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Deich- und Sielverband : Damit die Insel nicht absäuft

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Wichtige Aufgabe: Auf Föhr muss ein Gewässernetz von 163,5 Kilometern unterhalten werden.

Ein von der insularen Öffentlichkeit eher weniger beachtetes Dasein fristet der Deich- und Sielverband Föhr, dessen Verwaltung unter dem Dach des Wasserbeschaffungsverbandes (WBV) angesiedelt ist. Dabei handelt es sich um eine Organisation der Selbstverwaltung, in der die Gemeinden und private Anlieger in der Marsch vereinigt sind. Den meisten Menschen auf der Insel ist wohl nicht bewusst, dass ihnen ohne den Einsatz des Verbandes das Wasser zu manchen Zeiten buchstäblich bis ans Kinn reichen würde. Der Verband ist zwar, seit 1971 das Land diese Zuständigkeit übernommen hat, nicht mehr für den Deichbau verantwortlich. Aber die Regulierung der Wasserstände in der Föhrer Marsch ist das Aufgabengebiet des Verbandes. Das heißt einfach gesagt, dass er dafür sorgen muss, dass während des Sommers ein ausreichend hoher Wasserstand in den Sielen herrscht und im Winter das Regenwasser zügig abgeleitet wird. Ohne die Entwässerung würde im Winter die Marsch rasch komplett überflutet sein.
Zwar ist der Deich- und Sielverband , der in seiner jetzigen Zusammensetzung 1950 gegründet wurde, noch relativ jung. Doch Dr. Hark Ketelsen, sein Geschäftsführer, ist sich sicher, dass seit der Eindeichung der Insel, ungefähr im Jahr 1500, versucht wurde, den Wasserstand in der Marsch zu regulieren. Protokollaufzeichnungen gehen bis in das 18. Jahrhundert zurück.
In seiner Jugendzeit, so erinnert sich Ketelsen, war während des Winters in den tiefer liegenden Bereichen der Insel teilweise Land unter. Das kann man auch heute noch nachempfinden, wenn während der Sturmtage im Herbst oder Winter kein Wasser ins Meer abfließen kann. Dann breiten sich die Siele „großzügig“ über die anliegenden Fennen aus.
Nachdrücklich wurde die Entwässerung der Marsch ab 1953 mit dem „Programm Nord“ der Landesregierung in Angriff genommen. Im Zuge der Flurbereinigung, die Anfang der 1960-er Jahre abgeschlossen war, sind die Sielzüge und Vorfluter angelegt worden. Es entstand dabei ein Gewässernetz von 163,5 Kilometern. Diese Siele müssen unterhalten und im Herbst regelmäßig vom Reetbewuchs befreit werden. Auch wenn der Bewuchs, der für die Wasservögel und ihren Nachwuchs einen willkommenen Unterschlupf bietet, recht idyllisch aussehen mag, so hat er doch enormen Einfluss auf das Abfließen des Wassers. Es wird gestaut und die Folge ist, dass der Wasserspiegel im Graben zunehmend ansteigt. Während der Bewuchs für einen eher unfreiwilligen Stau sorgt, gibt es auch insgesamt sieben kleinere Stauanlagen. die vor allem bei Trockenheit im Sommer verhindern sollen, dass der Wasserspiegel zu weit absinkt.
Die Sielzüge bieten in besonders kalten Wintern sehr zur Freude der Landjugend eine besondere Attraktion. Sind sie nämlich verlässlich zugefroren, ist auf ihnen eine flotte Schlittschuh-Tour in Richtung Wyk möglich.
Der Unterhalt des Wassernetzes in der Marsch ist die eine Seite des Verbands-Aufgabengebietes. Die andere betrifft die „Entsorgung“ des Wassers in die Nordsee. Dazu gibt es drei Einrichtungen, nämlich das Laglumsiel bei Wyk, über das rund 65 Prozent des Wassers in das Meer abfließt, sowie die Schöpfwerke in Oldsum und in Dunsum. Das Laglumsiel, das mit finanzieller Unterstützung des Landes vor rund 20 Jahren erstellt wurde, hat zur Seeseite Tore, die sich bei Ebbe in Folge des Wasserdrucks öffnen. Die beiden Schöpfwerke werden mit Propellerpumpen betrieben, wobei das Schöpfwerk Föhr-Mitte in Oldsum, dessen neues Gebäude 1962 erstellt wurde, vor allem in Zeiten hohen Niederschlages eingesetzt wird, um mit seinen drei Pumpen die Marschen zügig zu entwässern. Dieser Entwässerungseinrichtung ist ein Speichersee vorgelagert, der rund 30  000 Kubikmeter Wasser fasst. Im Jahr ist, wie Hark Ketelsen errechnet hat, dieses Werk insgesamt rund 300 Stunden im Einsatz und befördert >>>
>>> dabei 5,4 Millionen Kubikmeter Wasser aus den Sielen in die Nordsee. Das Dunsumer Schöpfwerk ist für die Entwässerung der Niederungsflächen im Westen der Insel „verantwortlich“, und es entsorgt in rund 500 jährlichen Einsatzstunden knapp 2,8 Millionen Kubikmeter Wasser.
Der Deich- und Sielverband hat sich inzwischen über seine eigentlichen Aufgaben hinaus satzungsmäßig zum Naturschutz und zur Verbesserung des Naturhaushaltes bekannt. So werden von seinem Grundbesitz, der rund 350 Hektar umfasst, 170 Hektar naturnah genutzt, wobei große Teile im Nationalpark Wattenmeer liegen. 120 Hektar sind als Gewässergrundstücke ausgewiesen. Sie sind willkommene Gebiete für Vögel aller Art und bieten Naturliebhabern einen besonderen Einblick in die insulare Flora und Fauna.

 

 

 

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erstellt am 04.Nov.2015 | 18:08 Uhr

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