Stormarn und Neumünster : In SH häufen sich die Krätze-Fälle: Die Medikamente sind begrenzt

Krankheitsfälle mit Krätzmilben nehmen in den letzten zwei Jahren deutlich zu.

Krankheitsfälle mit Krätzmilben nehmen in den letzten zwei Jahren deutlich zu.

Die Krätze-Fälle werden mehr und das Medikament ist zurzeit nicht lieferbar. shz.de zeigt, worauf zu achten ist.

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16. November 2017, 12:40 Uhr

Bad Oldesloe/Neumünster | Sie kommt schleichend, bleibt oft wochenlang symptomlos und unbemerkt: die Krätze. In der medizinischen Fachsprache auch „Skabies“ genannt. Mit unerträglichem, sehr hartnäckigem Juckreiz und Ausschlag plagt die durch die Krätzmilbe verursachte Hautkrankheit die Betroffenen.

Das Gesundheitsamt der Kreisverwaltung Stormarn schlägt nun Alarm: Seit einigen Monaten treten im Kreisgebiet gehäuft Krätze-Ausbrüche auf. „Gerade in den vergangenen 24 Monaten haben die Meldungen deutlich zugenommen“, sagt Dr. Jörg Günther, Facharzt für öffentliches Gesundheitswesen. Auch aus Neumünster kommen erste Meldungen. Dort sagten laut der Mutter eines betroffenen Kindes mehrere Kinderärzte, dass die Krankheit zurzeit in Neumünster grassiere. Soweit möchte Dr. Johannes Kandzora, der mit seiner Frau Kathrin eine Kinderarztpraxis betreibt, nicht gehen. „Wir haben in der Tat einige Krätzefälle gehabt in den vergangenen Wochen. Ich würde aber nicht von einer Epidemie sprechen“, so Kandzora.

Landesweite Zahlen gibt es nicht, da Krätze keine Meldepflichtige Krankheit ist. Dennoch habe man eine derartige Häufung der Fälle in den Jahren zuvor so noch nicht feststellen können, so Dr. Günther.

Die Krätzmilbe

Die Krätzmilbe ist rundlich, bis 0,4 Millimeter groß (die Weibchen sind größer als die Männchen), hat einen durchscheinenden Körper, vier Beinpaare und kräftige Mundwerkzeuge. Krätzmilben sind auf Sauerstoff angewiesen – das ist der Grund dafür, dass sie sich nur in der Hornschicht der Haut aufhalten und nicht weiter in den Körper eindringen. Die Parasiten ernähren sich von Lymph- und Hautzellen. Der Hautbefall durch die Milben schädigt die Haut und ruft eine Reaktion des Immunsystems hervor. So kommt es zu den für Krätze typischen Hautveränderungen.

dpa

Krankheitsfälle mit Krätzemilben nehmen in den letzten zwei Jahren deutlich zu.

Dabei entstehen die meisten Symptome durch die weiblichen Krätzmilben: Die Weibchen bohren täglich millimeterlange Gänge in die Hornschicht der Haut und legen in diesen Milbengängen ihre Eier ab. Aus den Eiern schlüpfen nach zwei bis vier Tagen Larven, die sich innerhalb von zwei bis drei Wochen zu geschlechtsreifen Milben umwandeln. Die männlichen Krätzmilben sind kleiner als die weiblichen und leben nur auf der Oberfläche der Haut. Sie haben nur eine kurze Lebensdauer, während die Weibchen etwa vier bis sechs Wochen alt werden.

Krätze kann relativ einfach behandelt werden: Meist kommen Cremes oder Tabletten zum Einsatz. Die Creme ist die gängigste Methode Krätze zu behandeln. Bei den Tabletten kommt es derzeit jedoch nach Angaben des Herstellers und des Bundesamtes für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) wegen einer genehmigungspflichtigen Umstellung des Herstellungsverfahrens zu einem Lieferengpass für dieses Medikament. Das Medikament ist voraussichtlich erst ab Anfang Dezember wieder erhältlich.

Was bei einem Befall zutun ist, zeigt shz.de.

Welche Symptome gibt es und wann treten sie auf?

Bis zu den ersten Zeichen einer Ansteckung können zwei bis fünf Wochen vergehen, in denen die Milben bereits weiter übertragen werden können. Bei Befall gräbt sich die Krätzmilbe in die oberste Hautschicht und vermehrt sich dort. Eine allergische Reaktion des Körpers auf Bestandteile der Milbe löst schließlich den Juckreiz aus, der sich nachts bei Wärme und in der Heizungsluft deutlich verstärkt. Betroffen sind vor allem weiche Hautteile, zum Beispiel Fingerzwischenräume, die Achseln und der Genitalbereich.

Wie wird Krätze übertragen?

Trotz der problematischen Verbreitung der Milben gibt es keinen Grund zur Panik: Es ist ein Hautkontakt von mindestens fünf bis zehn Minuten nötig, um sich bei einer betroffenen Person anzustecken. „Der Begrüßungskontakt ist bei weitem nicht ausreichend, für den normalen Alltag bestehen keine Einschränkungen“, erklärt Dr. Günther.

Welche Ursachen hat ein Befall von Krätzmilben?

Wacker hält sich auch das Gerücht über mangelnde Hygiene als Ursache für die Krätze. Die Ermittlungen des Gesundheitsamtes vor Ort haben jedoch ergeben, dass eine Ausbreitung nicht generell auf einen Hygienemangel zurückzuführen ist. Ganz im Gegenteil gibt es eine Form der Krätze, bei der die Betroffenen eine intensive Körperpflege betreiben.

Begünstigend für den Ausbruch von Krätze ist das „viel und eng Zusammenleben“, so Dr. Günther. Geschlechtsverkehr stellt ein hohes Übertragungsrisiko dar. Personen, die im gleichen Haushalt leben oder die häufig einen engen körperlichen Kontakt zur betroffenen Person haben, sollten sich unbedingt vorbeugend behandeln lassen, um eine Weiterverbreitung der Milbe zu verhindern.

Wie wird Krätze behandelt?

Die Skabies kann relativ einfach behandelt werden: Zumeist kommt eine geeignete Creme zum Einsatz, in alternativen Fällen Tabletten. Die Creme und die Tabletten zielen darauf ab, die Krätzmilben mitsamt Larven und Eiern abzutöten.

Was ist sonst noch bei einem Milbenbefall zutun?

Wenn ein Milbenbefall vorliegt, sollten Betroffene unbedingt ihre Kleidung, Wäsche und andere Textilien von den Parasiten befreien. Die Krätzmilben sind auf den Menschen als Wirt angewiesen, um überleben zu können. Man sollte ihnen also die Nahrungsgrundlage entziehen, indem man seine Wäsche in einer Plastiktüte verschließt. Da die Milben sowohl kälte- als auch wärmeempfindlich sind, ist es ratsam den Wäschebeutel für einige Stunden in die Sonne zu legen oder diesen einzufrieren. Ebenso sollte die Wäsche möglichst heiß (bei über 60 Grad) gewaschen werden.

In betroffenen Einrichtungen kann es vorübergehend notwendig sein, den Besuch durch geeignete Vorsichtsmaßnahmen zu regeln. Diese sollen auf jeden Fall beachtet und eingehalten werden, denn hierdurch wird ein zusätzlicher Schutz für die Bewohner, aber auch für die Besucher und Mitarbeiter in den Einrichtungen angestrebt. Für weitere vorbeugende Maßnahmen sei es zusätzlich wichtig, sich Wissen für die Krankheit anzueignen, so Dr. Günther. Weitergehende Infos können auf der Webseite www.infektionsschutz.de abgerufen werden. Bei Fragen stehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Infektionsschutz des Gesundheitsamtes Oldesloe zur Verfügung.

Wo tritt Krätze am häufigsten auf?

Besonders betroffen sind daher Einrichtungen, in denen sich eine große Anzahl von Menschen aufhält, wie etwa Kindergärten, Schulen und Pflegeheime. Bei Bestätigung des Milbenbefalls durch eine fachkundige Ärztin oder Arzt müssen ergänzend Umgebungsmaßnahmen zur Beseitigung der Milben in der Wäsche und den sonstigen Gegenständen durchgeführt werden, mit denen eine betroffene Person in Kontakt gekommen ist.

 
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