flensburg: Die nördlichste Filiale

Ist das Warenhaus in der Flensburger Innenstadt gefährdet?
Ist das Warenhaus in der Flensburger Innenstadt gefährdet? Foto: Gunnar Dommasch

Mit 11.000 Quadratmetern gehört die Filiale am Holm 7 zu den mittelgroßen Warenhäusern des Konzerns. Dafür kann sie anders punkten: Flensburg ist der nördlichste Karstadt-Standort in Deutschland. 1968 öffnete das Kaufhaus, das damals noch zu Hertie gehörte. Seit 1996 ist es eine Karstadt-Filiale. 2010 wurde das Haus umfangreich modernisiert.

 

Lübeck: Deutschlands zweitälteste Filiale

Foto: Steenbeck
Foto: Steenbeck

Die Filiale in Lübeck an der Königstraße gibt es schon seit 130 Jahren. 1884 eröffnete Rudolph Karstadt in der Hansestadt sein zweites Warenhaus. Das erste baute er 1881 in Wismar unter dem Namen „Manufactur-, Confections- und Tuchgeschäft C.Karstadt und Co“. Das „C” steht dabei für Rudolphs Vater Christian. Seine Beteiligung war notwendig, da die mecklenburgische Gewerbeordnung zu dieser Zeit für selbstständige Kaufleute ein Mindestalter von 30 Jahren vorschrieb. Rudolph Karstadt war damals erst 25. Das Prinzip Warenhaus war eine revolutionäre Geschäftsidee: Erstens machte Karstadt Schluss mit der verbreiteten Praxis, anschreiben zu lassen. Im Warenhaus musste man bar zahlen und zwar gleich. Zweitens verzichtete er auf individuelle Preise. Damals kalkulierten die Händler die Preise je nach Einkommen der Käufer. Zu den Kunden der ersten Stunde soll schon Thomas Mann gezählt haben.

Noch heute gehört Karstadt Lübeck zu den größten Filialen in Schleswig-Holstein. Zusätzlich gibt es in der Holstenstraße eine Karstadt Sport-Filiale.

 

Neumünster: Wo sich Karstadt heimisch fühlte

Am Kuhberg 35 (links) eröffnete Rudolph Karstadt am 14. April 1891 sein drittes Geschäft. Diese Aufnahme entstand um 1900.
Foto: Lipovsek Foto: Lipovsek
 

Fast genauso lange wie in Lübeck gibt es Karstadt in Neumünster. Nach Wismar und Lübeck eröffnete Rudolph Karstadt seinen dritten Laden in Neumünster am Kuhberg 35, wo sich heute das neue Kundenzentrum der Stadtwerke befindet. Das Geschäft lief so gut, dass er schon 1894 auf dem Nachbargrundstück Kuhberg 37/39 ein größeres Geschäftshaus errichten ließ, das immer wieder erweitert wurde. Karstadt selbst gefiel es in Neumünster so gut, dass der Geschäftsmann für einige Jahre in der Innenstadt lebte, ehe er nach Kiel zog.

An seinen heutigen Standort am Großflecken zog Karstadt nach der Fusion mit Hertie in den 90ern. Die Hertie-Filiale am Teich wurde umgebaut. Die alte Karstadt-Filiale behergt heute ein Kino.

 

Kiel: Die größte Sportauswahl

Foto: Karstadt
Foto: Karstadt

In der ältesten Fußgängerzone der Bundesrepublik - der Holstenstraße - steht die neueste Karstadt-Filiale Schleswig-Holsteins: Im 2012 eröffneten Shopping-Center „Nordlicht“ hat sich Karstadt Sport 3.600 Quadratmeter Verkaufsfläche gesichert. Auf zwei Etagen befindet sich der laut Unternehmensangaben „größte Sportartikelanbieter in Schleswig Holstein“. In der „Skylounge“ kann man sogar Sport-Übertragungen verfolgen.

In Kombination mit dem Sophienhof, der Quer-Passage und dem Holstentörn bildet Karstadt am zweiten Standort in der Landeshauptstadt auf knapp 70.000 Quadratmetern das größte überdachte Einkaufszentrum Norddeutschlands.

 

Norderstedt:  Eine Filiale im Umbau

Foto: Imago
Foto: Imago

Karstadt in Norderstedt gibt es seit 1972. Das Geschäft war so erfolgreich, dass die Verkaufsfläche innerhalb von elf Jahren von 3.100 auf 6.400 mehr als verdoppelt wurde. In den vergangenen zehn Jahren mussten die Mitarbeiter allerdings immer wieder um ihren Arbeitsplatz bangen. Nachdem die Schließung 2009 abgewendet werden konnte, ist der Standort Norderstedt laut Warenhaus-Experte Gerd Hessert nun wieder „stark gefährdet“. Die Schließung konnte bisher immer durch Umbaumaßnahmen abgewendet werden. Auch jetzt wird wieder gebaut. Im April 2014 eröffnete der Technikmarkt Saturn im Obergeschoss. Karstadt selbst baut noch im Erdgeschoss. Wenn alles fertig ist, sollen auf 10.000 Quadratmetern Waren angeboten werden.

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erstellt am 08.Sep.2014 | 15:56 Uhr

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