SchiffsBau : Ein neuer Retter für die Inseln

Der Seenotkreuzer „Vormann Leiss“ hat 30 Jahre auf dem Buckel. Jetzt bekommt er einen Nachfolger.
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Der Seenotkreuzer „Vormann Leiss“ hat 30 Jahre auf dem Buckel. Jetzt bekommt er einen Nachfolger.

Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger spendiert Amrum anlässlich ihres 150-jährigen Bestehens einen neuen Seenotrettungskreuzer. Taufe ist am 30. Mai in Bremerhaven.

shz.de von
04. Mai 2015, 20:27 Uhr

Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) feiert im Mai ihren 150. Geburtstag und macht sich – und den Menschen auf den nordfriesischen Inseln und Halligen – dazu ein besonderes Geschenk: Die Seenotretter lassen für ihre Station auf Amrum ein Schiff einer völlig neu entwickelten Klasse bauen. Die Taufe und Indienststellung ist während der großen Jubiläumsfeier der Gesellschaft am 30. Mai in Bremerhaven vorgesehen. Danach werden noch ausgiebige Erprobungen in der Nordsee anstehen, bevor das Schiff Ende Juni zum Tag der Seenotretter erstmalig der Öffentlichkeit auf Amrum vorgestellt wird. „Der Neubau entsteht in einem engen Zeitplan, sodass vor der Taufe und der Stationierung wohl keine Zeit bleiben wird, den neuen Heimathafen Wittdün anlaufen zu können“, erklärt DGzRS-Pressesprecher Christian Stipeldey.

Amrum wird mit diesem neu entwickelten Seenotrettungskreuzer mit der Baunummer SK 35 (siehe Skizze unten) erstmalig Heimathafen eines Neubaus sein.

Der derzeit auf der Insel stationierte Seenotrettungskreuzer „Vormann Leiss“ hatte 2008 die 28 Jahre alte und nahezu baugleiche „Eiswette“ der 23,3-Meter-Klasse abgelöst. Die nun 30 Jahre alte „Vormann Leiss“, der dienstälteste Seenotrettungskreuzer an der schleswig-holsteinischen Westküste, steht zum Verkauf und wird mit dem Tochterboot „Japsand“ aus der Flotte der DGzRS ausscheiden.

Die Kiellegung des neuen Spezialschiffes fand am 26. Mai 2014 auf der Fassmer-Werft im niedersächsischen Bardenfleth statt. Im Oktober letzten Jahres wurde der Rohbau fertiggestellt. Danach wurde das Schiff erstmals zu Wasser gelassen und auf der Weser von Bardenfleth nach Motzen gebracht.

Der Kreuzer ähnelt im Design der 46-Meter- und der 36,5-Meter-Klasse der DGzRS. In der Heckwanne wird auch bei dieser Neuentwicklung ein festes rund acht Meter langes Tochterboot mitgeführt. Es ist eine Weiterentwicklung der jüngsten Tochterboote und ebenfalls mit modernster Technik ausgestattet. Traditionell fließt bei der Entwicklung neuer Boote der DGzRS auch die Erfahrung der Rettungsmänner mit ein.

Auch dieser Seenotrettungskreuzer wird als Selbstaufrichter gebaut und aus seewasserbeständigem Aluminium gefertigt. Anders als die sechs Seenotrettungskreuzer der 27,5-Meter-Klasse wird SK 35 von nur zwei Motoren und Propellern >>>
>>> angetrieben. Diese zwei kräftigen „Herzen“ haben zusammen fast 4000 PS und wurden von den Schiffbauern am 21. Januar in Millimeterarbeit in den Rumpf eingebaut.

Durch die Verwendung von Leichtmetallen und einer speziellen Schiffsbautechnik wird eine große Festigkeit selbst bei schwerster See erreicht und trotzdem der für das Einsatzgebiet nordfriesisches Wattenmeer unerlässliche geringe Tiefgang erzielt. Das bedeutet, dass der maximale Tiefgang, wie schon bei der „Vormann Leiss“, zwei Meter betragen wird. „Befürchtungen, dass mit dem größeren Schiff das flache Wattenmeer eingeschränkter befahren werden könnte, sind Küstenschnack“, ist der Pressesprecher überzeugt.

Gemeinsam mit den in den vergangenen Jahren in Dienst gestellten Seenotrettungskreuzern der 20-Meter-Klasse auf den Nachbarstationen wird der Neubau einen Teil der viel befahrenen Deutschen Bucht absichern. Am Hauptaufgabengebiet wird sich laut Stipeldey allerdings für die Rettungsmänner der Station Amrum nichts ändern. Das Stationierungskonzept der Seenotretter basiert auf den Kriterien Gefahrenschwerpunkte, Verkehrsdichte und Revierverhältnisse und resultiert nicht zuletzt aus dem umfangreichen Erfahrungsschatz der DGzRS. Bei vielen Einsätzen ist Zusammenarbeit erforderlich. Die hohe Stationsdichte ermöglicht es, innerhalb kurzer Zeit mehrere Seenotrettungskreuzer und
-boote unterschiedlichen Typs am Einsatzort zu haben, die sich gegenseitig ergänzen. An der Küste von der Elbmündung bis zur dänischen Grenze stehen dafür Seenotrettungskreuzer in Cuxhaven, Büsum, auf Nordstrand, auf Amrum und in List sowie Seenotrettungsboote in Brunsbüttel, am Eiderdamm und in Hörnum zur Verfügung.

Die Seenotretter informieren auf einer Website – www.150-jahre-seenotretter.de – über Schiffsneubauten (ein Zehn-Meter-Rettungsboot wird ebenfalls zum Jubiläum getauft) sowie die geplanten Feierlichkeiten.

Es besteht die Möglichkeit, dem neuen Schiff mit einer Spende gute Wünsche mit auf den Weg zu geben – so wie das die Wyker Dampfschiffs-Reederei (WDR) unlängst getan hat. WDR-Geschäftsführer Axel Meynköhn hat beim Empfang zum 130-jährigen Bestehen der Reedrei dem DGzRS-Chef Gerhard Harder einen Scheck über 15  000 Euro überreicht – gedacht als Beitrag zum Bau des neuen Retters, von dem ja im Ernstfall auch die WDR profitieren würde.

Die gesamte Arbeit der DGzRS basiert auf Spenden und ehrenamtlichem Einsatz. Die Gesellschaft setzt derzeit von 54 Stationen in Nord- und Ostsee rund 60 Seenotrettungskreuzer und -boote ein. Die Seenotleitung Bremen der DGzRS koordiniert zentral alle Such- und Rettungsmaßnahmen. Trotz aller Technik: Im Mittelpunkt des Rettungswerkes steht nach wie vor der Mensch. Ohne die freiwillige Bereitschaft der Seenotretter zu ihren nicht selten gefahrvollen Einsätzen wäre die Arbeit der DGzRS auch heute nicht denkbar. Jahr für Jahr fahren die Schiffe der Rettungsflotte mehr als 2000 Einsätze auf Nord- und Ostsee.

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