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Insel-Feuerwehr : Der kleine Drache und die großen Maschinen

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Alle nennen sie Grisu. Sabine Jensen ist als Gerätewartin zuständig für die Ausrüstung der Wyker Blaujacken.

Als bei der Jahresversammlung 2014 der Wyker Freiwilligen Feuerwehr der langjährige Gerätewart Uwe Hansen in den Ruhestand trat, schlugen die Feuerwehrkameraden wie aus einem Mund „Grisu“ als Nachfolger vor. Ohne weitere Diskussion votierten die Mitglieder der Wyker Wehr einstimmig für diesen Vorschlag.
Wer nun den kleinen Drachen aus der gleichnamigen Zeichentrickserie erwartete, der davon träumt, Mitglied der Feuerwehr zu werden, wurde enttäuscht. Aber für ahnungslose Gäste der Versammlung kam dann doch eine Überraschung: Grisu ist nämlich eine Feuerwehrfrau, die neben dem eher stämmigen Uwe Hansen relativ zart wirkt. Grisu, die – was die wenigsten ihrer Kameraden auf Anhieb wissen – eigentlich Sabine Jensen heißt, trägt nicht umsonst diesen Spitznamen. Schon als Kind, als Frauen bei den Wehren noch nicht so willkommen waren, hatte sie nur einen Wunsch: „Ich will zur Feuerwehr“.


„Ich will zur Feuerwehr“


„Ich komme aus einem winzigen Dorf bei Lübeck. Da gab es nur die Grundschule, den Bolzplatz und Landwirtschaft“, schildert Sabine Jensen. In ihrer Klasse seien genau fünf Kinder gewesen, die dann auch zusammen spielten. Sie sei in einer Männergesellschaft aufgewachsen, erklärt die Gerätewartin, und sei dabei recht selbstbewusst und robust geworden.
Als 16-Jährige konnte Sabine Jensen in ihrem Heimatort bei der Wehr zu Grisu werden und half dort auch, eine Jugendfeuerwehr aufzubauen. Vielseitig verlief ihr beruflicher Werdegang. Vorweisen kann sie nun ein landwirtschaftliche Lehre, die ihr heute die Tätigkeit als Melkerin ermöglicht, außerdem absolvierte sie eine Ausbildung zur Mechanikerin für Krafträder. >>>
>>> Mit ihrem Motorrad-Club kam sie 2001 zum ersten Mal nach Föhr. Der Liebe wegen folgte bald die Übersiedlung auf die Insel, der einige Zeit später die Heirat mit Ingo Jensen folgte, der inzwischen Kapitän des Amrumer Tonnenlegers ist. „Ich habe aber vor der Hochzeit keinen Zweifel daran gelassen, dass die Feuerwehr für mich an erster Stelle steht“, sagt die selbstbewusste Frau.
Der Start ihres Insellebens war im Rahmen einer Ausbildung zur Rettungshelferin ein Praktikum im Wyker Krankenhaus, und sie beteiligte sich dann auch regelmäßig am Feuerwehrdienst. So nahm dann das Feuerwehrleben von Grisu richtig Fahrt auf: Lehrgänge der Grundausbildung und für Gruppenführer absolvierte sie mit Bravour und ist seit 2007 nordfriesische Kreisausbilderin auf Föhr.


Schon immer für Technik interessiert


Zu diesem Zeitpunkt startete eher zufällig ihre Karriere als Gerätewartin: Ein Brandschutzcontainer war zu Übungszwecken in Wyk aufgestellt worden, was für den Gerätewart Uwe Hansen eine gewaltige Zusatzarbeit bedeutete, mussten doch unzählige Sauerstoffflaschen und Masken in Schuss gehalten werden. Hansen bat um Hilfe, und die fand er in Sabine Jensen. „Ich habe mich schon immer für Maschinen interessiert und habe danach stets geholfen, wenn Not am Mann war“. So ist die weitere Entwicklung naheliegend: 2011 wurde Grisu zur stellvertretenden Gerätewartin gewählt, um schließlich seit 2014 dafür verantwortlich zu sein, dass sämtliche Gerätschaften der Wyker Feuerwehr im Notfall einsatzbereit sind.

Das bedeutet nun nicht, dass Sabine Jensen – obwohl sie dies sicherlich auch könnte – unter den Einsatzfahrzeugen liegt, um an ihnen zu schrauben. Sämtliche Fahrzeuge der Blaujacken werden regelmäßig von den Profis Föhrer Werkstätten gewartet. Die Gerätewartin kommt bei den großen Feuerwehrautos zum Einsatz, um kleinere Schäden zu beseitigen und die Wagen zu pflegen.

Dabei ist es fast überflüssig, zu erwähnen, dass Grisu die roten Kolosse der Wehr „fahrtechnisch“ im Griff hat. Bei speziellen Fahrstunden auf dem Festland wurde sie geschult, und als im vergangenen Jahr auf dem Parkplatz des Wellenbades der Umgang mit den Fahrzeugen in Extremsituationen geübt wurde, war Grisu natürlich auch dabei.


Verantwortlich für die Sicherheit


Die wichtigste Aufgabe der Gerätewartin ist die Pflege und Instandhaltung der Ausrüstung der Atemschutzgeräteträger. „Wenn die Kameraden von Einsätzen zurückkehren, geht für mich die Arbeit richtig los“. Die Sauerstoffflaschen müssen befüllt werden und die Masken gereinigt, desinfiziert und in eine Plastikhülle eingeschweißt werden. Damit trägt Sabine Jensen, die ihren Job übrigens ehrenamtlich ausübt, eine gewaltige Verantwortung für die Sicherheit der insularen Geräteträger, die sich bei ihren Einsätzen auf die Funktionstüchtigkeit ihrer Ausrüstung verlassen müssen.
Zwar kann Grisu es an Statur mit gestandenen Feuerwehrmännern nicht aufnehmen. Wer jedoch vermutet, es mit einem schwachen Wesen zu tun zu haben, irrt sich gewaltig. Sabine Jensen hat enormen Pepp und lässt sich von den Männern nicht die Butter vom Brot nehmen. „Man darf in dieser Welt nicht zart besaitet sein“, stellt sie fest, „und muss bei dummen Sprüchen – auch die gibt es manchmal – zu kontern wissen“.

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erstellt am 30.Mär.2015 | 22:14 Uhr

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