zur Navigation springen

Aus Insel-Küchen frisch auf den Tisch : Fisch einmal anders

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Die norddeutsche hat Küche eine enorme Vielfalt zu bieten und ist um Längen besser als ihr Ruf. Das beweisen die Rezepte, die Mitglieder des Föhrer Landfrauenvereins im „inselmagazin“ vorstellen.

Angekündigt hatte Karin Feddersen einen Auflauf aus Schollenfilets und Süßkartoffeln – „zurzeit mein Lieblingsrezept, wenn ich für Gäste koche“. Doch dann hat die Oldsumerin gleich ein ganzes Menü gezaubert, reicht als Vorspeise eine Suppe aus frischen grünen Erbsen und kredenzt nach dem herrlich aromatischen Auflauf ein fruchtiges Vanille-Quark-Dessert – drei feine leichte Gänge, die ganz wunderbar schmecken. Routiniert hantiert sie beim Fototermin mit Schüsseln und Töpfen. Man merkt: In dieser Küche wird gern und viel gekocht.

Und tatsächlich: „Ich koche jeden Tag, ich muss ja einen hungrigen Handwerker satt machen“, berichtet die 53-Jährige. Da sie und ihr Mann Hans Werner Brot nicht so gut vertrügen, bereite sie manchmal sogar zwei Mal am Tag warme Mahlzeiten zu. Dabei kommt nicht nur Traditionelles auf den Tisch. Karin Feddersen probiert auch gerne neue Rezepte aus.

„Von jedem Gift ein bisschen, dann kann es nicht so schädlich sein“, beschreibt sie ihre variationsreiche Küche, in der sich Fleich, Fisch und vegetarische Gerichte abwechseln, viel frisches Obst und Gemüse verarbeitet wird, „und nichts aus der Tüte kommt“. Und sie kocht gerne vollwertig, von Buchweizenpfanne über Haferburger bis zu Dinkelmüsli ist bei Feddersens neben Rinderbraten, Steaks oder Hackfleischsoße „auch Körnerkram ganz normal“.

Dabei variieren die Gerichte je nach Jahreszeit. Karin Feddersen kauft vorzugsweise frische Produkte aus der Region ein. „Im Sommer gibt es mehr Frisches, im Winter eher Kohl und Deftiges“, berichtet sie.

Ihre Begeisterung fürs Kochen hat Karin Feddersen bereits als junges Mädchen entdeckt. „Meine Mutter war berufstätig und hat oft was vorgekocht“, erinnert sie sich. „Das blieb dann stehen, weil ich nichts Aufgewärmtes mochte. Ich habe mir lieber selber was gemacht“, sei sie schon früh ans Kochen und Backen gekommen.

In ihrer Heimat in Ostwestfalen war das. Als 19-Jährige kam Karin Feddersen zum ersten Mal nach Föhr. In der Westfalenklinik am Sandwall machte sie eine Kur und merkte schnell, wie positiv sich die Seeluft auf ihr Bronchialleiden auswirkte. So fasste sie spontan den Entschluss, zu bleiben und ist in ihrer letzten Kurwoche auf Jobsuche gegangen.

Kurz darauf kehrte die gelernte Bekleidungsnäherin mit Auto und Stereoanlage auf die Insel zurück. Bei einem Imbiss wollte sie anfangen. Doch kaum auf Föhr gelandet, wurde sie wieder krank, kam in die Insel-Klinik und Job und Wohnung waren weg. Zum Glück hatte sie schon während ihrer Kur junge Frauen kennengelernt, die als Erziehrinnen im damaligen Kinderheim „Schloss am Meer“ arbeiteten. Die haben Karin Feddersen damals gerettet, haben sie zunächst „schwarz“ in einem leer stehenden Personalzimmer wohnen lassen und kurz darauf bekam sie auch eine Stelle in der Kinderheim-Küche.

Einige Jobs und Wohnungen später wurde dann klar, dass aus dem zunächst geplanten einen Jahr auf Föhr ein ganzes Leben werden sollte. Karin hatte den Föhrer Tischler Hans Werner Feddersen kennengelernt. 1985 wurde geheiratet und dann in Alkersum ein Haus gebaut.

Tochter Anja und Sohn Dirk wurden geboren. Hans Werner Feddersen, damals noch Geselle bei einer Firma in Wyk, legte die Meisterprüfung ab und konnte sich mit einem eigenen Betrieb in Oldsum selbstständig machen. Der wuchs kontinuierlich, mittlerweile beschäftigen die Feddersens drei Gesellen und zwei Auszubildende. Um ihren Mann optimal unterstützen zu können, machte Karin Feddersen dann kurz vor der Jahrtausendwende eine Ausbildung zur Bürokauffrau. Nicht die letzte Aus- und Weiterbildung der zielstrebigen Insulanerin, die übrigens neben ihren Aufgaben in Familie und Betrieb fünf Jahre lang auch im Kundencenter des Insel-Boten gearbeitet hat.

Darüberhinaus ist Karin Feddersen in der Hospiz-Initiative Föhr-Amrum engagiert und hat dort eine Ausbildung zur Hospizhelferin absolviert. Außerdem wurde sie Wohn- und Lebensraumgestalterin, ein Lehrgang, in dem sie Fähigkeiten erwarb, die ihr bei der Beratung der Kunden in der Oldsumer Tischlerei zugute kommen. „Das war eine spannende Sache, ich habe gelernt, ziemlich schnell zu erfassen, wie ein Kunde leben möchte und welcher Einrichtungsstil zu ihm passt“, berichtet sie.

Und auch ihre jüngste Ausbildung kann Karin Feddersen im Betrieb nutzen, zu dem auch ein Bestattungsinstitut gehört: Vor Kurzem hat die Oldsumerin die Prüfung zur Trauerbegleiterin abgelegt.

Bei diesen vielen Aktivitäten bleibt – neben dem Kochen und Ausprobieren neuer Rezepte für Hobbys nicht viel Zeit. „Ich gehe gern an der frischen Luft spazieren oder Walke“, berichtet sie. Und sie singt im Chor der Föhrer Landfrauen, den „Feer Ladies“. Im Moment das einzige Angebot des Landfrauenvereins, das Karin Feddersen nutzen kann. „Dabei machen die so tolle Sachen, das ist wirklich schade, dass ich dazu keine Zeit habe.“

zur Startseite

von
erstellt am 06.Sep.2014 | 16:54 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen