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Bildung : Internet in SH: Lahmes Netz lähmt Schulen

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Im Lernen mit Computer, iPad und Smartphone liegt die Zukunft – doch in Schleswig-Holstein scheitert das digitale Lernen häufig an schlechten Internetverbindungen und einem Mangel an IT-Spezialisten.

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erstellt am 15.Mai.2016 | 14:41 Uhr

Kiel | Overhead-Projektor und Wandkarte waren gestern. Lernen mit Apps, Whiteboards und digitalen Schulbüchern, alles möglichst interaktiv, stehen heute auf der Bildungsagenda ganz oben. Voraussetzung ist meist eine gute Internetanbindung – und daran scheitert an Schleswig-Holsteins Schulen so manches Projekt.

Knapp die Hälfte der Schulen nutzt Internetanschlüsse mit einer Geschwindigkeit von maximal 6 Mbit/s (DSL 6000). Für die Recherche auf gewöhnlichen Websites mag das noch reichen, doch schon beim Abspielen von Videos kann es bei dieser Bandbreite haken. Spätestens, wenn viele Schüler gleichzeitig auf das Internet zugreifen, verfällt alles ins Schneckentempo.

Nur etwa 15 Prozent der Schulen im Land verfügen über Anschlüsse mit zukunftsfähiger Bandbreite (VDSL, Glasfaser und Kabel), die Downloadgeschwindigkeiten von mindestens 50 Mbit/s garantieren. Das zeigt eine landesweite Umfrage des Instituts für Qualitätsentwicklung an Schulen (IQSH). Knapp ein Fünftel der Schulen behilft sich demnach mit mehreren Internetanschlüssen, um die Bandbreite zu steigern.

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Doch der Schuh drückt noch an vielen anderen Stellen: Zwei Drittel der Schulen beklagen eine mangelhafte technische Ausstattung, die veraltet sei oder nicht störungsfrei funktioniere. Als Ursache wird meist ein fehlendes IT-Budget genannt. Häufig sind es Lehrer, die Computer reparieren, Software installieren oder Beamer montieren – und eher selten externe IT-Spezialisten.

Die IQSH-Umfrage ergab, dass fast die Hälfte des technischen Supports durch Lehrkräfte geleistet werde, ein Viertel erfolge durch externe Firmen. Mitarbeiter der Schulträger übernehmen knapp ein Fünftel. Vor allem an Gymnasien und Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe stemmen Lehrkräfte den Löwenanteil – obwohl der Anspruch hier wegen größerer Systeme noch höher ist. Meist werden die Pädagogen von einigen ihrer regulären Stunden freigestellt. Laut IQSH soll das zwar nicht der Fall sein, die Realität an den Schulen zeigt aber genau dieses Bild: Lehrer, teilweise mit A  14-Besoldung, werden bezahlt, um IT-Technik zu warten.

„In den Neunziger Jahren ist die IT über Computerräume entstanden, interessierte Lehrer haben diese aufgebaut und betreut“, sagt Thore Olaf Kühn vom IQSH. „Damals steckte die Technik in den Kinderschuhen und war noch kein Thema für die Schulträger. Heute hat die IT-Nutzung eine Größenordnung erreicht, die von Kollegen nicht mehr händelbar ist.“ Für ihn steht fest: „Es muss geklärt werden, wie der IT-Support langfristig vernünftig organisiert werden kann.“

Ein großes Problem ist der bunte Flickenteppich an Serversystemen, der über die Jahre an den Schulen gewachsen ist. Hier müssen dringend Standard- und vor allem professionelle Lösungen auf Landesebene her, mahnen die Bildungs-Experten an. Doch die technische Ausstattung der Schulen liegt in der Verantwortung der Schulträger und somit der Kommunen. So steht die politische Ordnung einer einfachen Lösung für alle derzeit im Wege.

„Die Schulträger haben die Notwendigkeit erkannt und möchten tätig werden“, sagt Kühn. „Das geht mancherorts schneller, mancherorts langsamer. Schließlich ist das keine Sache, die man in Monaten oder Jahren realisieren kann. Es gibt Licht und Schatten im Land.“

Viel Schatten ist vor allem deshalb ungünstig, weil sich Bildungsministerin Ernst das Thema „Lernen in einer digitalen Gesellschaft“ auf die Fahnen geschrieben hat. Das Land fördert das digitale Lernen mit einem 200.000 Euro teuren Projekt. In einem Wettbewerb wurden 20 Modellschulen ausgewählt, die nun als „Digitale Lernorte SH“ anderen als Beispiele dienen sollen. Für so manche Schule, bei der ein digitales Lernkonzept an einer stabilen Internetanbindung scheitert, mag das wie Hohn wirken.

Ein Thema, das für Bildungseinrichtungen immer wichtiger wird, ist laut Kühn auch „BYOD“ – Bring Your Own Device. Das heißt: Private, mobile Endgeräte wie Smartphones oder Tablets werden im Unterricht genutzt. Die Voraussetzung dafür ist eine zuverlässige WLAN-Verbindung, von der die meisten Schulen noch weit entfernt seien.

Doch Schleswig-Holstein hat sich ein hehres Ziel gesetzt: Bis 2020 sollen alle Schulen mit einem Glasfaseranschluss ausgestattet werden, heißt es in der Breitbandstrategie. „Das Zentrale IT-Management der Staatskanzlei erarbeitet hierzu zurzeit gemeinsam mit den Leistungsanbietern das Umsetzungskonzept“, erklärt Patricia Zimnik, Sprecherin des Bildungsministeriums. Nach dem derzeitigen Planungsstand erscheine die Zielsetzung grundsätzlich nach wie vor realisierbar. Klar ist: In den nächsten vier Jahren müsste dann fleißig gebuddelt werden.


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