"Inklusion in die Herzen bringen"

Kita-Fachtagung: Es ist normal, verschieden zu sein

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15. Oktober 2011, 08:22 Uhr

Lübeck | Gut 140 Teilnehmende - überwiegend Kindertagesstätten-Mitarbeitende verschiedener Träger - waren zum Fachtag des Evangelisch-lutherischen Kindertagesstättenwerks (Kitawerk) in die Media Docks gekommen, um unter dem Motto "Es ist normal, verschieden zu sein" Expertenvorträge zu hören und sich Gedanken über das Thema Inklusion zu machen.

Die vierjährige Lena ist spastisch gelähmt, aber geistig fast ihrem Alter entsprechend entwickelt. Im Kindergarten helfen ihr die anderen Kinder, wenn sie etwas nicht kann. Zum Beispiel mit dem Puppenhaus spielen: Ein anderes Mädchen bewegt für sie die Figuren. Das sei nur ein Beispiel für gelungene Inklusion, berichtet die Bremer Erziehungswissenschaftlerin Kathrin Effenberger.

Die Bundesregierung hat Absichtserklärungen gemacht, in diesem Jahr sogar einen nationalen Aktionsplan zur Durchsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention veröffentlicht. Die praktische Umsetzung von Inklusion - also der "Einschluss" von beeinträchtigten Menschen in die Gesellschaft - ist aus Sicht der Referenten bislang nur Vision.

Nach den Worten von Daniela Kobelt-Neuhaus hierzulande gar eine Illusion: "Das deutsche Bildungssystem ist von Selektion und Separation geprägt", so die vierfache Mutter, die auch einen behinderten Sohn hat: "Hilfe für behinderte Kinder muss angemeldet werden und steht nicht selbstverständlich zur Verfügung."

"Wir brauchen eine klare gesetzliche Grundlage auf Länderebene, auch eine Finanzierungsgrundlage", forderte Dr. Timm Albers. Allein das viergliedrige deutsche Schulsystem (mit Sonderschulen) widerspreche dem Prinzip der Inklusion, darin waren sich alle einig. Hier sei ein Umdenken gefragt.

Neben den vielen ungeklärten gesetzlichen Voraussetzungen gibt es auf Seiten der Erzieherinnen in den Kindertagesstätten noch viele weitere Unsicherheiten. Das machten Kärtchen deutlich, die die Teilnehmenden in der Pause auf Stellwände pinnten. Zugleich wurde der Wille erkennbar, das Thema anzugehen. "Endlich nicht mehr alle gleich, sondern jeder so wie er es braucht", war da zu lesen.

Die Evangelische Integrative Kita "Haus in der Sonne" in Kücknitz zeigte anhand von praktischen Alltagsbeispielen mit Fotos und Texten, was Inklusion für die Mitarbeitenden dort bedeutet. Ob ein Junge gerne Rosa trägt oder mit Puppen spielt, ob ein Kind aus einer wohlhabenden Familie kommt oder nicht, ob es im Rollstuhl sitzt oder nicht: All das soll irgendwann einmal normal und akzeptiert sein.

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