Mord in Schackendorf : Indizienprozess: Schwierige Wahrheitssuche und intime Details

Erste Zeugenvernehmungen geben noch keine Hinweise zur Schuld des angeklagten Ehemannes.

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06. November 2018, 18:15 Uhr

Kiel | Mit der Vernehmung erster Zeugen hat das Kieler Landgericht am Dienstag den Indizienmordprozess gegen einen 48-jährigen Mann aus Schackendorf bei Bad Segeberg fortgesetzt. Doch die mehrstündigen Befragungen einer Kriminalbeamtin und einer Rechtsmedizinerin lassen noch viele Fragen zum Tatgeschehen offen.

Da Zeugen des grausamen Verbrechens fehlen, muss das Gericht die Indizienbeweise akribisch zusammentragen und auswerten. Schon am zweiten Verhandlungstag zeichnet sich dabei ab, dass der Fahrplan der 8. Strafkammer bei der Wahrheitsfindung wohl kaum einzuhalten ist.

Der Ehemann soll das Opfer mit einem Kunststoff-Pfahl erschlagen haben

Von elf für diesen Tag geladenen Zeugen können nur zwei angehört werden. Bisher hat das Gericht 37 Zeugen geladen.  In dem Verfahren muss sich der Angeklagte wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen verantworten. Er soll seine Frau Anfang November 2017 auf einem Feldweg in Schackendorf bei Bad Segeberg mit einem Recyclingpfahl aus Kunststoff brutal erschlagen haben. Mindestens sieben Schläge zertrümmern Gesicht und Schädel der Frau, schildert die Rechtsmedizinerin.

Die 34-jährige Krankenschwester und Mutter eines inzwischen vierjährigen Sohnes stirbt demnach an den Folgen eines schweren Schädel-Hirn-Traumas. Der Angeklagte geriet kurz danach in Verdacht und sitzt seither in Untersuchungshaft. Doch er bestreitet die Tat von Anfang an, wie eine Kripobeamtin aussagt, die den 48-Jährigen mehrfach vernahm.

In der Ehe gab es Schwierigkeiten

Demnach kommt es nach der Rückkehr aus einem Urlaub im Harz auf einem abendlichen Spaziergang zum Streit zwischen den Eheleuten, die mit dem kleinen Sohn und der Hündin unterwegs sind. Als die Hündin wegläuft und seine Frau sie sucht, geht er mit dem Sohn nach Haus. Er meldet in der Nacht erst die Hündin, dann seine Frau als vermisst und sucht nach eigenen Angaben überall nach ihr – nur nicht auf dem Weg, auf dem sie sich getrennt haben. Dorthin begibt er sich erst wieder am nächsten Morgen, in Begleitung eines Nachbarn. Beide finden laut Anklage die grausam zugerichtete Leiche. Der Nachbar soll noch gehört werden.

In der Ehe gibt es nach Schilderungen des Angeklagten Aufs und Abs, berichtet die Kripobeamtin. Er ärgert sich demnach über ihre intensive Handynutzung, weil sie viel Sport treibt und ist eifersüchtig auf ihren Trainer. Beide führten eine sexuell offene Beziehung, zeitweise auch zu dritt mit seiner geschiedenen zweiten Ehefrau. Es gebe sadomasochistische Praktiken, wobei er eher den devoten Part spiele.

Sein Verteidiger hatte zum Prozessauftakt nahegelegt, dass der schwerkranke Angeklagte womöglich zur Tat gar nicht fähig sei. Doch die Rechtsmedizinerin stellt klar, dass für „die Tatausführung keine besondere körperliche Konstitution“ erforderlich sei. Das Verfahren wird am 15. November fortgesetzt.

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