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Strandspaziergang : Von Hexenschüsseln und Göttern mit Loch

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Am Dienstag, 5. August, findet wieder eine geologische Führung in Hedehusum statt. Beginn ist um 11.30 Uhr

Für gewöhnlich ist der Föhrer Strand für den Urlauber oder auch die Insulaner ein Ort zum Entspannen, zum Sonnenbaden oder zum Spazieren. Doch gelegentlich ist während des Sommers vor Hedehusum eine ganz andere Art der Strandnutzung zu beobachten: Die Menschen bewegen sich nur gebeugt voran, haben die Augen zum Boden gesenkt und verschwenden keinen Blick auf das Meer oder den Horizont. Doch hier hat niemand seine Kontaktlinsen oder den Autoschlüssel verloren. Vielmehr ist die Wyker Diplom-Geografin Marion Wissel mit Interessierten zu einem Geologischen Strandspaziergang aufgebrochen. Auch wenn diese Exkursion an der Küste im Föhrer Südwesten stattfindet, ist sie doch eigentlich eine Veranstaltung des Wyker Friesenmuseums und ihre Teilnehmer zählen offiziell als Besucher dieses alten Heimatmuseums.
Dass Marion Wissel das Kliff vor Hedehusum als Ort dieses Spaziergangs gewählt hat, kommt nicht von ungefähr. Hier lasse sich nämlich, so Wissel, am besten demonstrieren, wie die Insel Föhr entstanden und ihr Untergrund aufgebaut ist. Hier sei auch eine Vielfalt unterschiedlicher Steine vertreten, die so an keiner anderen Stelle der Insel zu finden seien.
Wenn es sich um das Thema Geologie und Landschaftsentwicklung handelt, haben die Fachleute eine ungeheuer große Zeitvorstellung, wobei ein paar Jahre keine Rolle spielen. „Steine sind uralt und doch zeitlos“, betont Marion Wissel, „und sie sind in geologischen Zeiträumen entstanden, deren Dimension sich die Menschen kaum vorstellen können“.

„Die Entstehung der Gesteine in der Region wurde seit über 280 Millionen Jahren durch das großtektonische Geschehen in Nord- und Mitteleuropa beeinflusst.“

Dies ist einer Broschüre des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume über den Untergrund von Föhr zu entnehmen.
So erfahren die Teilnehmer an Wissels geologischem Spaziergang, dessen Strecke übrigens nicht viel länger als 100 bis 200 Meter ausfällt, auch von den verschiedenen Eiszeiten, deren Gletscher die Landschaft prägten. Die Saale-Eiszeit, vor etwa 200 000 bis 125 000 Jahren, brachte mit den Gletschern Steine und Sand aus Skandinavien mit sich, die nach dem Abtauen unter anderem in Nordfriesland abgelagert wurden. Diese verschiedenen Gesteinsarten haben eine sehr unterschiedliche Entstehungsgeschichte, wobei die Geologen, wie Marion Wissel berichtet, versuchen, die Steine nach ihren Strukturen und Mustern einzuteilen.

Dies erleben die Spaziergänger nach der Aufforderung ihrer Führerin, nach „gepunkteten Steinen“ Ausschau zu halten. Mit Feuereifer sind kleine und große Hobby-Geologen bei der Sache, um dann zu erfahren, dass es sich bei ihren Fundstücken um Granit handelt, bei dem verschiedene Kristalle ineinander verzahnt sind.

Diese Suche macht jedem rasch deutlich, wie unterschiedlich die Brocken aussehen können, die sie am Strand finden. Da gibt es unter anderem noch den Sandstein, in dem Sandkörner zusammengeschmolzen sind, was durch Linien sichtbar wird. Im Sandstein sind, wie die Fachfrau berichtet, auch Fossilienfunde möglich. Die Strandwanderer lernen bei dieser Gelegenheit auch Feuersteine kennen, aus denen früher Werkzeuge gemacht wurden. Die braunen Feuersteine führen Bernsteinsucher immer wieder in die Irre, ähneln sie dem Gold der Nordsee doch aus der Entfernung. Manche Feuersteine weisen aber eine Besonderheit auf: Sie haben ein Loch und erfreuen sich so als „Hühnergötter“ großer Beliebtheit.
Nachdem die Geologin die verschiedenen Gesteinsarten hat erfahrbar werden
lassen, macht sie deren weitere Entwicklung unter dem

Einfluss der Gezeiten und der Sturmfluten deutlich. Die Steine werden nach und nach

immer kleiner und werden zu Sand, wobei Sand kein
eigenständiges Material ist, sondern eine Bezeichnung für die Größe der Körner darstellt.
Am Ende ihrer Tour vor Hedehusum haben die Spaziergänger die verschiedensten Steine im wahrsten Sinne „begriffen“. Wer noch mehr über dieses Gebiet erfahren will, kann dies im Wyker Friesenmuseum tun, wo eine geologische Abteilung auf die Besucher wartet.

Die Geologischen Strandspaziergänge werden während der Sommermonate regelmäßig angeboten. Termine im Föhrer Veranstaltungskalender oder unter www.friesen-museum.de

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