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Weihnachtsmärkte in SH : In Ratzeburg steht schon der Weihnachtsbaum – ist das zu früh?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die meisten Buden öffnen nach Totensonntag – da trübt selbst ein früh aufgebauter Baum die Stimmung nicht.

shz.de von
erstellt am 10.Nov.2017 | 10:33 Uhr

Ratzeburg | Per Tieflader wird er geliefert, und mit einem großen Kran und viel Feingefühl vor dem Rathaus in die Fassung gesetzt: Ratzeburgs Weihnachtsbaum steht. Es ist der 31. Oktober, der Tag nach den Herbstferien. Die Proteste lassen nicht lange auf sich warten. Die „Bild“-Zeitung findet das ganze „zu weihnachtlich“, die „Lübecker Nachrichten“ lassen die Kirche klagen. Dabei beeilt sich Stadtsprecher Mark Sauer klarzustellen: „Der Schmuck leuchtet erst nach Totensonntag am 26. November.“

Der frühe Termin habe rein technische Gründe, weil auch eine Eisbahn auf dem Marktplatz aufgebaut wird, und die 12,50 Meter hohe Tanne dann schlicht nicht mehr aufgestellt werden kann. Außerdem schläft die Konkurrenz nicht, und schon im letzten Jahr feierte Bürgervorsteher Ottfried Feußner den frühen Termin, mit dem man die Nachbarstadt Mölln deutlich geschlagen hatte.

Die Nordkirche hat nach der Begründung durch Stadtsprecher Sauer jedenfalls keine Probleme mehr mit dem Baum – grundsätzlich meint Pressesprecher Stefan Döbler jedoch: „Zur Vorfreude gehört nach christlichem Verständnis auch das Warten. Das fällt nicht immer leicht. Aber worauf sollen wir uns noch freuen, wenn Orte schon mitten im November weihnachtlich dekoriert werden und sogar Weihnachtsmärkte öffnen, wenn alles immer gleich präsent, verfügbar ist – und damit irgendwann beliebig wird?“

In der Hinsicht sind die Gemüter in diesem Herbst dem Wetter entsprechend relativ kühl: Der jährlich wiederkehrende Streit um die zu früh startenden Weihnachtsmärkte ist weitgehend ausgeblieben – auch, weil die Märkte in allen größeren Städten tatsächlich erst nach dem 26. November, dem Totensonntag öffnen. Dabei hätten einige ganz gerne auch schon früher angefangen: Das Stadtmarketing Heide hatte mit Blick auf die in diesem Jahr nur drei Wochen lange Adventszeit den Beginn des „Weihnachtszaubers“ mit Eisbahn zunächst für den 21. November angekündigt. Von der Stadt kam dann jedoch die Vorgabe, erst nach dem Buß- und Bettag die Weihnachtszeit einzuläuten – so wurde die Eröffnung wie in den meisten anderen Innenstädten auf den 27. November gelegt.

Einige kürzere Weihnachtsmärkte werden aber tatsächlich bereits im November veranstaltet. Den Anfang macht jedes Jahr Harry Beiersdorf auf dem Landgestüt Traventhal bei Bad Segeberg: Wie bereits am vergangenen Wochenende verspricht der Hausherr „Schnee-Garantie“ – wenn auch nur aus Frau Holles Kissen. Auch sonst geht es schon weihnachtlich zur Sache – zum 16. Mal. „Der frühe Termin hatte sich damals eher aus Zufall ergeben“, sagt Beiersdorf – und findet, jeder solle doch selbst entscheiden, ab wann für ihn Weihnachten ist. Klagen über den frühen Termin habe er in all den Jahren keine erhalten, sagt er. „Im Gegenteil, die Leute warten schon, dass es endlich wieder losgeht.“ Auch auf anderen Landgütern steigen die Wochenend-Weihnachtsmärkte noch im November, etwa am 18. auf den Gütern Basthorst und Emkendorf.

Insgesamt ist Kirchen-Sprecher Döbler aber mit der Lage in diesem Jahr zufrieden: „Ich bin froh, dass nach wie vor die meisten Veranstalter von Weihnachtsmärkten in Schleswig-Holstein weitgehend Rücksicht nehmen auf einen jahrhundertalten Brauch in unserer Gesellschaft: die Stille Zeit bis zum Ewigkeitssonntag. Dass es in dieser kurzen Zeit im Jahr mal etwas ruhiger zugeht als sonst, ist vielen Menschen wichtig.“

Das ist offenbar auch Konsens bei den Einzelhändlern im Land: Von größeren Konflikten bei der Weihnachtsmarkt-Planung ist dort nichts bekannt, sagt Mareike Petersen, Geschäftsführerin des Handelsverbandes Nord in Kiel. Alles weitgehend friedlich also – „und so soll es ja zu Weihnachten eigentlich auch sein“.

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