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Elefantenrennen auf der Autobahn : Jamaika bremst Überholverbot aus

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Wirtschaftsausschuss lehnt Anträge von SSW und SPD ab. Die Koalition will eine erneute Verkehrszählung auf der A7.

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erstellt am 06.Dez.2017 | 20:05 Uhr

Kiel | Eigentlich sind sich alle Parteien einig: Der Verkehr auf den Autobahnen in Schleswig-Holstein soll schneller fließen, Berufspendler und Urlauber nicht so oft im Stau stehen. Über den Weg dahin besteht jedoch keine Einigkeit – und so blieben am Mittwoch im Wirtschaftsausschuss des Landtages Sofort-Maßnahmen auf der Strecke.

Die Abgeordneten des SSW hatten als Stau-Ursache die sogenannten Elefantenrennen ausgemacht und beantragt, auf der A7 zwischen dem Bordesholmer Dreieck und der dänischen Grenze tagsüber von 6 bis 20 Uhr ein durchgehendes Überholverbot zu erlassen. Flemming Meyer: „Die Verkehrszählung von 2015 hat ergeben, dass nördlich des Kanals die Verkehre um elf Prozent gestiegen sind. Noch auf Höhe von Tarp wurden 36.900 Fahrzeuge täglich gezählt, und auf der Rader Hochbrücke selbst wurden 54.200 Fahrzeuge täglich ermittelt.“ Dies sei ein Zuwachs von 27 Prozent. Aus diesem Grund sei ein zeitbeschränktes Überholverbot für Lkw angezeigt. Der SSW-Verkehrsexperte verwies weiterhin darauf, dass auch nördlich der deutsch-dänischen Grenze bereits ein zeit- und streckenbezogenes Überholverbot für Lkw auf der dortigen E 45 besteht.

Der SPD geht diese Forderung jedoch nicht weit genug. Deren Verkehrsexperte Kai Vogel forderte die zweispurigen Abschnitte der A1, der A7 und der A24 mit elektronischen Verkehrsleitsystemen auszustatten. Mit diesen könnten Überholverbote, Geschwindigkeitsbeschränkungen und Warnhinweise je nach Verkehrssituation flexibel eingesetzt werden. Bis diese „telematische Verkehrsführung“ installiert sei, solle auf der A7 zwischen dem Bordesholmer Dreieck und der dänischen Grenze von Mai bis September im Zeitraum von 6-20 Uhr ein Überholverbot für LKW erlassen werden.

Beide Anträge wurden jedoch mit den Stimmen von CDU, FDP und Grünen abgelehnt. Zuvor hatte sich Wirtschaftsminister Bernd Buchholz im Ausschuss für eine erneute Verkehrszählung stark gemacht und auf die Bedenken gegen derart lange Verbotsstrecken hingewiesen. Der FDP-Politiker sprach sich dafür aus, Spitzenzeiten gesondert zu erfassen, um punktuell reagieren zu können. Auch der FDP-Verkehrsexperte Christopher Vogt führte rechtliche Bedenken an und verwies auf die ein generelles Überholverbot überwiegend ablehnenden Expertenmeinungen.

Der Ausschuss bringt nun mit den Stimmen der Regierungskoalition, des SSW und der AfD einen Antrag von CDU, Grünen und FDP in den Landtag ein, nachdem zunächst eine Verkehrszählung auf der A7 zwischen Dreieck Bordesholm und der deutsch-dänischen Grenze durchgeführt werden soll. „Im Anschluss daran sollen in Zusammenarbeit mit dem Bund entsprechende Maßnahmen zur Verbesserung des Verkehrsflusses ergriffen werden“, heißt es im Antrag. Mit anderen Worten: Die Staugefahr bleibt. Und die A7 nördlich von Hamburg hat alle Chancen im Topranking weiter aufzusteigen. Im Jahr 2016 belegte sie immerhin bereits Platz 15 in der Rangliste der größten Staustrecken in Deutschland.

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