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Föhrs ältester Verein : Sangesbrüder mit langer Tradition

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Aus der Redaktion des Insel-Boten

Der Männergesangverein „Concordia“ wurde im Jahr 1868 gegründet. Die Mitglieder, obwohl längst im Seniorenalter, treten noch regelmäßig auf.

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erstellt am 19.Apr.2015 | 19:30 Uhr

Es waren aus Sängersicht tolle Zeiten, als der Männergesangverein „Concordia“ im gesellschaftlichen Leben der Insel noch eine bedeutende Rolle spielte. Wohltätigkeits- und Festkonzerte wurden in früheren Jahren veranstaltet und der Verein reiste regelmäßig auf das Festland, um an Sängerfesten teilzunehmen. Zeiten, die längst Geschichte sind. „Es stehen 821 Jahre vor Ihnen“, hatte ein Concorde beim letzten Inselsingen selbstironisch angemerkt. Da die elfköpfige Gruppe recht überschaubar war, wurde das Problem des ältesten Vereins Föhrs damit auf den Punkt gebracht: Der Chor hat Nachwuchssorgen und ist überaltert.

Dabei sind die Sänger noch immer mit Inbrunst dabei und proben jeden Montag im „Dansk Forsamlingshus“ des „Sydslesvigsk Forening“ in der Wyker Feldstraße. Treffen, bei denen das gesellige Miteinander gepflegt wird und man sich so manche Anekdote aus früheren Jahren erzählt.


Blick zurück mit etwas Wehmut


Fast wehmütig kommen dabei auch Gedanken an Zeiten auf, als Auftritte noch nicht krankheits- oder urlaubsbedingt abgesagt oder in ständig wechselnder Besetzung absolviert werden mussten.

1868 hatte sich auf Betreiben des Uhrmachermeisters Agge Aggens eine Gruppe sangesfreudiger Männer zum MGV „Concordia“ zusammengeschlossen. Die Barden befanden sich dabei in guter Gesellschaft, denn rund vier Jahre nachdem Schleswig-Holstein an Preußen angegliedert worden war, schossen Turn- und Gesangvereine wie Pilze aus dem Boden. Zweimal wöchentlich wurde geprobt und bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs hatten mit Agge Aggens, Ernst Dunker, Hans-Daniel Ingwersen, Heinrich Jewe und Paul J. Paulsen fünf Dirigenten erfolgreich dem MGV ihren Stempel aufgedrückt.

Für eine jähe Unterbrechung sorgte der Kriegsbeginn im August 1914. Zu groß waren die Lücken, die jene Sänger hinterließen, die an die Front mussten. Die Zahl der verbliebenen Aktiven sank auf ein Minimum und Dirigent Paulsen setzte kurzentschlossen auf einen gemischten Chor. Die Rettung des Vereins, der in schwerer Zeit und ungewohnter Besetzung in der Folge zahlreiche Wohltätigkeitskonzerte gab.


Neuanfang nach dem Ersten Weltkrieg


Unter dem Vorsitz von Gustav Lind und der musikalischen Leitung von Paul J. Paulsens Sohn Otto wurde dem MGV nach dem Krieg wieder Leben eingehaucht und 1919 erfolgte mit dem 1889 gegründeten Wyker Dilettantenverein der Zusammenschluss unter dem Namen „Wyker Dilettanten- und Gesangverein Concordia“.


Erfolgreiche Fusion und zahlreiche Konzerte


Eine erfolgreiche Fusion, die zu zahlreichen Konzerten in den 1920-er und 1930-er Jahren führte, den Verein mitten ins gesellige Leben Wyks katapultierte und wiederum kriegsbedingt zum Erliegen kommen sollte. Erneut war es Gustav Lind, der nach 1945 an die alten Zeiten anknüpfte. In der Wyker Schule fanden die ersten Übungsabende unter der musikalischen Leitung Otto Paulsens statt. Unterstützt wurde die ausgedünnte Sängerschar von Soldaten aus den Lazaretten, 1946 gab es den ersten öffentlichen Auftritt. Ein Wohltätigkeitskonzert zugunsten der Heimatvertriebenen, von denen es viele nach Föhr verschlagen hatte. Deren Not konnte gelindert werden, nachdem die Sänger der Wyker Stadtvertretung eine beachtliche Summe überreicht hatten.

24 Aktive gehörten dem MGV Ende des Jahres 1946 an, eine Zahl, die bis 1949 – nun unter dem Vorsitz von Reinhold Levsen – auf 54 anstieg. Auch musikalisch gereift, traten die Concorden in den Deutschen Sängerbund, den Sängerbund Schleswig-Holstein und den Nordfriesischen Sängerbund ein. Von Höhen und Tiefen geprägt sollte es weitergehen, schwächere Jahre wechselten sich mit stimmlich und personell stärkeren ab. Zu Letzteren zählten die 1960-er Jahre, als der Chor unter dem Vorsitz von Wolfgang Fritz und der Leitung des Dirigenten Dr. Karl-Heinz Reinfandt ein geradezu meisterliches Niveau erreichte. Und als 1968 das 100-jährige Bestehen des Vereins gefeiert wurde, konnte aus den Händen des damaligen Kultusministers Claus Joachim von Heydebreck die Zelter-Plakette in Empfang genommen werden.


Dem Chor fehlt es an Nachwuchs


Große Zeiten, von denen die aktiven Sänger aktuell nur noch zehren können. 15 sind es derzeit, und damit halb so viel wie 1993, als Gert Binder den Vorsitz übernahm. Maximal zehn Eintritte habe es in den vergangenen 25 Jahren gegeben, berichtet Binder, mit der fatalen Folge, dass heute kein Sänger jünger als 70 Jahre ist. „Wenn keiner krank ist, können wir auftreten“, fasst Martin Bruchwitz, Kantor der evangelischen Kirchengemeinde St. Nicolai und seit 1971 musikalischer Leiter der Concorden, die Situation zusammen. Folgerichtig bilden die legendären Himmelfahrtstouren ebenso wie die eigenen Liederabende heute eher die Ausnahme. Die Mitglieder, so der Vorsitzende, könnten einen Programmabend stimmlich nicht mehr durchhalten.

Das jährliche Grünkohlessen und die Herbstfahrten allerdings sind nach wie vor fester Bestandteil des Vereinslebens. Und auch gesungen wird noch: Die Fischerhemden und der feine Zwirn werden nicht den Motten überlassen, sondern kommen bei rund zehn Auftritten pro Jahr zum Einsatz. Statt „große“ Stücke bestimmen Seemanns- und Heimatlieder – mehr zwei- als vierstimmig gesungen – das Repertoire. Bei den regelmäßigen Heimatabenden unter der humorig-informativen Moderation von Klaus Boje etwa, oder bei Geburtstagen, Silberhochzeiten oder Trauerfeierlichkeiten.

Dennoch sehen Gert Binder und seine Sangesfreunde wenig zuversichtlich in die Zukunft. Großes Ziel ist derzeit, noch das 150-jährige Bestehen des Männergesangvereins „Concordia“ feiern zu können. Das wäre im Jahr 2018.

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