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in MIdlum : Auf Eis gelegt

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Kühlhaus statt Kühltruhe: Die Tiefgefriergenossenschaft Osterland-Föhr ist eine der letzten ihrer Art.

Eigentlich sind 60 Jahre noch ein relativ überschaubarer Zeitraum. Doch kann solch Spanne eine gewaltige Zäsur in einer Entwicklung bedeuten. Dies trifft auch auf das Midlumer Eishaus zu, dessen ursprünglicher Betreiber, die Tiefgefriergenossenschaft Osterland-Föhr, am 18. Februar 1955 in den Räumen der Meierei aus der Taufe gehoben wurde. Diese im Jahr 1956 hinter der Meierei, heute Midlumer Gemeindezentrum, erbaute Tiefkühl-Einrichtung ist inzwischen fast zu einem Anachronismus geworden. Doch in den Zeiten, als die Bauern noch zu Hause schlachteten und der Einsatz von Tiefkühltruhen in den Haushalten noch nicht normal war, stellte dieses Eishaus einen gewaltigen Fortschritt dar, konnten dort doch auch große Fleischstücke kalt gelagert werden. Elena Arfsten, eine über 90-jährigen Midlumerin, erinnert sich noch gut daran, dass in den früheren Zeiten, das Fleisch des Schlachtviehs durch Konversierungsmethoden wie Pökeln oder Einwecken haltbar gemacht werden musste.
Nicht nur in Midlum, sondern auch in Borgsum und in Oldsum gab es früher Eishäuser, die direkt neben den kleinen Meiereien in diesen Orten angesiedelt waren. Diese nutzten diese Einrichtungen, um ihre Milchprodukte kühl zu halten. Im Laufe der Jahre verschwanden die kleinen Meiereien, die Kühltechnik hielt auch in den Privathaushalten Einzug und damit verloren die Eishäuser ihre Bedeutung und wurden schließlich abgerissen. Lediglich in Midlum wird diese Einrichtung – inzwischen von der im Jahr 1991 gegründeten Tiefgefriergemeinschaft Osterland-Föhr – noch betrieben, und Bernhard Hinrichsen, Vorsitzender und Geschäftsführer, berichtet, dass immerhin 73 der insgesamt 110 Fächer des Eishauses vermietet sind. Inzwischen kommen die Nutzer dieser Tiefgefriergemeinschaft von ganz Föhr und nicht, wie zu Beginn, aus den Gemeinden Midlum, Oevenum, Alkersum und Wrixum. Bernhard Hinrichsen erinnert sich auch daran, dass früher nur die Bauern, Bürgermeister und Schlachter in der Genossenschaft aufgenommen wurden. Erst in den späteren Jahren, als die Nachfrage nicht mehr so groß war, wurden auch „normale“ Insulaner willkommen geheißen.
In das Eishaus, in dem konstant eine Temperatur von minus 16 Grad herrscht, durfte früher nicht jeder einfach seine Sachen bringen oder wieder holen. Zunächst, davon berichtet Bernhard Hinrichsen, war die langjährige Geschäftsführerin der Genossenschaft, Margaretha Alvs, für die Herausgabe des Gefriergutes zuständig, dann folgte ihr Gertrud Eckloff, die als Flüchtling nach Midlum gekommen war. Sie bekam nach den Schlachttagen von den Bauern immer etwas vom Fleisch ab und kam so auf ihre Kosten.
An den Öffnungstagen saß die Wärterin bekleidet mit dickem Mantel, Mütze und Handschuhen im Vorraum des etwa 72 Quadratmeter großen Kühlhauses. „Wir Kinder wurden immer mit Zetteln losgeschickt, um im Eishaus das Fleisch zu holen“, erinnert sich Bernhard Hinrichsen. Erst 1972, als Gertrud Eckloff starb, wurde das Haus auf Selbstbedienung umgestellt, wobei die Öffnungszeiten genau festgelegt waren.
Dass die Fächer im Eishaus immer gut ausgebucht waren, kann auch Elena Arfsten bestätigen. „Wir hatten insgesamt vier Boxen, gefüllt mit Geflügel, Rind- und Schweinefleisch – alles aus der eigenen Schlachtung. Jede Fleischsorte war in spezielles buntes Papier eingewickelt, um die Unterscheidung beim Herausholen zu vereinfachen.“ Später startete die Midlumerin auch Versuche, Obst und Gemüse einzufrieren.
Im penibel geführten Protokollbuch der Tiefgefriergenossenschaft ist ihre Geschichte festgehalten. Unter anderem ist auch die Entwicklung der Gebühren dokumentiert. Sie lagen zu Beginn bei monatlich drei Mark pro Box, wurden dann erhöht, später auf jährliche Bezahlung umgestellt.
In der Zeit der Genossenschaft gab es genau zwei Vorsitzende. Jens Martens übte vom Zeitpunkt der Gründung bis ins Jahr 1981 dieses Amt aus, und ihm folgte Cornelius Jacobs, der im Dezember 1991 die Versammlung leitete, in der die Genossenschaft aufgelöst und die Tiefgefriergemeinschaft als Nachfolgerin gegründet wurde. Bernhard Hinrichsen nennt als Grund für diesen Schritt die Kosten, die mit einer Genossenschaft verbunden waren. Heute gehören dem Vorstand außerdem noch Karl-Heinz Juhl sowie Lina und Richard Knudtsen an. Dabei ist Richard Knudtsen als Maschinist dafür zuständig, dass es im Eishaus auch immer eisig ist.



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erstellt am 17.Feb.2016 | 19:17 Uhr

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