Kammerjäger : Kampf der Kakerlake

Ein Kammerjäger beseitigt ein Wespennest - keine ungefährliche Aufgabe. Foto: ddp
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Ein Kammerjäger beseitigt ein Wespennest - keine ungefährliche Aufgabe. Foto: ddp

Keine Chance für Schabe, Ratte und Holzwurm: Kammerjäger schützen Betriebe und Privathaushalte vor Ungeziefer. Sönke Greve aus Barkelsby erzählt, warum dies kein Beruf für jeden ist.

shz.de von
08. Oktober 2012, 08:42 Uhr

Barkelsby | Ein Schädlingsbekämpfer bekämpft Schädlinge, klar. Aber welche speziell, und wie und womit? Einer, der es genau weiß, ist Sönke Greve aus Barkelsby bei Eckernförde. "Sie haben ein Problem - wir haben die Lösung!" lautet daher auch das Motto des IHK-geprüften Schädlingsbekämpfers.
Lösungen muss Greve so einige parat haben, denn sein Einsatzbereich ist vielfältig: Er stoppt den Befall von Gebäuden und Pflanzen durch Schädlinge, bietet gefräßigen Ratten, Schaben (volkstümlich auch Kakerlaken genannt), Mäusen und Ameisen Einhalt, wenn sie es auf Vorräte abgesehen haben. Und hat dabei immer "den Gesundheitsschutz der Menschen" im Blick, wie der Kammerjäger betont.
Auch im Holzschutz aktiv
Im Holzschutz hat sich der 42-jährige Unternehmer aus Barkelsby auf die Sanierung von Altbauten spezialisiert. Denn alte Bausubstanz wird oft von gefährlichen Feinden bedroht: Wenn Hausschwamm oder Holzbock sich durchs Gebälk fressen, schreitet Greve ein. Erfolgreich gestaltete sich dieser Einsatz etwa im Roten Haubarg bei Husum. Oder am Torhaus von Gut Quarnbek. Zwei prominente Gebäude, die der Vorsitzende des Landesverbandes Nord des Deutschen Schädlingsbekämpferverbandes beispielhaft nennt für gelungenes Vorgehen gegen holzzerstörende Pilze und Insekten.
Nicht aufs Holz, sondern auf Lebensmittel haben es dagegen andere Kleinstlebewesen abgesehen. Ihnen rückt Sönke Greve in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen, in Bäckereien, Schlachtereien, Gastronomiebetrieben und Supermärkten zu Leibe. Und zwar in erster Linie auf vorbeugende Art und Weise: "In der hygienischen Schädlingsbekämpfung spielt die Prophylaxe eine entscheidende Rolle", weiß der Fachmann. Und nennt als Ziel dieser Arbeit die "gesundheitsdienliche Reinlichkeit".
Die sei auch in großen Industriebetrieben gefragt - in Süßwarenfabriken etwa: "Da schauen wir zum Beispiel, von wem werden sie beliefert?", erklärt Greve. "Und wo könnten Schädlinge eingeschleppt werden?" Gemeinsam mit den Mitarbeitern des Betriebes würden dann sämtliche Abläufe und Warenwege durchgesprochen. Überprüft werden müsse auch, wie und wo Waren gelagert würden und in welchen Abständen sie zueinander stünden. "So können wir ein Warnsystem einrichten, um Schädlingsbefall zu vermeiden."
Klebefalle gegen Käfer
Im nächsten Schritt würden "Kontrollmechanismen" eingerichtet: "Gegen Schaben, Mäuse und Motten etwa mit Klebefolien, mit Lockstoffen und Fraßködern." Ob diese Fallen tatsächlich noch zuschnappten, werde regelmäßig überprüft. "Die Kontrollergebnisse werten wir dann aus, um das System zu optimieren und Schädlingsbefall komplett abzuwehren."
Durchleuchtet werde aber nicht allein der Betrieb selbst - sondern der "gesamte Weg des Produktes". Greve: "Das fängt bei dem Landwirt an, der zum Beispiel Getreide produziert, und geht über die Mühle, die es mahlt. Anschließend wird der Großhändler kontrolliert, der es vertreibt und der Bäcker, der es verarbeitet." Und, ganz zum Schluss, müsse auch der Supermarkt gecheckt werden. So bleibe jedes Produkt "unter Aufsicht", vom Erzeuger bis zum Endverbraucher.
Netze schützen Gebäude
Auch gegen fliegende - und sogar unsichtbare - Schädlinge zieht Sönke Greve zu Felde: Im Stadtmuseum von Eckernförde, am Kirchturm in Osdorf und an den Gebäuden der Sparkassen Eckernförde und Rendsburg installierte er spezielle Tauben-Abwehrsysteme. "Und wenn es mal wieder richtig stinkt, haben wir die Lösung zur Geruchsbeseitigung mit einem Plasmafeldgenerator." Dabei würden Mikroben und Allergene, etwa Sporen, abgetötet, und mit Spezialgeräten erkannt, bevor das menschliche Auge sie sichtet. "Und das sogar in bewohnten Räumen - ohne Ozon!"
Sein Wissen gibt der Fachmann weiter: als Ausbilder und Prüfer bei der Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein sowie bei der IHK Rheinland in Krefeld. Außerdem schult Greve Mitarbeiter von Lebensmittel verarbeitenden Betrieben und in der Pharmaindustrie.
Insekten mögens warm
Wo sieht der Experte die größten Probleme bei Ausbreitung gesundheitsgefährdender Schädlinge? Vieles habe heutzutage gar nichts mit Hygiene zu tun, sagt der 42-Jährige. "Wir passen uns mit unseren Lebensbedingungen oft den Schadorganismen an: Viele Insekten lieben subtropisches Klima. Und unsere Haushalte entsprechen dem, sie sind warm durch Heizungsluft."
Eine "Gefahr für den Menschen" stellten heute zunehmend die "globalen Transporte" dar. "Wir haben weltweite Warenwege, weil es keine Zentrallager oder Speicher mehr gibt. Die Ware bleibt also praktisch nirgendwo mehr stehen." Dadurch sei die Gefahr, dass Schädlinge sich ausbreiten, "unvermeidlich".

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