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föhr und amrum : Die stillen Promi-Paradiese

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Föhr ist die Familieninsel, nach Amrum reisen Naturfreunde und auf Sylt tummeln sich die Schönen und Reichen. Ein Klischees, denn Prominenz trifft man auf allen Inseln.

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erstellt am 29.Apr.2015 | 12:56 Uhr

Föhr ist die Familieninsel, nach Amrum reisen Naturfreunde und auf Sylt tummeln sich die Schönen und Reichen – alles nur Klischees? Nun, tatsächlich ist die grüne Insel Föhr mit ihren saftigen Marschwiesen und flachen Stränden, an denen sich das Nordseewasser nur sanft kräuselt, ideal für Familien mit kleinen Kindern. Tatsächlich ziehen die atemberaubende Dünenlandschaft und der schier endlose Kniepsand viele Urlauber nach Amrum, die die Einsamkeit in einer überwältigenden Natur suchen. Und tatsächlich kommt die „Bussi-Bussi-Gesellschaft“ jeden Sommer nach Sylt, hetzen dort mehr oder weniger Prominente von Party zu Party zu In-Lokal, wollen feiern und vor allen Dingen gesehen werden, um im Gespräch (und damit im Geschäft) zu bleiben.
Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Auf Sylt verbringen auch Familien und Naturfreunde wunderschöne, erholsame Ferien. Und die beiden Nachbarinseln Föhr und Amrum werden regelmäßig auch von Prominenten aufgesucht, von denen etliche sogar eigene Domizile auf Sylts kleineren Schwestern haben.
„Mir gefällt es auf Föhr, weil das ganze Gesindel auf Sylt ist“ – in typisch überspitzter „Dirty Harry“-Manier beantwortet Harald Schmidt die Frage, warum er immer wieder die zweitgrößte nordfriesische Insel besucht. Und bringt damit das auf den Punkt, was wohl alle Föhrer und Amrumer „Promis“ an ihren Ferieninseln schätzen: Hier können sie einfach nur Urlaub machen, werden von der Klatschpresse in Ruhe gelassen und von den Einheimischen nicht anders behandelt, als die vielen anderen Inselgäste auch.
Und so sah man Harald Schmidt statt auf schrillen Partys schon mal versonnen die Tiere auf dem Bauernhof betrachten, auf dem seine Kinder, als sie noch klein waren, spielten, oder den jüngsten Sprössling im Kinderwagen spazieren fahren – Otto-Normaltouri eben. Und wenn aufdringliche Autogrammjäger vor dem Lokal warten, in dem die Familie Schmidt ihr Abendessen einnimmt, entlässt die Kellnerin die prominenten Gäste kurzerhand durch die Hintertür (und darf den Fans Bierdeckel überreichen, auf die Schmidt seinen Namen gekritzelt hat). Als sich vor einigen Jahren dann doch ein Paparazzo an die Fersen des Entertainers heften wollte, hatte er die Rechnung ohne die Insulaner gemacht. Sie schickten den armen Mann immer wieder an Ecken der Insel, die weit entfernt von denen waren, an denen Schmidt sich gerade aufhielt. Nach drei Tagen gab der Klatschreporter entnervt auf.  .  .
Schmidts sind nicht die einzigen Gäste, die immer wieder nach Föhr kommen. Auch der Fernsehmoderator Peter Hahne steigt seit vielen Jahren stets im selben Inselhotel ab, in dem er inzwischen schon fast zur Familie gehört. Andere Prominente haben gleich eigene Domizile auf Föhr erworben – so der Schauspieler und Synchronsprecher Christian Brückner, der seit fast 40 Jahren ein Haus in Oldsum besitzt und vorher schon in Goting wohnte. Föhrer wurden auch die Hamburger Schauspielerin Helga Feddersen, die bis zu ihrem Tod im Jahr 1990 ebenfalls in Goting lebte, der legendäre Quizmaster Hans Rosenthal (1925 bis 1987), der von seinem Ferienort Utersum sogar zum Ehrenbürger ernannt wurde und an den bis heute ein Gedenkstein nahe des Strandes erinnert, sowie Theo Albrecht.
Der vor fünf Jahren verstorbene „Discount-König“ besaß ein altes Reetdachhaus mitten im Kapitänsdorf Nieblum und wollte dort offenbar nur eins: in Ruhe Ferien machen. So kursiert auf Föhr die Geschichte, dass Albrecht, als vor Jahren die Ansiedlung eines Billigmarktes in Wyk diskutiert wurde, eine Aldi-Filiale auf der Insel mit der Bemerkung vehement ablehnte, er wolle nicht auch noch im Urlaub auf einen seiner Läden sehen. Selbst der Einwurf von Ehefrau Cäcilia, ob er denn lieber auf die Konkurrenz blicke, konnte Albrecht nicht umstimmen. Selber ging er übrigens auch gelegentlich auf der Insel einkaufen. Überliefert ist die Geschichte einer Ladenbesitzerin, die dafür bekannt war, dass sie für jeden Kunden einen lockeren Spruch parat hatte. Theo Albrecht, immerhin einen der reichsten Männer der Welt, verabschiedete die resolute Insulanerin (ohne zu wissen wen sie vor sich hatte) mit den Worten „Bleiben sie gesund und zahlungskräftig!“.
Auch Amrum ist Ziel der Prominenten, die es in ihrem Urlaub lieber ruhig angehen lassen. Unvergessen der Kammersänger Hermann Prey (1929 bis 1998), dessen Familie das Insel-Domizil bis heute nutzt (genauso wie die Familie Rosenthal ihr Haus in Utersum).Lange hat der 2007 verstorbene „Tatortkommisar Haferkamp“, der Schauspieler Hansjörg Felmy, auf Amrum gelebt. Seine erste Frau und Kollegin Elfriede Rückert ist immer noch auf der Insel zu Hause. Und Felmy wohnte später nicht weit von Amrum, in der Nähe des Festlandshafens Dagebüll.Auch der Schauspieler und Nebeler Ehrenbürger Peer Schmidt (1926 bis 2010) blieb Amrum viele Jahrzehnte treu. Seit 1954 verbrachte der bekannte Mime die Hälfte des Jahres auf der Insel, wo er mit Begeisterung an seinem Domizil werkelte. „Einen Handwerker brauchte dieses Haus selten“ seufzte einmal ein Amrumer Installateur.Ebenfalls viele Jahrzehnte zog es einen anderen prominenten Gast auf die Insel Amrum: Jörg Pilawa. Der Quizmaster verbrachte bereits als Kind viele Ferien auf der Insel, auf der seine Eltern eine Wohnung hatten und erwarb später ein Haus auf Amrum, das immer noch in Familienbesitz ist.Seit ihrer Kindheit ist auch Katja Ebstein überzeugter Amrum-Fan. Die Sängerin ließ die Düneninsel nicht mehr los, seit sie als spindeldünne Berliner Göre vor fast 60 Jahren in einem Wittdüner Kinderheim aufgepäppelt wurde.
Ebstein besitzt inzwischen ein Haus im idyllischen Friesendorf Nebel und ist eine der Promis, die während ihrer Inselurlaube auch arbeiten. Jeden Sommer gibt sie Konzerte auf Amrum und Föhr. Auch Peer Schmidt gab alljährlich Rezitationsabende auf „seiner“ Insel. Elfriede Rückert hatte im vergangenen Sommer im hohen Alter von 96 Jahren noch einmal einen umjubelten Auftritt im Nebeler Haus des Gastes, wo sie Texte von Friedrich Rückert vortrug. Und Christian Brückner kann man immer wieder – teilweise auch gemeinsam mit seinem Sohn Kai, einem angesagten Berliner Jazzmusiker – bei großartigen Lesungen auf Föhr erleben.
Übrigens, auch wenn sie dann die Stars des Abends sind, fahren die beiden Brückners auch schon mal mit dem Linienbus von ihrem Wohnort Oldsum zum Auftritt ins elf Kilometer entfernte Wyk. „Bloß kein Promi-Rummel“ lautet schließlich die gemeinsame Devise der berühmten Föhrer und Amrumer Gäste.

 

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