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Nach Knallgeräuschen in Gammellund : In Schleswig-Holstein knallt’s: Überschallflüge, Böller und Fragezeichen

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Dubiose Knallgeräusche in Gammellund erschrecken die Bewohner. In SH hat es bereits öfter geknallt - eine Auswahl.

shz.de von
erstellt am 20.Jun.2016 | 16:16 Uhr

Kiel | Laute Knallgeräusche lassen die Einwohner in Gammellund nachts immer wieder aus den Betten hochschrecken. Auch in anderen Gemeinden in Schleswig-Holstein wurden Anwohner in der Vergangenheit durch einzelne Knallgeräusche oder ganze Knall-Serien verschreckt. Was hat die Knallgeräusche in anderen Orten verursacht? Ein Überblick.

Dubiose Knallgeräusche in Gammellund

Zu laut zum Schlafen: Helmut Nickel beschwerte sich wegen des Lärms bei der Gemeinde – bisher ohne Erfolg.
Zu laut zum Schlafen: Helmut Nickel beschwerte sich wegen des Lärms bei der Gemeinde – bisher ohne Erfolg. Foto: org

Seit Wochen schrecken viele der rund 800 Einwohner des Dorfes im Kreis Schleswig-Flensburg mitten in der Nacht aus ihren Betten hoch: „Häufig sind es mehrere Knallgeräusche hintereinander. Dann kommt eine Pause, dann sind es wieder einzelne dumpfe Explosionen. So recht schlau werde ich daraus nicht“, sagt der Bollingstedter Bürgermeister Bernd Nissen.

Helmut Nickel glaubt die Ursache des Lärms zu kennen. „Das sind Leute, die ohne Genehmigung mit Böllern Krach machen. Ich habe schon in der Nacht auf der Bettkante gesessen und konnte nicht entscheiden, ob ich die Polizei oder den Bürgermeister anrufen soll.“

Auch andere mögliche Erklärungen gibt es in Gammellund schon: Viele tippen auf Feuerwerk. Ist es möglich, dass jemand seinen Vorrat an Silvester nicht aufgebraucht hat und nun mit Radau in Geburtstage von Freunden hinein feiert? Auch Gewehrschüsse werden nicht ausgeschlossen, viel weiter aber reicht die Fantasie nicht.

Knall-Serie in Pinneberg

Illegale Böller und andere Pyrotechnik sind im Jahr 2013 verstärkt in Pinneberg im Umlauf.
Illegale Böller und andere Pyrotechnik sind im Jahr 2013 verstärkt in Pinneberg im Umlauf. Foto: dpa
 

Seit dem Frühjahr 2013 rätselte Pinneberg um laute, meist nächtliche Knallgeräusche, die die Anwohner aufschrecken ließen. Besonders aus den Bereichen Quellental, im Umfeld der Mühlenau und in Fahlt meldeten besorgte Bürger diese teilweise ohrenbetäubenden Knallgeräusche, die sich zumeist am Wochenende in den Nacht- und frühen Morgenstunden ereigneten.

Zunächst konnte sich niemand die Geräusche erklären. Im Dezember 2013 sind die Ermittler in der Aufklärung der lauten Geräusche vorangekommen: Es handelte sich in Pinneberg um verschiedene Jugendliche und Männer, die mit illegalen Böllern und anderer Pyrotechnik hantierten.

So wurde unter anderem die Wohnung eines eines 25-jährigen Pinnebergers durchsucht. Dieser hatte zuvor auf einem Youtube-Channel unter Pseudonym diverse selbstgedrehte Videos eingestellt, die die Sprengung verschiedener legaler und illegaler Pyrotechnik zeigten. Durch weitere Internetrecherchen und Auswertung der Videos konnte der Mann ermittelt werden. Bei der Durchsuchung wurden diverse pyrotechnische Gegenstände sichergestellt, die er nicht besitzen durfte.

Die bislang größte Menge von Pyrotechnik im Raum Pinneberg stellten die Beamten am 10. Dezember 2013 bei einem 17-jährigen Jugendlichen aus Rellingen sicher. Dieser hatte sich zuvor über das Internet mehrere große Kartons mit Kugelbomben für Großfeuerwerke, Bengalische Feuer und illegale Sprengkörper aus Polen liefern lassen. Insgesamt wurden über 30 Kilogramm Pyrotechnik sichergestellt.

Lauter Knall in Kiel

Ein gezündeter Böller in diesem Container in Kiel sorgte für einen Knall, den nicht nur Anwohner in Neumühlen-Dietrichsdorf erschreckte.
Ein gezündeter Böller in diesem Container in Kiel sorgte für einen Knall, den nicht nur Anwohner in Neumühlen-Dietrichsdorf erschreckte. Foto: Polizei
 

Im November 2014 holt ein Knall viele Kieler aus dem Bett: Gegen 3 Uhr hatte in der Nacht ein lauter Knall nicht nur Anwohner im Stadtteil Neumühlen-Dietrichsdorf aufgeschreckt - auch auf der anderen Seite der Förde in Projensdorf und Holtenau holte dieser einige Menschen aus dem Schlaf.

Die Ursache des rätselhaften Knalls in Kiel wurde schnell geklärt: Anwohner meldeten sich damals bei der Polizei und berichtete von einem beschädigten Altkleidercontainer im Langen Rehm 55. Die Beamten holten Sprengstoffermittler des Landeskriminalamtes hinzu. Diese gehen laut Polizei von einem großen in der Nacht gezündeten illegalen Sprengkörper aus, der durch die Wucht der Explosion den Boden der Einfülllade des Containers abriss - und ein Loch in die Lade sprengte.

Knalleffekte über Schleswig-Holstein

Auch Überschallflüge am Himmel von Schleswig-Holstein lassen die Einwohner häufig zusammenzucken: Am frühen Nachmittag des 23. Februars 2016 schrecken viele Bewohner in den südlichen Teilen der Landkreise Stade und Pinneberg zusammen: Ein lauter Knall erschüttert die Gegend. Nach Angaben der Bundeswehr ist der laute Knall auf einen Überschallflug eines Kampfjets in circa 12.000 Metern Höhe verursacht worden, der das betroffene Gebiet von Nord nach Süd überflogen hat.

Immer wieder kommt es zu Knalleffekten über Schleswig-Holstein: Familie Czysewski aus Westerrönfeld bei Rendsburg saß im Januar 2009 zu Hause, als ein mächtiger Knall ihr Haus erzittern ließ. „Es war wie eine große Druckwelle und hörte sich an, als ob das Nachbarhaus in die Luft geflogen wäre", berichtet die Familie. Ähnlich reagierten Bürger im benachbarten Fockbek.

Die Lärmbelästigung ließ sich schnell aufklären: Zwei Phantom-Jets der Luftwaffe waren zu angemeldeten, aber nicht öffentlich angekündigten, Überschall-Testflügen über Schleswig-Holstein unterwegs. Zwei Mal kam es nach Angaben eines Sprechers der Luftwaffe in Köln-Wahn dabei zum Durchbrechen der Schallmauer in 12.250 Meter Höhe: Um 8.23 Uhr nahe Sylt sowie gut vier Stunden später über dem Raum Rendsburg. Grund für die Überschallflüge: „Die Phantom-Jets mussten nach größerer technischer Überholung einmal unter Volllast geflogen werden“, sagte der Sprecher.

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