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In Nieblum : Wechselvolle Chor-Geschichte

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Der gemischte Chor besteht seit 106 Jahren. Die Mitglieder treten in der Saison regelmäßig auf.

Im März des Jahres 1909 war in „Witts Gasthof“ ein Männergesangverein gegründet worden. Der Chor blickt 106 Jahre später auf eine wechselvolle Geschichte zurück, deren Aufzeichnungen in den ersten Jahrzehnten allerdings mehr als lückenhaft waren. Bekannt ist, dass der Verein bereits im Gründungsjahr 34 aktive und 25 passive Mitglieder zählte und die Chorarbeit während des Ersten Weltkrieges zum Erliegen kam.

Erst zu Beginn der 1920-er Jahre kam das Sänger-Leben auf der Insel wieder in Schwung. Für die Nieblumer war dies allerdings nur ein Aufflackern, denn bereits beim Föhrer Sängerfest im August 1927 in Oldsum war man mangels Aktiver nicht mehr dabei. Ein Zustand, der einige Jahre anhalten sollte, bis die Nieblumer Barden im März 1931, beim ersten Konzert des 1910 gegründeten Föhrer Sängerbundes nach dem Ersten Weltkrieg, wieder auftraten. Erneut eine kurze Episode, denn wiederum sorgte ein Krieg für das vorübergehende Aus. In der Zeit des Nationalsozialismus formierte sich in den Jahren nach 1933 ein Frauenchor, der zu verschiedenen Anlässen auftrat, bis der Betrieb erneut ganz eingestellt werden musste.

Erst zwei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Gesangverein als gemischter Chor auf Initiative von John Möhn und unter der Leitung des Dirigenten Heinrich Ketelsen wieder ins Leben gerufen. 53 Mitglieder zahlten seinerzeit den Mitgliedsbeitrag von einer Reichsmark und jedes Mitglied brachte in der kälteren Jahreszeit drei Stück Holz oder ein Brikett mit, womit das Heizproblem gelöst werden konnte. Doch die Entwicklung blieb wechselvoll und der nächste tiefe Einschnitt folgte zu Beginn der 1960-er Jahre. Auf 23 Aktive geschrumpft, kam die Chorarbeit erneut zum Erliegen. Von 1965 bis 1967 waren es wiederum Frauen, die die Sangeskunst unter Federführung des Chorleiters Johannes Vanini und des Vorsitzenden Hans Cohrs aufrechterhielten.

Richtig aktiv wurden die Sänger als gemischter Chor 1968 wieder, als das Haus des Gastes fertig gebaut war, in dem bis heute geprobt wird. Der damalige Lehrer Christian Korowski von der Gotinger Grundschule hatte sich als Chorleiter zur Verfügung gestellt und zum Vorsitzenden war Nahmen Nommensen gewählt worden, der die Gruppe bis 1972 leiten sollte. Ihm folgten Karl Thomsen (1972-1980), Emil Junge (1980-1990), Manfred Brett (1990-1996), Peter Hansen (1996-2006) und Christel Mahrt-Weiß (2006-2015).

Korowski blieb Chorleiter, bis er 1985 die Insel verließ. Nachfolger wurde Horst Wesely, der als Pianist, Komponist und Arrangeur viele Stücke für den Chor komponierte. Ihm folgte 2004 die Pianistin und Chordirigentin mit Diplom, Galina Russanova. Damit wurde der Chor erstmals in seiner langen Geschichte musikalisch von einer Frau geleitet. Von ihr übernahm Anfang 2013 das Ehepaar Monika und Andreas Reincke den Dirigentenstab. Der Chor hat aktuell 38 aktive Mitglieder, elf Männer und 27 Frauen. Zum Vergleich: In der Blütezeit in den 1980-er Jahren, als es zeitweise sogar einen Aufnahmestopp gab, waren es mehr als 70 Sänger.

Im Haus des Gastes gibt der Chor in der Saison auch Konzerte, zudem wird zu feierlichen Anlässen in der St.-Johannis-Kirche gesungen. Auch zu runden Geburtstagen und besonderen Hochzeitstagen bringen die Sänger auf Wunsch ein Ständchen. Zum abwechslungsreichen Vereinsleben gehörten neben den Auftritten das Winterfest und viele Jahre lang wurde zudem das Fest an der Meere veranstaltet, das bei Gästen und Einheimischen gleichermaßen beliebt war. Als der unvergessene, 1987 verstorbene Showmaster Hans Rosenthal – ein begeisterter Föhr-Urlauber mit Zweitwohnsitz in Utersum – Anfang der 1980-er Jahre die Tombola leitete, erinnert sich der derzeitige kommissarische Vorsitzende Emil Junge, „konnten wir uns vor Publikum kaum retten“.

All dies sind schöne Erinnerungen, das weiß auch Junge. „Uns fehlt der Nachwuchs und wir wissen nicht, wie lange wir noch auftreten können.“ Dass der Fortbestand des Chores erneut in Gefahr ist, sieht auch Monika Reincke: „Es fehlt wie in den anderen Chören die Jugendarbeit, die von Ehrenamtlern auch kaum zu leisten ist.“

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erstellt am 03.Sep.2015 | 20:59 Uhr

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