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zeitlos : Noch immer in Mode

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Aus der Redaktion des Insel-Boten

Eine jahrhundertalte Tradition wird auf der Insel Amrum bis heute gelebt. Ein ganz wichtiger Bestandteil ist die Friesentracht. Die Aufzeichnungen zu dem besonderen Kleidungsstück der Insulanerinnen gehen bis in das 16. Jahrhundert zurück.

Eine jahrhundertalte Tradition wird auf der Insel Amrum bis heute gelebt. Ein ganz wichtiger Bestandteil ist die Friesentracht. Die Aufzeichnungen zu dem besonderen Kleidungsstück der Insulanerinnen gehen bis in das 16. Jahrhundert zurück – damals wurden auf der Nachbarinsel Föhr schon Trachten getragen. Diese übernahmen etwas später auch die Amrumerinnen und auch Frauen von den Halligen lösten damit ihre bis dahin getragene Alltagstracht ab. Anfangs wurde das Kopftuch um den Kopf geschlungen, heute wird das quadratische Tuch gefaltet um den Kopf geknotet, mit einer Stoffwulst zur Erhöhung gebracht und mit Stecknadeln befestigt. Eine wahre Kunst, die damals die Frauen zum Teil selbst bewältigen konnten, heute wird das Kopftuch, die Haube, meist von einer Anziehfrau gebunden.

Die Seefahrer brachten ihren Frauen den Schmuck von den Reisen mit und so stammt die heutige Friesentracht, die sich in den letzten 150 Jahren kaum weiter entwickelt hat, von der spanischen Hoftracht ab. Im 18. Jahrhundert war die Tracht noch sehr bunt und farbenfroh, heute werden fast ausschließlich die Sonntagstracht und die Festtagstracht getragen, deren Farben gedeckter sind. Nicht nur bei touristischen Veranstaltungen wie Heimatabenden sieht man die Friesentracht. Sie wird bis heute auf den Inseln noch zu besonderen Anlässen getragen, bei Konfirmation, Hochzeit oder Geburtstag. Junge Insulanerinnen dürfen die wertvolle Festtagstracht erstmalig zu ihrer Konfirmation tragen, vorher nur die Sonntagstracht.

Ein Rückblick in die Amrumer Geschichte zeigt, dass die Frauen oft schwarze Schürzen zu beiden Trachten trugen, auch zu Festlichkeiten wie der Hochzeit. „Erst um die Jahrhundertwende wurden öfter die weißen Schürzen getragen“, berichtet eine Amrumerin. Anfang des 20. Jahrhunderts begannen die Mädchen, in den Trachten zu tanzen. Bald wurde die erste Trachtentanzgruppe gegründet. Damals gab es nur ein bis zwei Auftritte im Jahr, doch zur Olympiade 1936 in Berlin reisten Insulanerinnen in Friesentracht an – da sogar in Begleitung ihrer Männer, denen noch kurzerhand eine Tracht zusammengestellt wurde.

Bis heute gibt es nämlich auf den Inseln eigentlich keine männliche Tracht, denn die Seemänner haben ihren Frauen die Schmuckstücke mitgebracht, doch sich selbst dabei vergessen.

Noch in den 1960-er Jahren hatte die Amrumer Trachtengruppe bloß zwei Auftritte im Jahr, wobei das Repertoire nur vier Tänze beinhaltete.Bis Ende der 1970-er Jahre haben die Mitglieder der Nebeler und Norddorfer Trachtengruppe zusammen getanzt, rund 20 Jahre lang gingen sie dann eigene Wege, übten in den Wintermonaten ihre Tänze ein, erlernten in Kursen das komplizierte Anlegen der Trachten und traten in den Sommermonaten bei Heimatabenden vor Gästen auf. In der Norddorfer Trachtengruppe tanzten auch Männer mit, die ihre Tracht ganz nach eigenen Wünschen und Vorstellungen haben fertigen lassen. Im Jahr 2000 führte dann Mitgliedermangel dazu, dass sich beide Gruppen wieder zusammengeschlossen haben.

Wöchentlich wird geprobt und in der Saison bei zwölf Auftritten getanzt. Das Repertoire hat sich von vier Volkstänzen auf viele viele mehr erweitert und auch internationale Tänze sind im Programm. Mit Spaß, Freude und Leidenschaft sind alle dabei und das Gemeinschaftsgefühl ist groß. In den Wintermonaten wird nicht nur geprobt, sondern auch an den Trachten gearbeitet. Unter der Anleitung der Schneidermeisterin Tina Staupe und mit Unterstützung des Nordfriesischen Vereins haben die Insulanerinnen bereits gelernt, wie man den Pai (Unterkleid), die Sliawen (Ärmel) und die Schürze näht.

Über viele Jahre wurde die Trachtengruppe musikalisch von der Akkordeongruppe begleitet, heute tanzt sie an einigen Heimatabenden zur Musik des Amrumer Shantychors. Besondere Höhepunkte sind die Sonnenwendfeiern, wo direkt am Strand getanzt wird und Jugendliche mit Erwachsenen auftreten. Dann kommen fast 40 Tänzerinnen zusammen, die ein atemberaubendes Bild abgeben, wenn sie mit wehender Tracht am Strand dem längsten Tag des Jahres entgegenwirbeln.





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erstellt am 27.Mär.2015 | 12:32 Uhr

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