Diakonie Schleswig-Holstein : Immer mehr Menschen in SH nutzen Wohnungslosenhilfe

Wenn es draußen immer kälter wird, brauchen Wohnungslose Hilfe.

Wenn es draußen immer kälter wird, brauchen Wohnungslose Hilfe.

Obdachlose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen– das Problem verschärft sich laut Diakonie seit Jahren.

shz.de von
24. November 2018, 09:47 Uhr

Die Lage von Obdachlosen oder von Wohnungslosigkeit bedrohten Menschen verschärft sich nach Einschätzung der Diakonie in Schleswig-Holstein. „Die Zahl der Hilfesuchenden wird weiter steigen“, sagte Landespastor und Diakonie-Vorstand Heiko Naß der Deutschen Presse-Agentur. Vergangenes Jahr nutzten fast 8000 Menschen die verschiedenen Angebote der Diakonie. Das waren 500 mehr als im Jahr zuvor oder 2500 mehr als 2014.

Hilfe suchen nicht nur Obdachlose, sondern auch Menschen, die von Wohnungslosigkeit bedroht sind. Auch Menschen, die vorübergehend bei Freunden oder Bekannten untergekommen sind, zählen dazu – oder jene, die zeitweise in Hotels oder anderen Einrichtungen wohnen.

Viele Gründe für Wohnungslosigkeit

Für die Entwicklung hat Naß mehrere Gründe ausgemacht. Nicht nur wegen Überschuldung und anderer Probleme suchten akut von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen nach günstigem Wohnraum. „Wir erleben teilweise einen Zuzug von älteren Menschen, denen die Rente nicht mehr ausreicht, um ihre Wohnung zu finanzieren.“ Das Angebot günstiger Wohnungen sei aber weiter zu gering.

Allein in Kiel gibt es nach Angaben der Stadt derzeit knapp 1000 Menschen ohne eigene Wohnung. Sie sind meist in verschiedenen Einrichtungen untergebracht oder übergangsweise privat unterkommen.

Obdachlosigkeit ist besonders im Winter gefährlich

Es kam aber auch schon vor, dass die Stadt Menschen in Hotels oder Pensionen unterbringen musste. Während die Zahl der Wohnungslosen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sei, liege die Zahl der Obdachlosen, die „Platte machen“, konstant bei 30 bis 50 Personen. „Obdachlosigkeit kann im hohen Norden im Winter gesundheits- und lebensgefährlich sein“, sagt Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD). Ihn sorgt die steigende Zahl der Menschen, die in prekären Situationen leben. „Der Wohnungsmarkt ist eng, eine Rückkehr in Wohnraum für viele schwierig.“ Als Grund nennt er Vermittlungshemmnisse wie Schulden oder Sucht.

Für den Winter stehen drei beheizte Container bereit, die von der Diakonie im Auftrag der Stadt betreut werden. Sie bieten insgesamt etwa 20 Schlafplätze. Tagsüber dürfen sie aber nur bei extremer Kälte genutzt werden. Das Land fördert das Winternotprogramm mit 20 000 Euro. Weitere 10 000 Euro steuert die Diakonie Stiftung bei.

Mehr Fälle in Neumünster

Lübeck hält derzeit 123 Plätze in Notunterkünften vor. Nach Angaben der Stadt sind alle Plätze dauerhaft belegt. Eine spezielle Winternotunterkunft gibt es nicht. Reichen die Plätze im Winter nicht aus, stellten die Vorwerker Diakonie und die Heilsarmee Säle für Übernachtungen bereit. „Aus Sicht der Verwaltung wird alles getan, um die Not zu lindern“, sagt Lübecks Sozialsenator Sven Schindler. „Jeder, der es möchte, bekommt eine Übernachtungsmöglichkeit und ein warmes Essen.“

In Neumünster beobachtet die Zentrale Beratungsstelle für Menschen in Wohnungsnot der Diakonie einen leichten Anstieg der Fälle, in denen Menschen aufgenommen werden müssen. „Auch in diesem Jahr wurden zum Stichtag 30. September bereits 157 Personen in der Übernachtungsstelle aufgenommen, womit wir mit der Unterbringungszahl ähnlich hoch liegen wie im vergangen Jahr.“ Insgesamt stellt die Diakonie 25 Plätze für Menschen ohne Obdach zur Verfügung – 15 Betten für Männer und 10 für Frauen. Die Einrichtung sei ganzjährig gut belegt, ein Unterschied in den Jahreszeiten kaum wahrnehmbar. Wenn die Unterkunft voll ist, werden Obdachlose in Pensionen, Zimmervermietungen oder Jugendherbergen untergebracht.

Eine Obdachlosenszene, ähnlich wie in Hamburg oder Kiel, gibt es in Neumünster nach Einschätzung der Beratungsstelle aber nicht.

Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras (CDU) beurteilt die Lage ähnlich. „In der Stadt Neumünster haben wir dank der guten Arbeit der Zentralen Beratungsstelle für Menschen in Wohnungsnot der Diakonie keine signifikanten Probleme mit Obdachlosen.“ Landespastor Naß appelliert mit Blick auf die jüngst in Hamburg erfrorene Frau an die Fürsorge der Menschen. „Wenn man einen Obdachlosen sieht, der draußen ist, sollte man ihn ansprechen.“ Wenn dieser keine Regung gebe, sollte die Polizei verständigt werden.

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