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Sturmtief „Sebastian“ : Interview: „So einen Sturm erwartet man eher ab Oktober“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Wetterexperte erklärt den ersten schweren Herbststurm „Sebastian“ - und warum er jetzt schon kam.

shz.de von
erstellt am 13.Sep.2017 | 21:12 Uhr

Alle aktuellen Entwicklungen zum Sturmtief „Sebastian“ in Schleswig-Holstein und Hamburg lesen Sie in unserem Liveticker.

Andreas Friedrich ist Pressesprecher und Tornado-Beauftragter beim Deutschen Wetterdienst. Wir haben ihn nach seiner Einschätzung zum Sturm gefragt.

Herr Friedrich, hat sich der Sturm „Sebastian“ so entwickelt, wie Ihre Meteorologen es vorhergesagt haben?

Ja, er ist sozusagen planmäßig an der Küste eingetroffen und in der von uns erwarteten Stärke. Am Nachmittag gab es Böen deutlich über Orkanstärke – an der Alten Weser in Niedersachsen wurden 144 km/h gemessen, in Strucklahnungshörn an der Nordsee 123.

Wie entwickelt sich die Sturmlage in den kommenden Tagen?

Nachdem „Sebastian“ in der Nacht langsam über Dänemark abgezogen ist, bleibt es am Donnerstag zunächst noch windig, wir erwarten immerhin noch Sturmböen um die 75 Stundenkilometer. Zum Wochenende hin wird es dann langsam ruhiger. Ab Sonnabend sollten wir nicht mehr mit Sturm zu tun haben.

<p>Andreas Friedrich</p>

Andreas Friedrich

 

Ein Herbststurm Mitte September – wie kommt das?

Einen Sturm wie „Sebastian“ würde man in der Tat eher ab Oktober erwarten. Schuld daran ist die Großwetterlage mit großen Temperatur-Unterschieden über dem Atlantik. „Sebastian“ hat sich zwischen Grönland und Island entwickelt, wo kalte Luft aus Grönland auf noch relativ warmes Wasser im Nord-Atlantik getroffen ist. Dass das Tief dann über uns hinweggezogen ist und nicht weiter nördlich über Norwegen, ist dann ein Stück weit Zufall.

Wird unser derzeitiges Wetter auch von den Stürmen über der Karibik und den USA beeinflusst?

Nein. Es kommt zwar gelegentlich vor, dass tropische Sturmtiefs oder Hurrikane als nicht-tropische Tiefdruckgebiete über den Atlantik bis zu uns ziehen, das ist im Moment aber nicht zu erwarten: Die beiden Hurrikane „Harvey“ und „Irma“ haben sich beide über Nordamerika aufgelöst – von denen ist nichts mehr zu erwarten. Der dritte Sturm, „José“ wird noch für knapp eine Woche über dem westlichen Atlantik herumeiern und wohl nicht zu uns kommen.

Sind künftig im Zuge der Erderwärmung mehr oder heftigere Stürme in Norddeutschland zu erwarten?

Nach den derzeitigen Trends erwärmen sich die Polarregionen stärker als die Region um den Äquator. Dadurch schwächen sich die Temperaturunterschiede, durch die sich die Stürme bilden, eher ab. Mit einer Zunahme von Stürmen über dem Atlantik rechnen wir deshalb im Moment nicht.

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