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Föhrer Wein : Winzerblut in friesischen Adern

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Aus der Redaktion des Insel-Boten

Seit 2009 baut der Süderender Landwirt Christian Roeloffs Wein an. Die Sorten „Solaris“ und „Johanniter“ gedeihen im rauen Inselklima bestens.

shz.de von
erstellt am 12.Okt.2014 | 20:04 Uhr

Die Feststellung, dass 20 Prozent der schleswig-holsteinischen Weinanbaufläche auf Föhr zu finden sind, hört sich zunächst gewaltig an. Die Aussage wird allerdings relativiert durch die Tatsache, dass es sich dabei lediglich um zwei Hektar handelt. Dennoch sind diese Gebiete der Aufmerksamkeit der Urlauber sicher, die auf Föhr alles Mögliche, aber garantiert keine Weinberge erwarten.

Christian Roeloffs, Landwirt aus Süderende und Geschäftsführer der in Nieblum ansässigen Firma Waalem, sowie sein 19-jähriger Sohn Lenz können sich stolz als die ersten Winzer auf der Insel bezeichnen. Lenz Roeloffs ist übrigens der Beweis dafür, dass auch in friesischen Adern Winzerblut fließen kann. Zum Erstaunen seines Vaters hat er sich von Anfang an für dieses Projekt interessiert und in seinen Ferien Praktika in südlicheren Weinregionen absolviert. Er hat bereits einen Ausbildungsplatz zum Winzer, den er nach dem Abitur antreten will.

Geboren wurde die Idee des Weinanbaus schon vor mehr als sechs Jahren. Christian Roeloffs diskutierte mit einem Freund darüber, ob im Zeichen des Klimawandels die Insel wohl mal zum Weinanbaugebiet werden könnte. Versuchsweise pflanzten sie einige Rebstöcke an, die durchaus Anlass zur Hoffnung gaben. Allerdings mussten diese „Wegbereiter des Weinbaus“ gerodet werden, als aus der Spielerei eine ernsthafte Angelegenheit wurde. Es ist nämlich nicht erlaubt, Anbauflächen mit mehr als 100 Rebpflanzen ohne die entsprechenden Weinbaurechte zu betreiben.

Als Schleswig-Holstein dann 2008 von Rheinland-Pfalz Anbaurechte für zehn Hektar erhielt, gelang es, davon zwei Hektar für die Insel Föhr abzuzweigen. Dazu waren aber vorher aufwendige Klima- und Bodengutachten sowie Vorschläge hinsichtlich geeigneter Rebsorten vonnöten. Das Fachwissen steuert bis heute Jens Heinemeyer bei, ein Winzer aus dem rheinhessischen Biebelsheim, der Spezialist für Weinanbau in nördlicheren Bereichen ist.

Die Wahl fiel dann auf die Sorten „Solaris“ und „Johanniter,“ zwei äußerst robuste und dem Klima angepasste Weißwein-Rebsorten. Im Jahr 2009 wurden die ersten Stöcke gepflanzt, wobei rund 5000 Pflanzen auf einem Hektar Land Platz finden.

Der Weinanbau ist eine ganz besonders pflegeintensive Angelegenheit, die jährlich rund 1600 Arbeitsstunden pro Hektar erfordert. Davon kann nicht nur Christian Roeloffs, sondern ganz besonders auch sein Sohn Lenz ein Lied singen. Gemeinsam mit seinen Schulfreunden ist er bis dahin in den Föhrer Weinfeldern aktiv: Der Start ist der Rückschnitt der Reben, der normalerweise im März beginnt – wohl gemerkt, alles in Handarbeit. Per Hand müssen dann auch die Triebe angeheftet oder ausgebrochen werden. Auch die Bodenbearbeitung fällt in dieser Zeit an. Inzwischen verfügt Roeloffs über einen speziellen schmalen Weinbergtrecker zum Grubbern und Fräsen des Bodens. „Bei uns findet keine Düngung und kein Spritzen der Reben statt“, hebt der Föhrer Winzer hervor.

2011, nach drei Jahren des Hegens und Pflegens, konnte erstmals auf Föhr zur Weinlese aufgebrochen werden. Dabei konnte sich der Ertrag durchaus sehen und nach der Gärung vor allem auch schmecken lassen. Skeptiker hatten zuvor durchaus ihre Zweifel ob des Anbaugebiets geäußert. Eine besonders wichtige Anschaffung des Betriebes Waalem war ein Refraktometer, ein Gerät zur Messung des Oechsle-Grades im Wein. Konnten im vergangenen Jahr rund 2800 Liter Most gepresst werden, rechnen Vater und Sohn Roeloffs in diesem Jahr mit 5000 bis 7000 Litern.

Der Föhrer Wein „Reserve Waalem“ ist zu 100 Prozent ein insulares Produkt. Nach der Lese reist Jens Heinemeyer mit seiner mobilen Presse auf die Insel und der dabei gewonnene Most „überwintert“ auf der Insel in Edelstahltanks, um im temperierten Lagerraum zum original Föhrer Wein heranzureifen. Überwacht wird er in dieser Phase von Lenz Roeloffs.

Später kommt der Fachmann auch mit einer Abfüllanlage auf die Insel, um einen Teil des Grundweines der Johannitertraube mit nach Rheinland-Pfalz zu nehmen. Denn während auf der Insel eine Cuvée aus beiden Trauben den Wein ausmacht, wagt man im Süden, einzigartig für Schleswig-Holstein, den Insel-Tropfen zum Sekt werden zu lassen. Selbst Grappa und Weinbrand Föhrer Ursprungs sind in Arbeit.

Fasziniert beobachtet die Familie Roeloffs das Interesse der Urlauber an ihren zwei Hektar Weingärten, ein möglicherweise ausbaufähiger Aktivposten für den Betrieb. Auch hofft Christian Roeloffs auf eine Liberalisierung des Weinanbaurechtes und damit auf eine Möglichkeit, seine Weinfelder zu vergrößern.

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