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Mantrailing : Immer die Nase im Wind

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Fitnessprogramm für Föhrer Hunde: Die Vierbeinder trainieren mit Begeisterung die Personensuche.

Ani nimmt eine tiefe Brise aus der kleinen Plastiktüte, steckt die Nase in die Luft und wittert, um festzustellen, welchen Weg sie nehmen muss, um die Zielperson aufzuspüren. „Den Abgang zu finden, ist meistens am schwierigsten“, sagt ihr Herrchen Dietmar Nicolai, der Ani am Brustgeschirr an der langen Suchleine hält und es plötzlich eilig hat, denn Ani hat sich für den richtigen Weg entschieden und verfolgt ihn zielstrebig, ihr Herrchen im „Schlepptau“ hinterher.

Seit Oktober 2013 lebt Dietmar Nicolai mit seiner Frau Angelika und Hund Ani auf der Insel Föhr. Die Insel kennengelernt hatte die Familie, zu der noch zwei erwachsene Töchter gehören, in mehreren Urlauben. Mit Mischlingshündin Ani, ursprünglich aus Griechenland „eingewandert“, hatte Nicolai zuvor drei Jahre lang regelmäßig das aus den USA stammende Mantrailing trainiert. Dabei sucht der Hund einen ganz bestimmten Menschen, dessen Geruch er zuvor an getragenen T-Shirts, Schals oder Halstüchern aufgenommen hat. Bei jedem Schritt verliert ein Mensch viele tausend abgestorbener Hautpartikel, die der Hund aufgrund der genommenen Geruchsprobe erschnuppern kann. Aus dem Rettungshundewesen ist das Mantrailing nicht wegzudenken, doch bringt es auch viel Spaß und Bewegung für Herrchen oder Frauchen und Hund.
Und genau diese körperliche wie geistige Fitness wollte Nicolai seinem Hund nach dem Umzug auf die Insel nicht vorenthalten, weshalb er sich mit der Frage, ob es denn so eine Trainingseinheit hier gebe, an die Hundepension von Claudia Werner wandte. Diese musste verneinen, schlug allerdings dem bereits erfahrenen Nicolai vor, doch selbst eine Mantrailing-Gruppe ins Leben zu rufen. Und Anis Herrchen ließ sich nicht lange bitten. Im Gegenteil, Nicolai unterrichtet jetzt bereits zweimal wöchentlich, eine Warteliste existiert auch schon.


Lebensretter auf vier Pfoten


Nach drei bis vier Suchaktionen ist den Hunden die Anstrengung anzumerken, denn beim intensiven Suchen atmen sie bis zu 300-mal pro Minute ein und aus. Da die menschlichen Hautschuppen, die für den Individualgeruch verantwortlich sind, vom Wind verstreut werden können, ist es nicht selten, dass der Hund einige Meter neben der eigentlichen Spur geht. Im Gegensatz zur Fährtensuche hat er dabei die Nase im Wind und nicht am Boden, was ihm auch die Suche auf befestigtem Untergrund ermöglicht. Das Trinken vor dem Start ist ganz wichtig, damit die Schleimhäute gut befeuchtet sind und der Geruch besser aufgenommen werden kann.

Isko, Deutsch Langhaar von Geblüt und Jagd- und Schweißhund, ist als zweiter an der Reihe. Er folgt einer komplizierteren Spur, denn seine Zielperson >>> >>> versteckt sich in einem Gebäude. Irritierend für den Hund kommt noch hinzu, dass die „Spurenlegerin“ hier normalerweise auch arbeitet und ihre Hautpartikel nicht nur an einer Tür sind. Auch ältere Partikel kann ein Hund noch zwischen vielen anderen herausschnüffeln, so dass Isko anfangs zögert, für welchen Weg er sich entscheiden soll. Aber er findet seine Person und wird, wie alle Hunde, mit seinen Lieblingsleckerchen und viel Lob von Frauchen Andrea Fehr belohnt.

Leesha, die etwas schüchterne Collie-Dame, ist auf einem Auge blind, auf dem anderen sieht sie nur wenig. Genau dieses Handicap ist der Grund für Halterin Maiken Dethlefs, der noch jungen Hundedame die Gelegenheit zu geben, andere Sinne besser auszubilden. Auch Leesha gehört zur Samstagstruppe und darf drei Suchaktionen durchführen, in ihrem etwas gemächlicheren Tempo. Dalmatinerrüde Gepke hingegen hält nicht viel von Gemächlichkeit. Frauchen Bärbel Wedekind muss ihre körperliche Kondition jede Woche neu unter Beweis stellen, denn Gepke nimmt kurz Witterung auf und saust los. In jede Einfahrt, die auf dem Weg liegt, schnuppert er hinein, besinnt sich und dreht um. „Es ist sehr wichtig“, erklärt der erfahrene Trainer Nicolai, „dass der Hund sich selbst korrigiert“. Gepke weiß, was er zu tun hat und steuert nochmals eine Einfahrt an, die er eigentlich schon „abgehakt“ hatte. Zielstrebig findet er die Person, die sich im Grünen versteckt hatte und setzt sich vor ihr hin. Das Hinsetzen, so Nicolai, sei sehr wichtig, da man im Ernstfall erkennen müsse, dass der Hund die gesuchte Person auch wirklich gefunden hat. Denn dass der Hundeführer die Person kennt, sei ja nicht unbedingt die Regel.

Wer einmal die Gelegenheit haben sollte, Hundehaltern und Vierbeinern zuzuschauen, wird schnell feststellen, dass alle viel Spaß beim Suchen und Finden haben. Er wird aber auch dankbar feststellen, dass so eine Gruppe auf Föhr einmal Leben retten könnte.



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