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Von MIdlum nach amman : Rallye mit Schnapszahl-Bedingungen

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Aus der Redaktion des Insel-Boten

Sechs Föhrer beteiligen sich an der Allgäu-Orient-Rallye. Im Mai geht es von Oberstaufen nach Jordanien.

shz.de von
erstellt am 04.Apr.2015 | 17:15 Uhr

Der Midlumer Arzt Helmut Marczinkowski ist für seine manchmal recht abenteuerlichen Unternehmungen auf der Insel bekannt. Ganz besonders schlägt sein Herz für Auto-Rallyes, die er am liebsten mit Spendenaktionen verbindet. Schon während seiner Studienzeit zog es ihn in den Orient, und als „gestandener Arzt“ brach er inzwischen zwei Mal zur Oldtimer-Tour von Düsseldorf nach Shanghai auf. Die jüngste Reise startete er gemeinsam mit seiner Frau Heike in Dubai – der Anlass war ihre silberne Hochzeit.


Zwei abenteuerlustige Insulaner


Doch Marczinkowski ist bei weitem nicht der einzige abenteuerlustige Insulaner. Auch Boy Mengel, Oevenumer Bäckermeister im Unruhestand, muss immer mal wieder seine Heimatinsel für verschiedenste Unternehmungen verlassen. Von einer Tour per Hundeschlitten bis hin zum Tauchen in südlicheren Meerestiefen reichen seine Reisen, die sich auch in einigen besonderen Gebäcken – zum Beispiel dem Lappländer – manifestieren. So war es langfristig wohl unausweichlich, dass sich die beiden Föhrer nun zu einem Unternehmen der besonderen Art zusammengefunden haben: Der Allgäu-Orient-Rallye, die am 8. Mai in Oberstaufen startet und nach mehr als 6000 Kilometern im jordanischen Amman enden wird. Dort werden die Fahrzeuge dem jordanischen Staat gespendet, zerlegt und die Einzelteile für karitative Zwecke verkauft.
Eher zufällig „stolperte“ Helmut Marczinkowski im vergangenen Jahr über die Ausschreibung dieser Rallye, die nun zum zehnten Mal stattfinden wird. Dabei faszinierte ihn die Idee einer abenteuerlichen Tour, die sich deutlich von der Rallye Paris-Dakar unterscheiden wird und außerdem noch mit verschiedenen Spenden-Aktionen verbunden wird.


Navis gehen gar nicht


Nicht hochgezüchtete Technik und ausgeklügelter Service sind gefragt. Vielmehr gibt es Schnapszahl-Bedingungen. Unter anderem gehen 111 Teams an den Start, deren Fahrzeuge mindestens 20 Jahre alt sind oder maximal einen Wert von 111,11 Euro haben. Verboten ist bis auf wenige Ausnahmen die Nutzung von Maut-Strecken, Navis gehen überhaupt nicht und auch die Übernachtung der Teilnehmer darf maximal 11,11 Euro pro Person kosten. Für Marczinkowski war sofort klar. „An dieser Tour will ich teilnehmen“. Er hatte auch drei Fahrzeuge zur Verfügung, doch die Frage war, wer noch mitmachen würde. Nach einigem Hin und Her haben sich nun drei Teams gebildet: Helmut Marczinkowski fungiert als Teamchef und fährt mit seinem Neffen Victor. Sohn Hauke geht mit John Wippermann an den Start und Boy Mengel reist gemeinsam mit Thomas Gleike im Kastenwagen, den sein Sohn Stefan Mengel gestiftet hat.

Boy Mengels Teilnahme kam eher durch Zufall zustande. Als Marczinkowski eines Morgens seine Brötchen kaufte, erzählte er nebenbei von seinem Vorhaben. Kerrin Mengel meinte dazu nur, dass diese Rallye auch etwas für ihren Mann sein könnte – und der musste dann nicht lange gebeten werden, sondern war sofort Feuer und Flamme.
Dass die drei Föhrer Teams in Oberstaufen unter dem Namen „Friese BIX“ an den Start gehen, liegt, wie Marczinkowski berichtet daran, dass die Anmeldung am 7. Juli 2014 um 3.33 Uhr erfolgen musste. Sohn Hauke sei dafür verantwortlich, ob der ungewöhnlichen Zeit aber etwas überfordert gewesen. Er habe zwar die Anmeldung zustande gebracht, könne aber selbst nicht mehr genau sagen, was BIX zu bedeuten habe.
Von den Teilnehmern der Allgäu-Orient-Rallye wird auch erwartet, dass sie unterwegs besondere gemeinnützige Dinge auf den Weg bringen. So haben sie, wie Marczinkowski berichtet, kleine Bäume im Gepäck, die in der Türkei gepflanzt werden sollen. Musikinstrumente werden mitgenommen, um in Schulen gespendet zu werden und letztlich hoffen die „Friesen BIX“ auch auf Spenden, die beim Wyker Roten Kreuz eingezahlt werden können. „Durch die Nutzung dieses Kontos will ich sicherstellender“, betont der Midlumer Arzt, „dass der Verbleib des gespendeten Geldes bis auf den letzten Cent kontrolliert werden kann.


Auf verschiedenen Routen unterwegs


Wenn die drei Föhrer Teams am 8. Mai in Oberstaufen Richtung Jordanien aufbrechen, werden sie nicht alle die gleiche Route absolvieren. Boy Mengel zum Beispiel plant einen Abstecher ins rumänische Klausendorf. Dort landete nämlich vor nicht ganz 20 Jahren die Einrichtung seiner alten Bäckerei, die er einem rumänischen Bekannten gestiftet hat. „Ich bin damals extra hingefahren, um das Einbacken der Anlage zu regeln“, erinnert er sich. Dort wieder einmal alte Bekannte zu treffen, ist sein Ziel. Bevor die drei Föhrer Teams auf dem Weg über Rumänien, den Kosovo oder Albanien in Istanbul eintreffen, sind sie vorher im griechischen Ort Kavala verabredet. Dort unterhält eine Verwandte ein Hotel. „Ich möchte gerne, dass alle Föhrer frisch geduscht in Istanbul eintreffen“, so der Teamchef.
Die Route führt die Teilnehmer der Allgäu-Orient-Rallye weiter in die türkische Hafenstadt Iskenderum, wo die Autos an Bord einer Fähre ins israelische Haifa übergesetzt werden. Ziel ist dann schließlich Amman, wo die Teilnehmer hoffen, von Abdullah II bin al-Hussein empfangen zu werden. Jordaniens König unterstütze diese Rallye, weil sie neben dem Spektakel auch einen karitativen Effekt habe.
Natürlich ist dem Organisationskomitee und den Teilnehmern bewusst, dass die Situation im Mittleren und Nahen Osten im Augenblick eher angespannt ist. Doch bemühen sich alle Beteiligten, keine Risiken einzugehen. „Wir sind mindestens mehr als 150 Kilometer von allen Kampfhandlungen entfernt“, so Mengel und Marczinkowski, die die Risiken der Rallye für überschaubar halten.


Der erste Preis ist ein Kamel


„Es kommt auch nicht von ungefähr, dass wir nur mit alten Autos nach Jordanien fahren. Schließlich soll der Automarkt nicht durch uns gestört und die Ersatzteile weiter verwendet werden können“, so der abenteuerlustige Föhrer Mediziner. Der erste Preis der Allgäu-Orient-Rallye ist übrigens ein Kamel. Aber auch das wird nicht nach Deutschland verpflanzt, sondern soll gestiftet werden.

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