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Insel-Chöre : Die Arbeitslieder der alten Seefahrer

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Der Amrumer Shanty-Chor fühlt sich der Tradition verpflichtet. Entstanden ist er aus einem Volkshochschul-Kurs.

Seit rund 21 Jahren besteht der Amrumer Shantychor, der aus einem Volkshochschul-Kurs im Winter 1994/1995 hervorging. Mittlerweile sind die 23 Frauen und Männer mit ihren regelmäßigen Auftritten von April bis Oktober ein fester Bestandteil des Unterhaltungsprogramms auf der Insel geworden. Selbst bei schlechtem Wetter scheuen sie sich nicht, ihr Publikum zu unterhalten und zum Mitsingen zu animieren. Beim Shantychor gibt es sehr viele Solisten, die es verstehen, dem jeweiligen Lied einen persönlichen Touch zu verleihen. Sie singen die „echten“ Shanties so, wie es überliefert ist – meist im Wechselgesang zwischen Vorsänger und Chor. „Wir haben durch diese Struktur eine besondere Betriebssicherheit“, meint Chorleiter Rüdiger Sokollek und lacht. So könnten etwaige Ausfälle von einzelnen kompensiert werden und gleichermaßen werden die Stärken der jeweiligen Solisten in den Vordergrund gestellt.
„Wir waren noch neu auf der Insel und der damalige Vorsitzende der Volkshochschule, Wolfgang Pieck, hat mich angesprochen, solch einen Kurs auf die Beine zu stellen“, erinnert sich Sokollek. Der Zulauf gab der Idee Recht und so hat sich der Chor etabliert und bis heute gehalten. Zwischenzeitlich stellte sich immer mal wieder eine dünne Personaldecke beim Amrumer Shantychor ein, die glücklicherweise durch Neuzugänge wieder ausgeglichen werden konnte. „Die allgemeine Fluktuation bei den Mitgliedern des Chors ist nicht selten der Insellage, Veränderungen im Beruf oder der fernen Liebe geschuldet“, fasst der Chorleiter zusammen. Nachwuchssänger oder Sängerinnen, denn Frauen sind beim Amrumer Shantychor herzlich willkommen, sind oft bereits im Ruhestandsalter oder zumindest um die 50 Jahre alt. Es müsse keiner Scheu zeigen, dem Chor beizutreten, betont Sokollek. „Das normale Chormitglied muss nicht zwingend singen können, das lernt man bei uns ganz schnell. Wichtig ist vielmehr der Teamgeist. Sprich, die Fähigkeit mit anderen an einem Strang zu ziehen.“

Die vom Chor gesungenen Shanties sind Arbeitslieder, die seinerzeit halfen, den Rhythmus der schweren Arbeit in der Gruppe auf den alten Segelschiffen zu synchronisieren. Bis weit ins 19. Jahrhundert waren Wind und Muskelkraft die einzigen „Energieträger“ an Bord.
Der Shantychor ist ein eingetragener gemeinnütziger Verein, der sich durch Spenden und Mitgliedsbeiträge finanziert. Bisher wurden drei CD’s produziert, die jeweils eine Stunde Shantys umfassen. „Wer sich eine CD kauft, hat die Möglichkeit, sich per E-mail die Noten mit Texten und Akkorden zuschicken zu lassen. Hiervon wird rege Gebrauch gemacht“, berichtet Sokollek von einem besonderen Angebot des Chors.
In den Sommermonaten erfreut der Shantychor immer wieder die Insel-Gäste mit seinen Auftritten. Allein 18 Konzerte stehen im Jahr 2015 bis Ende Oktober auf dem Programm. Oft steht der Shantychor dann gemeinsam mit der Amrumer Trachtengruppe auf der Bühne, für die dann auch die Livemusik gespielt wird. Die erklärten Höhepunkte sind allerdings die Solo-Konzerte, auf denen mit einem fast zweistündigen Programm das Publikum auf große Fahrt mitgenommen wird. Der Chor versteht es, die alten Lieder aus dem „Schifffahrtsmuseum“ mit ihrem rauen, wilden und zugleich sentimentalen Charakter zu neuem Leben zu erwecken. Ein großer Teil des 100 Lieder umfassenden Repertoires ist auf den CD’s festgehalten. Die Produktion einer vierten CD sei im Kopf, aber noch nicht konkret, verrät der Chorleiter.

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