nach den sturmschäden : Insel-Wälder im Umbruch

Fest in den Griff nehmen schwere Maschinen ganze Baumstämme, die vom Sturm umgeknickt sind.
Fest in den Griff nehmen schwere Maschinen ganze Baumstämme, die vom Sturm umgeknickt wurden.

Die Orkane „Christian“ und „Xaver“ haben dem Inselwald arg zugesetzt. Jetzt soll neuer Wald angepflanzt werden. Um Laubbaum-Setzlinge kaufen zu können, läuft auch eine Spendenaktion.

shz.de von
30. März 2014, 18:37 Uhr

Wie nachhaltig extreme Naturereignisse wirken können und dauerhafte Veränderungen mit sich bringen, ist derweil überdeutlich am Amrumer Inselwald zu beobachten. Der in den 1950er Jahren gepflanzte Wald, der sich vom Leuchtturm bis nach Norddorf erstreckt, ist zwar noch da, aber er ist vielerorts regelrecht zerzaust. Die beiden extremen Stürme „Christian“ und „Xaver“, die im Oktober und Dezember 2013 mit voller Orkanstärke über Norddeutschland wüteten, haben einmal mehr gezeigt, wie gewaltig Naturgewalten ausfallen können.


Bäume fielen wie Streichhölzer

Wie Streichhölzer wurden die Bäume, die in dem Inselwald einen willkommenen Schutz vor Wind und Wetter boten, abgebrochen, entwurzelt oder ihrer Standfestigkeit beraubt. Besonders schwierig war es, die zu räumende Menge Holz zu schätzen. Zu chaotisch war die Lage und viel zu viele Umbrüche wurden erst im Laufe der Aufräumarbeiten offensichtlich.

Unmittelbar nach dem Orkan „Christian“ war ursprünglich von 2 000 Raummetern vernichteten Holzes die Rede. Das ist aber nur ein Bruchteil des tatsächlichen Schadens, der letztlich sogar das Sechsfache betrug. Etliche Waldwege waren erst Wochen oder gar Monate nach der ersten Schadenslage halbwegs passierbar. Und was da noch keiner wissen konnte: Mit „Xaver“ fiel kurz darauf der zweite mächtige Orkan über die Küste her. Sogar während eines Sturmes zu Heiligabend waren weitere Umbrüche zu verzeichnen. >>>
>>>Selbst die extra aus Baden-Württemberg herbeigerufenen Experten der Firma Pirchmoser-Holz GmbH standen vor einer großen Herausforderung. Auf Föhr wurden von Pirchmosers Mitarbeitern zusätzlich 3 000 Raummeter bearbeitet und abtransportiert. Auf Amrum erfolgte die Verladung von der Steenodder Mole aus, via „Catjan“ des Föhrer Inselschiffers Jan Christiansen zu den auf Reede wartenden Frachtern.

„Amadeus“ fährt Holz nach Belgien

Mittlerweile ist mit der „Amadeus“ ein noch mehr Ladung fassendes Frachtschiff mit rund 1500 Tonnen auf dem
Weg zu einem Holzverarbeitungsbetrieb in Belgien unterwegs.

Für den aus Tirol stammenden Forstunternehmer muss nach eigenem Bekunden jetzt sein bereits verlängertes Engagement im Norden auch wirklich auslaufen, um fristgerecht einen Folgeauftrag beginnen zu können – dieses Mal in Kroatien.

„Bis zur Menge von 8 000 Raummetern konnten wir bei der Holzindustrie einen besseren Preis erzielen“, so Pirchmoser. „Die Menge darüber unterliegt allerdings der im Frühjahr üblichen großen Schwankung bei den Holzpreisen, sodass wir pro Raummeter weniger Ertrag erzielen konnten“. >>>
>>> Die Verladung der Nadelholzstämme erfolgt von der Steenodder Mole aus, wo beeindruckende Holzpolder angefahren wurden, via der „Catjan“ des Föhrer Inselschiffers Jan Christiansen zu den jeweils auf Reede liegenden Frachtschiffen.

„Zwischendurch haben wir auch Holzstämme, die für die Sägewerke und die Papier verarbeitende Industrie vorgesehen sind, nach Dagebüll gebracht. Dort wurden sie auf die Bahn verladen“, berichtete der Föhrer Schiffer. Pro Tour wurden so rund 250 Tonnen Holz transportiert.

Der Vorsitzende des Forstverbands Amrum, Holger Peters, freut sich über die bisher eingegangenen Spenden und hofft inständig auf noch viele Nachahmer. „Wir sind über jede Spende dankbar“, erklärt Peters. „Jetzt setzen wir die Zeichen, um den Wald für die nächsten Generationen zu erhalten“. Peters wirbt nochmals für eine breite Unterstützung zur Neupflanzung des gebeutelten Amrumer Waldes.

Aufgrund des engen Zeitfensters werden erst im Herbst die Flächen gemulcht und für das Setzen der Laubbaumsetzlinge vorbereitet werden können. Vor der Saison werden lediglich die an die Wege angrenzenden Flächen überarbeitet werden können, um trotz dieser Ausnahmesituation zumindest den vielen Besuchern des Waldes einen erholsamen Aufenthalt bei ihrem Spaziergang oder der Fahrradtour zu gewähren.

Forstverband bittet um Spenden

Die Spenden sind steuerlich absetzbar. Hierfür genügt bis 200 Euro der Einzahlungsbeleg. Darüber hinaus stellt der Verband eine Spendenbescheinigung aus (Forstbetriebsverband, IBAN: DE 75217919060000117404, BIC GENODEF1WYK). Der Verwendungszweck lautet „Sturmschäden“.

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