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Föhr : Alte Mole ganz neu

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Großbaustelle Wyker Hafen: Die alte Mole wird neu gebaut, außerdem entsteht ein zweiter Seiteneinstieg für Fährpassagiere.

Seitdem im Juni mit dem Abriss der alten Fährbrücke 1 begonnen wurde, ist die Hafenbaustelle Touristen-Attraktion. Baggerarme kreisen, Spundwände schweben: Bis April/Mai 2018 soll hier eine neue Mole samt neuer Brücke entstehen.
Im August konnte mit den Rammarbeiten begonnen werden. „Hier laufen schon die ersten Spundwände“, meldete Hafenbetriebsleiter Ulrich Koch Anfang September. Die neue Anlegebrücke vor der Mole wird mit 24 Metern vier Meter länger als die alte. Durch den dann kleineren Neigungswinkel setzen PKW bei extremem Niedrigwasser nicht mehr so schnell auf.
Größte Herausforderung in dieser Jahreszeit dürften Sturmfluten sein. „Wir hatten bereits im September einen Tag Hochwasser, da stand die ganze Pier unter Wasser und alles, was Holz ist, muss dann weg. Bei so viel Wasser haben wir natürlich das Problem, das wir die Pier nicht begehen und keine Arbeiten ausführen können“, sagt Koch.
Wenn alles gut geht, wird die Spundbohlen-Arbeit nach rund drei Monaten um den Jahreswechsel herum abgeschlossen sein. Dann sind insgesamt 1300 Tonnen in den Sand gesetzt: Bis zu 17,80 Meter sind die Bohlen lang, 1,20 bis 1,40 Meter breit. 720 Stück kamen per Schiff aus Luxemburg.
Aber zu Anfang musste das Terrain erst mal vorbereitet werden: Im Sommer rückte ein Bagger mit Stemmhammer tagelang dem massiven Baufundament der alten Brücke zu Leibe. Wer beobachtete, wie der Bagger auf dem Arbeitsschiff schwankte, stellte sich Fragen nach der Haltbarkeit. Aber der Arbeitsponton selbst stand auf Stempeln, die zehn Meter tief im Schlamm steckten. Der Brückenboden, den es abzubauen galt, hatte eine Größe von drei mal sechs Metern. Auch Taucher waren im Einsatz, denn im Fundament steckten scharfkantige Stahlpfähle, woran sich der Bagger seinen Hydraulikschlauch hätte aufreißen können. „Dann hätten wir einen Ölfilm im Hafen gehabt“, sagte Ulrich Koch. Also wurden die Stahlpfähle von den Tauchern abgebrannt, sobald wieder ein halber Meter Schutt an Land geschafft war.
Als ebenso hartnäckig erwiesen sich auch die fünf riesigen Brettdalben, die man längs der Alten Mole aus dem Hafenbecken ziehen wollte. Nix ging. Die bewegten sich einfach nicht. Nicht mittels Greifarm, nicht unter Zuhilfenahme des Rüttlers und auch nicht, als man als letzten Versuch eine Spüllanze daneben steckte und spülte. „Nun bleiben sie drin“, sagt Koch. „Wenn wir die neue Molenfläche einspunden und vergrößern, dann tun wir das jetzt über die Dalben hinweg.“ Dazu mussten die Taucher sie unter der Wasseroberfläche abtrennen. Man kann nur schätzen, nimmt aber an, dass die Pfosten bis zu sieben, acht Meter fest im Schlick stecken. Die abgesägten Teile liegen muschel- und rostbesetzt auf der Baustelle.
Koch trifft sich regelmäßig mit der Projektleiterin. Die Bauingenieurin Annett Bode kommt aus der Nähe von Oldenburg und hat Station genommen in den weißen Containern unterhalb des Reedereigebäudes.
Die Bohlen für die Spundwände tragen alle eine Nummer, aufgesprüht mit Farbe aus der Dose. „Der Polier hat die Reihenfolge im Auge“, sagt Bode. Element für Element wird – am Seilbagger hängend – unter Druck mit einem Rüttler einvibriert. Alternierend zum Rüttler kann in den Haken des Baggers auch ein Hammer geklinkt werden. „Dann könnte es etwas lauter werden“, warnt Koch. Am Ende werden die 720 Einzelteile miteinander verstrebt: Rückverankerung der Spundwand, sagt der Fachmann. Der Plan für diese Arbeiten ist meterlang und hängt bei Bode und Koch an der Wand.
Für den Laien stellt sich die Frage, wie man ins Meer hinaus Spundplatten so hintereinander verankern kann, wie es die Ingenieurszeichnung vorsieht. Annett Bode lacht und verweist auf ein Monstrum aus Stahl. „Unsere Raumführung. Ein tolles Produkt.“ Zwei 15 Meter lange miteinander verbundene Stahlträger geben die Richtung für die Spundplatten vor. Getragen werden sie von zwei gewaltigen in den Nordseeboden eingerüttelten Rohren. „Wo diese Rohre in die See müssen, wird über Vermessungspunkte eingemessen“, sagt Bode. Sind fünfzehn Meter Wand gesetzt, wird die Trägerkonstruktion weitergeschoben, und wieder auf einem Stützrohr aufgelegt. Wie lange braucht der Bagger, um so ein 15-Meter-Rohr in die Nordsee zu rütteln? Annett Bode winkt ab, „das kann ruck, zuck nach ein paar Minuten drin sein.“
Wo die neue Mole breiter wird als die alte, wird mit Sand verfüllt. Der kommt im besten Fall mit Entnahmegenehmigung direkt aus der Nordsee und kann gleich vom Schiff aus hinter die Spundwand gepumpt werden. Andere Variante: Per LKW aus einer Sandkuhle am Festland. Sechs- bis achttausend Kubikmeter werden es sein müssen, schätzt Annett Bode. Das sind etwa 500 Sattelzüge. Ehe die neue Mole dann gepflastert werden kann, bekommen die Wände noch eine rund 50 bis 60 Zentimeter breite Betonkante aufgesetzt, die Abschlussbordüre im Nichtfachjargon. Geplante Arbeitszeit für Auffüllen und Pflastern: weitere zwei Monate.
Wenn alles fertig ist, wird der Seiteneinstieg auf Schwimmpontons liegen, was ihn viel weniger wartungsintensiv und natürlich ebbe- und flutgängiger macht. Am gegenüberliegenden Molenrand wird die steile Metalltreppe zum Seenotretter ebenfalls durch einen Schwimmponton ersetzt.
Bis April/Mai 2018 steht Föhr auf Annett Bodes Terminplaner. Die 48-jährige Wasserbauingenieurin kennt von der Insel bisher eigentlich nur den Hafen und ihre weißen Arbeitscontainer. Aus denen heraus hat sie auch schon auf Borkum, in Hamburg und Emden Projekte geleitet.
Sollte Hochwasser kommen und alles schwimmfähige weggeräumt sein müssen, stellt sich die Frage, was mit den 40 riesigen Dalben ist, die die Arbeiter aus dem Schlick gezogen haben. Feinste Ware. „Das sind schöne, alte Bongossi-Pfähle“, sagt Ulrich Koch mit Blick auf die 40 bis 50 Jahre alte Mole, „Die werden wir später wieder einsetzen.“ Wegschwimmen dürfen sie also nicht.


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