haus in den dünen : Die Vergangenheit zum Erlebnis machen

Die Reetdachdecker bei ihrer Arbeit am Eisenzeitlichen Haus, das bis Ostern fertig gestellt werden soll.
Die Reetdachdecker bei ihrer Arbeit am Eisenzeitlichen Haus, das bis Ostern fertig gestellt werden soll.

Auf den Spuren der Vorfahren: Inmitten der Amrumer Dünen nördlich der Vogelkoje entsteht der Nachbau eines historischen Hauses . Dort wird die Geschichte Amrums von der Eisenzeit bis zur Jungsteinzeit erlebbar.

shz.de von
30. März 2014, 18:20 Uhr

Für die anschauliche Darstellung der frühen Amrumer Siedlungsgeschichte bedeutet die baldige Fertigstellung des eisenzeitlichen Hauses inmitten der Amrumer Dünen einen großen Wurf. Im nordwestlichen Bereich der Gemeinde Nebel liegt der Naturerlebnisraum Meeram, dessen Mittelpunkt die Vogelkoje darstellt. Auf einem Vorplatz zur eigentlichen Wasserfläche, die durch einen Naturlehrpfad mit Informationsinseln eingerahmt wurde, befindet sich ein Spielplatz und Informationspavillon. Das beliebte Ziel von Ausflügen und Rastplatz für Spaziergänger ist eingebettet im Übergang vom Amrumer Wald, über ausgedehnte Heideflächen bis hin zu der einmaligen Dünenlandschaft.

Nördlich der Vogelkoje, in einem Dünental gelegen, befindet sich ein zum Naturerlebnisraum gehörendes archäologisches Ausgrabungsgebiet mit Siedlungsspuren aus der Eisenzeit und jungsteinzeitlichen Großsteingräbern. Hier wird die Geschichte Amrums von der Eisenzeit bis zur Jungsteinzeit erlebbar.

Nachdem das Areal offiziell im Juni 2011 eröffnet wurde und seitdem das ganzheitliche Konzept mit den weiteren Projektabschnitten, wie Empfangsbereich und Spielplatz, kontinuierlich umgesetzt wurde, steht ein weiteres Highlight vor der Fertigstellung.

Erst kürzlich drückte Nebels Bürgermeister Bernd Dell-Missier beim Richtfest des eisenzeitlichen Hauses seine Freude über die baldige Fertigstellung des detailgetreuen Nachbaus des kombinierten Wohn- und Stallgebäudes aus. Da sich das Areal in dem Gebiet der Amrumer Dünen, die unter anderem den höchsten Schutzstatus auf Amrum genießen, liegt, war sehr viel Fingerspitzengefühl nötig, um solch einmaliges Anschauungsobjekt bauen zu können. „Über vier Jahre beschäftigte uns sodann auch die Planung, bevor nun das neue Schmuckstück des archäologischen Areals errichtet werden konnte“, so Dell-Missier. Die hervorragende Zusammenarbeit mit dem Öömrang Ferian, der unteren Naturschutzbehörde des Kreises Nordfriesland und dem Archäologischen Landesamt verhalf dem Projekt zum Erfolg. Ganz besonderes Lob sprach er dabei den beteiligten Handwerkern gegenüber aus. „Sie machten sich idealistisch und enthusiastisch ans Werk, um noch vor Ostern die Arbeiten abschließen zu können."

Es erfordert schon eine besondere Logistik, um die Baumaterialien in das Dünental zu schaffen. Nachdem die Zimmerleute die Konstruktion aus Eichenholzstämmen und Dachhölzern aus Lärche des Wohn- und Stallgebäudes erstellt hatten, rückten die Reetdachdecker an, um die traditionelle Weichbedachung aus Reet einzudecken. „Wir benötigen rund 14 Werktage, um die Reetbunde traditionell zu verarbeiten, dann wird der Giebel mit Grassoden ausgebildet“, erklärt Reetdachdecker Swen Sörensen. Sein Kollege Marvin Dzykowski und er trotzen derzeit der Witterung. Für ein Foto nimmt er sich die Zeit, um zu zeigen, wie mit entsprechenden „Nadeln“ das Kokostau durch das Reet durchgeführt wird und innen händisch so in die nächste Nadel gefädelt wird, dass die Reetbunde an der Holzbalkenkonstruktion vernäht werden (siehe Foto). „Ich habe die Reetbundballen extra kleiner verpacken lassen, damit wir überhaupt eine Chance hatten, diese über den Bohlenweg über die Dünen zu transportieren zu können“, berichtet Sörensens Arbeitgeber Christian Peters. Auf die rund 155 Quadratmeter Dachfläche müssen 2150 Bund heimisches Reet gedeckt werden. Eine echte Strapaze bedeutet dann noch der Transport der Grassoden, um den First auszubilden.

Als Geldgeber für das Projekt konnten die AktivRegion Uthlande, der Amrumer Rotary Club und viele anderen Spender gewonnen werden, die den Bau des eisenzeitlichen Hauses erst ermöglichten. Ziel des Projektes ist es, die Dimensionen und konkreten Ausprägungen der einst vor etwa 2 000 Jahren gebauten Gebäude dem Besucher zu veranschaulichen. Im Nachbau eins zu eins lässt sich gut darzustellen und kann man sich sicher gut vorstellen, wie die Lebensumstände der Menschen zurzeit um Christi Geburt und den Landschaftswandel seit der Eisenzeit bis in die Gegenwart in der Region Amrum gewesen sind.

Das Wohnstallhaus stellte einen Teil einer größeren Siedlung dar. Allein fünf Gebäude wurden bereits entdeckt. Die stets in Bewegung befindlichen Dünen verbergen nach derzeitigem Kenntnisstand derweil weitere Siedlungsnachweise. Durch Ausblasungen werden im Osten des Gebietes aktuell weitere Fundstellen freigelegt.

Bereits auf dem Weg dorthin beginnt für den Besucher mit in den Bohlenweg eingelassenen Jahreszahlen der „Weg in die Vergangenheit“. Eine „Zeitskala“ mit den historischen Ereignissen führt aus der Gegenwart der Vogelkoje zunächst bis in die Eisenzeit mit alten Siedlungsfunden im weiten Dünental. Nach Westen führt ein sich anschließender Bohlenweg weiter in die Jungsteinzeit bis zu einem jungsteinzeitlichen Großsteingrab.

Mit dem Projekt wird die Sensibilisierung der Gäste für die Natur und Kultur Amrums angeregt. Dabei stehen laut der Definition dieses ehrgeizigen Projekts Ziele im Vordergrund, wie das Erkennen der natürlichen und kulturellen Entwicklungsabläufe der Insel Amrum, das Wertschätzen und den Erhalt der natürlichen und kulturellen Grundlagen der Region das Wecken von Interesse und die Übernahme der Erkenntnisse in das persönliche Umfeld der Besucher. Der Öömrang Ferian arbeitet bereits an den Vorlagen für geplante Archäologisch-Kulturhistori- sche Führung, die dann den Besuchern die umfassenden Fakten aufbereiten und vermitteln sollen.

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