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Föhrer Landwirtschaft : Mit neuen Ideen dem Wandel begegnen

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Marret und Jan Robert Hinrichsen haben ihren Betrieb in Dunsum zum Erlebnishof für Touristen gemacht. Und die kommen in Scharen.

shz.de von
erstellt am 25.Aug.2015 | 20:47 Uhr

Fast 400 Jahre kann Jan Robert Hinrichsen, Inhaber des Betriebes „milk and more“ in Dunsum, die Geschichte seiner Familie als Landwirte auf Föhr zurückverfolgen. Zwar ist über die Art des bäuerlichen Wirtschaftens im Jahr 1630 kaum etwas überliefert – aber so weit sich die Entwicklung rekonstruieren lässt, dürfte sie auch in Teilen ein Spiegelbild der Geschichte der Landwirtschaft im Allgemeinen sein, in der der Zwang zum Wachstum der Betriebe eine große Rolle spielt.
Weil die Geschichte der Familie Hinrichsen auf Föhr angesiedelt ist, kommt noch eine Besonderheit hinzu: Im Laufe der Jahrhunderte sind viele Hinrichsens in die USA ausgewandert, die später fast alle wieder auf ihre Heimatinsel zurückkehrten. So überquerte 1860 Ur-Urgroßvater Hinrich Cornelius Hinrichsen den großen Teich und war in Amerika als Holzfäller tätig. Der Urgroßvater verdiente in Jacksonville sein Geld als Barkeeper, während Opa Hinrichsen sich dann in den 20-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in die Föhrer Auswanderer-Tradition einreihte: Er arbeitete in einem Delikatessenladen in New York.
Während viele Mitglieder der Familie Hinrichsen der Insel den Rücken kehrten, ging zunächst in Klein-Dunsum die Landwirtschaft ihren Gang, an dem sich lange Zeit wenig änderte, so Jan Robert Hinrichsen. Im Jahr 1964 siedelten die Eltern Kerrin und Robert Hinrichsen nach Dunsum aus und bauten dort ihren neuen Hof auf. Jan Robert Hinrichsen und seine Frau Marret übernahmen im Jahr 1999 den Betrieb, zu dem 60 Hektar Land gehörten und dessen Schwerpunkt die Milchwirtschaft war. Zuletzt standen 120 Kühe auf dem Hof. „Der Trend in der Landwirtschaft war ein ständiges Wachstum, was meiner Ansicht nach aber in eine Sackgasse führte“, so Hinrichsen. Als er den elterlichen Betrieb übernahm, gab es auf Föhr noch 90 „melkende Höfe“ – heute sind es gerade mal 30.
Marret und Jan Robert Hinrichsen suchten nach weiteren Möglichkeiten, ihrem Betrieb das Überleben zu sichern, um dann 2007 eine Meierei in ihrem Hof aufzubauen. Betrieben wurde sie bis 2012.

Doch Jan Hinrichsen musste feststellen, dass ein sehr langer Atem nötig ist, um solch einen neuen Betriebszweig aufzubauen. Selbstkritisch gesteht er auch Fehler ein, die letztlich das Ende der eigenen Molkerei bedeuteten.
Die Familie Hinrichsen verfiel am Ende aber nicht in „Schockstarre“, sondern baute auf der Erfahrung auf, dass zu den Führungen rund um die Molkerei bis zu 120 Interessierte den Weg nach Dunsum gefunden hatten. Sie hatten angefangen, mit Kaffee und Kuchen die Besucher zu verköstigen und bauten dieses Angebot weiter aus. Mit dem Ende der Molkerei war nämlich auch das Ende der Milchkuhhaltung gekommen und aus dem Stall wurde ein gemütliches Café, das mit einem Hofladen verbunden ist. Marmeladen und Barbecue-Saucen aus eigener Produktion, Fleisch und Wurstwaren aus eigener Zucht sowie weitere Spezialitäten werden angeboten. Marret und Jan Hinrichsen wollten eine sichere Basis schaffen und stellten rund um ihren Betrieb zahlreiche Unterhaltungsmöglichkeiten auf die Beine. Vom Swing-Golf über Modell-Trecker fahren bis hin zu Fußballgolf reicht das Angebot, das ständig erweitert wird.

Jan Hinrichsens Neuerwerbung und zur Zeit ganzer Stolz ist der Smoker, ein schwarzes, mit Holz beheizbares Ungetüm, in dem größere Fleischstücke geräuchert werden können. Das Besondere an dem kombinierten Räucher- und Grillapparat ist, dass er aus den USA importiert und in Pennsylvania von den Amish People gebaut wurde. In diesem Smoker bereitet Hinrichsen das Barbecue für die Besucher vor.
Auch wenn „milk and more“ zum Treffpunkt für Familien ausgebaut wurde, ist die Landwirtschaft in Dunsum noch nicht völlig im Abseits. Jan Hinrichsen setzt nämlich weiterhin auf Viehhaltung. Im Aufbau ist eine Herde von Shorthorn-Rindern. Vier Mutterkühe und ein Bulle dieser vom Aussterben bedrohten Rasse stehen auf dem Hof. Sie liefern relativ fettes Fleisch, berichtet ihr Züchter. Bis er genügend Shorthorns hat, kauft Familie Hinrichsen noch junge Ochsen dazu, die auf den Weiden am Hof aufwachsen und gemästet werden. „Man muss ständig am Ball bleiben, um als Landwirt überleben zu können“, ist Jan Robert Hinrichsen überzeugt, und er hofft nun, dass eines seiner drei Kinder – Lina (16 Jahre), Jonas (14) und Anne (11) – einmal die Tradition der Familie Hinrichsen in Dunsum fortführen will.



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