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Freiwilligendienst : Vom Ländle an die Waterkant

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Johanna Scheurer hat ein Jahr bei der Schutzstation Wattenmeer in Wyk gearbeitet. Zu ihren Aufgaben gehörten auch Wattführungen.

Das Blatt hat eine ganz raue Oberfläche, „und außerdem riecht es wie Spüli“, sagt Tim und hält der Wattführerin seinen nassen Fund unter die Nase. Entdeckt hat der zwölfjährige Dortmunder das braune wellige Büschel im Spülsaum der Nordseeinsel Föhr. „Du hast einen kleinen Staat von Blättermoostierchen in deiner Hand“, erklärt Johanna Scheurer von der Schutzstation Wattenmeer, die mit zwölf Gästen ihrer naturkundlichen Wanderung den Wyker Strand untersucht. Unter der Lupe, die sie aus ihrem Rucksack holt, werden viele kleine Waben sichtbar. „In jeder Kammer sitzt ein Moostierchen, das mit seinen Fächern Plankton aus dem Wasser fischt“, weiß Johanna zu berichten. In der Kolonie gebe es sogar Spezialisten, die mit ihren Zangen dafür sorgen, dass sich keine anderen Organismen auf dem Tierstock ansiedeln können.
Eine Stunde lang schaut Johanna gemeinsam mit ihren Führungsgästen, was das Meer an diesem sonnigen Junimorgen an die Föhrer Küste gespült hat. Am nächsten Tag wird sie mit einer Schulklasse in der Nähe unterwegs sein, um Krebse, Würmer und Muscheln in der natürlichen Wattumgebung aufzuspüren. Anschließend ist eine Untersuchung der Funde mit Stereolupen und Mikroskopen in der nahegelegenen Wattwerkstatt geplant.
Johanna stammt aus dem nordöstlichen Teil des „Ländles“, wo die Schwaben Franken sind. „Ich wollte nach der Schule etwas ganz anderes erleben“, sagt die 19-Jährige, die im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes ein Jahr bei der Schutzstation Wattenmeer auf Föhr arbeitet. Als Jugendliche hat sie Zeltlager im Odenwald betreut. Diese Erfahrungen kann sie bei ihrer jetzigen Aufgabe an der Nordsee gut gebrauchen.
„Die naturkundliche Bildungsarbeit ist ein sehr wichtiger Teil unserer Tätigkeit auf Föhr“, berichtet Johanna. Sie betreut gemeinsam mit ihren derzeit sechs freiwilligen Mitstreitern von der Umweltvereinigung Schutzstation Wattenmeer den Nationalpark rund um die Insel. „Letztlich will nur derjenige die Nordsee schützen, der selber ihren Wert erkannt hat“, so die Bundesfreiwillige. Die meisten Gäste stünden diesem Anliegen aufgeschlossen gegenüber. Aus vielen Gesprächen wisse sie aber, dass nur eine intakte Natur die Touristen auf die Insel bringe.
„Mir macht es sehr viel Spaß, die Gäste für das Weltnaturerbe zu begeistern“, sagt Johanna. Genauso viel Freude habe sie daran, regelmäßig die Vogelschwärme zu zählen, die im Wattenmeer rasten: „Ich sitze gern auf dem Deich und genieße den unglaublichen Blick auf das Vorland, wo sich die Vögel bei Hochwasser sammeln.“
Ein wichtiges Vogelschutzgebiet auf der Insel liegt im Norden von Föhr. „Von unserer mobilen Station auf dem Oldsumer Deich sorgen wir dafür, dass jetzt im Sommer die Watvögel ungestört brüten können“, erklärt Johanna, die sich mit ihren Kollegen in Bewachung und Zählung abwechselt. Auch für Vogelfreunde biete der Deich am westlichen und östlichen Ende des Gebiets sehr gute Beobachtungsmöglichkeiten.
Alle zwei Wochen zählen die Freiwilligen der Schutzstation die im Wattenmeer rastenden Zugvögel. Das geschieht länderübergreifend immer zur gleichen Zeit. Nur so könnten langfristige Veränderungen der Zugvögel festgestellt werden, weiß Johanna, die in ihrer Freizeit im Boldixumer Kirchenchor singt und dort auch das Orgelspiel erlernt.
Kurz vor Ende ihrer Strandwanderung stößt Johanna auf ein paar gelbliche Klumpen. Diesmal ein menschengemachter Strandfund. „Ein Frachter mit Paraffinresten hat seine Tanks gespült“, sagt sie wütend. „Der Stoff soll harmlos sein. Er kann aber auch mit Öl verunreinigt sein und für die Vögel zum Problem werden“, ergänzt sie. Für Johanna sind solche Funde ein Grund, sich auch nach Ende ihres Freiwilligendienstes für den Schutz der Nordsee einzusetzen.

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