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Von Föhr nach Amrum : Wandern durch das Winter-Watt

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Wathose ist Pflicht: Dark Blome bietet auch um diese Jahreszeit Wattwanderungen zwischen den Inseln an. Die nächsten Touren starten am 30. Januar um 10.30 Uhr und am 1. Februar um 11 Uhr in Norddorf.

Zu Tausenden laufen Gäste und Insulaner bei geführten Touren durchs Wattenmeer zur Insel Föhr oder von Föhr nach Amrum – im Sommer, bei angenehmen Temperaturen. Aber in der kalten Jahreszeit? „Wie kommt man nur auf die Idee, so etwas in den Wintermonaten zu machen, schließlich müsst Ihr durch den Priel und der hat im Moment um die drei Grad“, warnte mich ein Insulaner und die Knochen zitterten mir schon bei der Vorstellung. War ich mir wirklich sicher, dass ich das erleben möchte? Wie kalt ist es wohl? Muss man barfuß laufen? Schaffe ich die Tour? Läuft man bei jedem Wetter? Lohnt sich eine Wattwanderung im Winter? Sieht man Tiere, Muscheln und Schnecken wie im Sommer? Und, schließlich – kann ich meine Hunde mitnehmen?

Fragen über Fragen, die Wattführer Dark Blome mir mit einem Lachen am Telefon beantworten und mir damit ein sicheres und etwas wärmendes Gefühl geben konnte. „Natürlich läufst du nicht barfuß wie im Sommer, sondern ich habe für jeden eine Wathose (das ist eine Gummistiefelhose bis zu den Achseln). Die Tour dauert insgesamt sechs Stunden, davon laufen wir sieben Kilometer in zirka drei Stunden durchs Watt. Der Rest ist Fährfahrt und Bus. Ja man findet genau so viele Tiere, Muscheln und Schnecken wie im Sommer, man sollte nur die Augen aufmachen und natürlich kannst du deine Hunde mitnehmen. War das alles?“, scherzt Dark am anderen Ende der Leitung und nimmt mich und meine Bedenken etwas auf den Arm.

Okay, gesagt, getan. Doch am Morgen der geplanten Wattwanderung herrscht pottendicker Nebel und es weht ein kalter östlicher Wind. Kontrollanruf beim Wattführer: „Geht es wirklich los?“. „Ja“, sagt Dark Blome, „der Seewetterdienst hat ab 11 Uhr Sonne angesagt“. Naja, wer’s denn man glaubt…, ich packe vorsichtshalber noch ein zusätzliches Paar Wollsocken ein.

Die Fährfahrt nach Föhr vergeht Dank kurzweiliger Informationen von Dark Blome schnell; er unterhält sich mit allen Teilnehmern und schon sind wir in Wyk. Ein paar Minuten Aufenthalt und dann geht es mit dem Großraumtaxi nach Klein-Dunsum. Unterwegs erfahren wir noch einges über Amrums Nachbarinsel.

Am Deich angekommen, werden die figurbetonten, modisch äußerst reizvollen Wathosen übergezogen. Dark erklärt anhand von Karten, wo wir uns befinden und wo wir überhaupt hinlaufen. Und dann, als wir über den Deich kommen, lichtet sich tatsächlich der Nebel, die Sonne kommt heraus und gibt die Sicht frei auf – Wasser. Eigentlich dachte ich, wir laufen bei Niedrigwasser, also dann wenn kein Wasser da ist? Dark beruhigt uns >>>
>>> und erklärt, dass es nur ein paar Zentimeter tief ist und das Wasser noch abläuft, erst kurz vor Amrum, also in zirka zwei Stunden am Priel, haben wir den niedrigsten Stand, denn da ist die tiefste Wasserstelle zu durchqueren. Klingt logisch, und so platschen wir los. Die Hunde sind begeistert und tollen erst einmal durch die Gegend, die Wassertemperatur von drei Grad scheint ihnen nichts anzuhaben. Dark informiert und erklärt, zeigt hier und da Tiere, Bewohner dieses alle sechs Stunden unter Wasser stehenden Lebensraums. Die Gezeiten nehmen natürlich starken Einfluss auf die hier lebenden Muscheln, Schnecken und Würmer. Zu jedem Tierchen weiß Dark etwas zu erzählen. Sein Wissen hat er über die 16 Jahre, in denen er die Wattwanderungen anbietet, nicht nur umfangreich erweitert, er ist auch der einzige Nationalpark-Wattführer auf Amrum. Eine Gruppengröße von maximal 30 Personen und vierteljährliche Fortbildungen sind einige der Voraussetzungen, um dieses Kriterium zu erfüllen.

„Wie kann eine männliche Schnecke zu einer weiblichen werden, warum sind Wattwürmer echte Baumeister und wie kommt die Pazifische Auster nach Amrum?“. Fragen auf die Dark Blome immer eine Antwort und noch weitergehende Information hat. Es wird nicht langweilig auf diesem interessanten Weg im eigentlich gar nicht so kargen Niemandsland zwischen Föhr und Amrum. Wind von hinten, Sonne von vorne, einfach traumhaft und totale Erholung und Entspannung.

Der große Priel vor Amrum, kurz vor dem Ziel, lässt mich kurz innehalten, die Hunde müssen schwimmen. Doch bevor ich meine Zweifel ausbauen kann sind wir schon auf der Hälfte, mitten im Wasser, bis zur Hüfte umspült uns die Nordsee, doch dank der Wathose merke ich nichts von der Kälte. Die Hunde sind tapfer (und fünf Minuten später schon wieder trocken) und nach wenigen Augenblicken erreichen wir unser Ziel, die Insel Amrum. Endlich da, alle haben ein breites Lächeln im Gesicht und freuen sich, nach ein paar hundert Metern die Wathosen wieder ausziehen zu können, so „schön“ sie auch waren.

Wattwanderung im Winter? Ein absolutes Highlight, wenn das Wetter mitspielt, das Dark Blome natürlich immer im Blick hat.

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