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Schulden-Atlas : Jeder Zehnte kann nicht zahlen

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Jeder zehnte Schleswig-Holsteiner ist überschuldet. Am schlimmsten sieht es in Neumünster, Lübeck und Flensburg aus. Häufige Ursache: Krankheit.

Flensburg/Neumünster | 6,41 Millionen Deutsche können derzeit ihre Kredite nicht mehr bezahlen. Dies steht im "Schuldenatlas 2011" der Wirtschaftsauskunftei Credireform. Dank der guten Wirtschaftsentwicklung sind es zwar 80.000 Betroffene (1,3 Prozent) weniger als im Vorjahr, dennoch ist fast jeder zehnte Erwachsene überschuldet.
In Schleswig-Holstein sind besonders Menschen in den Städten Neumünster (15,61 Prozent der Erwachsenen), in Lübeck (15,19 Prozent) und Flensburg (14,58 Prozent) betroffen. Bei den Kreisen fällt Dithmarschen auf. Dort können 12,15 Prozent der Bürger über 18 Jahren ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen. Die anderen Kreise liegen bei einer Quote zwischen 8 und 10 Prozent. In der Landeshauptstadt Kiel sind es 11,76 Prozent. Gegen den Bundestrend erhöhte sich die Quote auffällig stark in Lübeck. Fast 27.000 Lübecker sind überschuldet, gegenüber dem Vorjahr ist dies ein Anstieg von 1,27 Prozent.
Armut bei Jungen und Alten
In Schleswig-Holstein haben im Durchschnitt 10,47 Prozent Erwachsene mit Schulden zu kämpfen. Zum Vergleich: In Bayern sind es nur 6,9 Prozent, in Bremen dagegen 13,5 Prozent. Im Osten Deutschlands liegt die Schuldner-Quote wie bereits in den Vorjahren geringer als im Westen.
Bundesweit "besorgnis erregend" ist laut Creditreform die zunehmende Armut bei Jungen und Alten: Mehr als ein Viertel (26,3 Prozent) der überschuldeten Deutschen ist jünger als 30 Jahre, ihre Zahl ist dreieinhalb mal so hoch wie 2004. "Viele Betroffene dürften ihr Leben lang unter der Schuldenlast leiden", warnt Creditreform-Vorstand Helmut Rödl. Bei den Menschen über 70 Jahre stieg im Vorjahresvergleich um sechs Prozent - ein deutliches Zeichen von Altersarmut. Bundesweit summieren sich die Verbindlichkeiten überschuldeter Privatpersonen auf 216 Milliarden Euro, pro Person sind das statistisch gesehen 33.700 Euro.
Für das kommende Jahr rechnet die Rödl nicht mit einer nennenswerten Entspannung der Situation. Die anhaltende Euro-Krise und die riesigen Staatsausgaben für die Stabilisierung der europäischen Währung sorgten vielmehr dafür, dass die "Überschuldungsgefahr weltweit zunehmen" werde. Nach seiner Einschätzung werden die Kosten für die Staatsausgaben "auf dem Rücken der Verbraucher landen".
Häufige Ursache: Krankheit
Hauptursachen für Überschuldung sind weiterhin Arbeitslosigkeit, Trennung vom Lebenspartner, Krankheit und übertriebener Konsum. "Deutlich erhöht hat sich zuletzt die Bedeutung von Krankheit als Ursache für eine Überschuldung", erläutert Rödl. Im vergangenen Jahr sei Krankheit bei 12,1 Prozent der Fälle der Auslöser für die Finanzprobleme gewesen.
Knapp zwei Drittel aller überschuldeten Deutschen sind Männer. Ihr Anteil stieg im Vergleich zum vergangenen Jahr um 1,2 Prozent auf 4,1 Millionen. Bei den Frauen gab es einen Rückgang: Derzeit sind gut 2,3 Millionen erwachsene Frauen überschuldet, 5,3 Prozent weniger als 2010.
Ein Segen stellt die Arbeit der Schuldnerberatungen dar. Rödl: "Sie haben einen entscheidenden Anteil daran, dass uns die Sache nicht aus dem Ruder läuft."

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erstellt am 08.Nov.2011 | 08:07 Uhr

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