Sommerzeit 2017 : „Jede Zeitumstellung kostet Unmengen von Geld“

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Henrik Oster.

Dr. Henrik Oster (43), Professor für Chronophysiologie an der Uni Lübeck, spricht mit shz.de über die Folgen für Menschen und Wirtschaft.

Kay Müller von
25. März 2017, 15:37 Uhr

Herr Professor Oster, heute Nacht werden die Uhren eine Stunde vorgestellt – wie sehen Sie dem entgegen?
Ich persönlich sehe das ziemlich gelassen, schon weil ich am Montag nicht so früh anfangen muss zu arbeiten. Prinzipiell sehe ich die Zeitumstellung allerdings kritisch, weil dadurch die innere Uhr vieler Menschen doch sehr durcheinander gerät.

Was ist das Problem?
Untersuchungen haben bewiesen, dass nach der Umstellung von der Winter- auf die Sommerzeit die Zahl von Unfällen in den frühen Morgenstunden zunimmt. Und auch bei Schülern zeigt sich, dass sie bei Klausuren am Morgen schlechter abschneiden. Gerade ältere Teenager gehören zu den sogenannten späten Chronotypen, die da benachteiligt sind.

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Foto: Privat

Henrik Oster.

Es hängt also vom Typ ab, wie jemand die Zeitumstellung verkraftet?
In der Regel ja. Es gibt frühe und späte Chronotypen. Das kann sich im Leben auch verändern: Kinder sind eher frühe, Jugendliche werden oft zu späten Chronotypen, bei vielen Menschen ändert sich das dann wieder im Lebensalter zwischen 20 und 30 Jahren. Zudem nimmt die durchschnittliche Schlafdauer mit dem Alter ab.

Gibt es Techniken, die Menschen helfen, die Probleme nach der Zeitumstellung haben?
Ja. Sie sollten am Morgen das Sonnenlicht suchen, das beschleunigt die innere Uhr. Dadurch wird man schneller wach und auch leistungsstärker.

Kann die Zeitumstellung Menschen krank machen?
Sie kann mindestens mal vorhandene Symptome verstärken – wie etwa Stimmungsschwankungen. Es gibt aber auch Untersuchungen, die zeigen, dass entzündliche Darmerkrankungen um die Zeitumstellung herum zunehmen. Die Zeitumstellung schlägt den Menschen also quasi auf den Magen.

Die Sommerzeit ist also für den Menschen die falsche Zeit?
Ich würde prinzipiell bei der Winterzeit bleiben. Die zusätzliche Sommerzeit schafft viele Probleme – nicht nur medizinische, sondern auch ökonomische. Denken Sie etwa an den hohen logistischen Aufwand, etwa in Krankenhäusern oder Unternehmen, in denen im Schichtdienst gearbeitet wird oder in landwirtschaftlichen Betrieben, wo die Kühe auf die Stunde genau gemolken werden müssen. Jede Zeitumstellung kostet Unmengen von Geld und Energie.

Dabei ist die Zeitumstellung ja in den 80er Jahren eingeführt worden, um Strom zu sparen, weil der Mensch das Sonnenlicht besser ausnutzen sollte...

...das stimmt, aber viele Untersuchungen zeigen, dass das nichts gebracht hat.

Warum ist es dann so schwer die Sommerzeit abzuschaffen?
Schwer zu sagen, offenbar gibt es ein starkes Beharrungsvermögen in der Politik, sodass die Sommerzeit nur EU-weit abgeschafft werden kann. Und dort etwas zu ändern, ist nie leicht – egal um welches Thema es sich dreht. Eine konzertierte Aktion, um die Sommerzeit abzuschaffen, wäre doch mal ein Anfang.

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