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Norddorf : Zwei Männer und ihr „Baby“

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Jens Quedens und Thomas Chrobock haben sich das Skelett eines der Anfang des Jahres im Wattenmeer gestrandeten Pottwale gesichert. Es soll im Naturzentrum des Öömrang Ferian ausgestellt werden.

Das Skelett eines der Anfag des Jahres im Wattenmeer gestrandeten Pottwale soll die neue Attraktion im Norddorfer Naturzentrum werden. Unsere Mitarbeiterin Undine Bischoff sprach mit den Initiatoren dieses Projekts.

Jens Quedens, Sie sind Vorsitzender des Öömrang Ferian, des Amrumer Naturschutz- und Kulturvereins. Genau genommen haben Sie noch zig Engagements mehr, aber derzeit eine ganz besondere Mission ...
Quedens: Wir haben einen der Pottwale gekauft, die im Januar an die Küste von Nordstrand gespült wurden. Der soll jetzt nach Amrum.

Dr. Thomas Chrobock, Sie sind Biologe, leiten das Naturzentrum in Norddorf oben am Strand und haben künftig gehörig mehr Arbeit.
Chrobock: Stimmt, aber so ein großes Projekt, das man von Anfang bis Ende mitgestalten kann, macht schon Spaß.

Wie sind sie überhaupt darauf gekommen, einen Wal für Amrum zu wollen?
Quedens: Wir sind eine Walfängerinsel. Wir können naturhistorisch dazu ganz viel erzählen. Ich hatte schon im letzten Jahr bei Gesprächen mit dem Nationalparkamt erwähnt, dass wir Interesse an einem Wal haben. Aber es hätte ja auch noch 20 Jahre dauern können, bis einer strandet.


Aber dann ging alles plötzlich ganz schnell ...

Chrobock: Wir hatten nicht viel Zeit, uns zu entscheiden, nachdem am 15. Januar der Anruf kam.
Quedens: Wir hatten knapp eine Stunde zum Überlegen. Und zum Kosten abchecken.
Chrobock: Ich habe sofort mit einem Präparator telefoniert. Und mich erkundigt, was ein Container kostet, der Transport, das Präparieren und natürlich hinterher das Aufstellen.
Und ...?
Chrobock: Mit rund 125  000 Euro müssen wir rechnen. Allein der Präparator sitzt an so einem Tier knapp vier Monate, das ist der größte Batzen.


Warum musste das eigentlich so schnell gehen?
Chrobock: Man hätte den Wal sonst einfach zerschnitten und entsorgt. Aber wenn man ein Skelett haben möchte, muss natürlich viel vorsichtiger vorgegangen werden.


Sie sind selbst dabei gewesen ...
Chrobock: Ja, ich bin sofort nach Nordstrand gefahren. Der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz aus Husum war auch schon da, und ein Team von der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Die wollten auch an Magen, Darm, Herz und das Innenohr ran. Das gibt dann später Aufschluss über den Ernährungszustand, und ob der Wal vielleicht hörgeschädigt war.


War alles eine Herausforderung ...
Chrobock: An den Geruch hatte man sich tatsächlich nach zehn Minuten gewöhnt. Aber an meinem Pulli und am Uhrenarmband war Blut. Konnte ich beides wegschmeißen. Das stinkt derart, das bekommen Sie nicht mehr raus. Sonst waren wir gut eingepackt, Wathose, Gummihandschuhe.

Die ersten gestrandeten Wale waren hoch begehrt.
Chrobock: Ja, klar. Einer geht an die Universität in Gießen. Einer zu uns. Und von denen, die später strandeten, gehen welche ans Deutsche Meeresmuseum in Stralsund.


Für Amrum ist das mit Sicherheit eine große Attraktion. Wo soll das Skelett denn hin, wenn es fertig präpariert ist?
Quedens: In die Einschwimmhalle unseres stillgelegten Schwimmbades am Norddorfer Strand, wo das Naturzentrum ja schon nebenan ist. Die Gespräche mit der Gemeinde laufen. Wir sind guter Dinge.

Ein Wal in einer Einschwimmhalle. Das ist charmant!
Chrobock: Das Becken ist knapp so lang wie das Skelett. Das ist ungefähr zwölf Meter. Wir würden es aufständern, dann kann man drunter durch gehen. Und wir müssten den Eingang größer machen. Der Schädel passt sonst nicht durch. Der ist 1,70 hoch und drei Meter lang. Allein der wiegt mehrere hundert Kilo.
Und dazu eine Ausstellung?
Chrobock: Ganz neu, ja. Mit Walgesängen, Videostation und Infos zu Navigation, Fortpflanzung, Gefährdung und Walfang. Das Schweinswal-Skelett, was wir seit knapp zwei Jahren haben, kommt dann auch dahin.
Quedens: Walfanggeschichten gibt es auf der Insel genug zu erzählen. Vom Walfang hat diese Insel ja mal gelebt. Da war jeder, der fit war, draußen auf See.

Und viele kamen nicht wieder.
Quedens: Kein Wunder! Überlegen Sie mal: Mit einem kleinen, hüpfenden Boot sich so einem Koloss zu nähern, dann irgendwie auf seinen Rücken zu wechseln, ihm die Harpune rein zu jagen und auch noch wieder heil zurück ins Boot zu kommen ...
Da wird einem schon vom Zuhören zitterig.
Chrobock: Solche Harpunen haben wir schon. Wir wollen auch zeigen, was später an Land mit den Walen geschah. Wie mit Flensmessern die Speckschicht abgelöst wurde.

Wie weit ist denn der Präparator in Bremerhaven, Reenhard Kluge?
Chrobock: Der ist mittendrin in der Arbeit. Er hat die Knochen ja erst mazerieren müssen, ihnen also Eiweiß und Fett entzogen, damit sie schön weiß bleiben.

Die Kostenseite ist nicht unerheblich ...
Chrobock: Wie gesagt, rund 125  000 Euro für den Wal ...
Quedens: Und vielleicht eine ähnliche Summe für den geplanten Umbau der Halle. Amrumer Gäste haben uns im Februar bereits über 1000 Euro gespendet. Die Rotarier wollen etwas dazu geben, die Föhr-Amrumer Bank auch, und die Nebeler Theatergruppe hat uns die Einnahmen aus ihrem friesischen Stück überlassen, was sie gerade aufgeführt hat.
Chrobock: Wir stellen vom Naturzentrum natürlich auch Förderanträge beim Umweltministerium, bei der Aktivregion Uthlande oder bei der Bundesstiftung Umwelt. Aber ein Eigenanteil von 60 Prozent wird uns immer bleiben. Wir sind also dankbar für jede Unterstützung.
Quedens: Und ich schreibe jetzt mal ein paar friesische Briefe an sehr gute Freunde, an große Stiftungen hier im Norden und an die Lieferanten von unserem Laden. Wer uns mit so vielen Ringbüchern oder 400  000 Postkarten beliefert, der hat ja vielleicht auch ein Herz für unser neues Projekt.

Wann könnte es denn losgehen?
Chrobock: Wir peilen Juni an. Der Präparator muss aber mit auf die Insel. Der Pottwal kommt nicht als Bausatz.


Spenden: Stichwort „Wal-Spende“. Öömrang Ferian, IBAN DE64 2179 1906 0020 1053 25, BIC/SWIFT: GENODEF1WYK.










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