Um- und Erweiterungsbau : Ikea stoppt Investitionen in Kiel

Ein Kunde holt seine Ikea-Möbelstücke in der Filiale ab: In Zukunft soll das Internet als Vertriebsweg wichtiger werden.
Ein Kunde holt seine Ikea-Möbelstücke in der Filiale ab: In Zukunft soll das Internet als Vertriebsweg wichtiger werden.

Der schwedische Möbelkonzern setzt verstärkt auf das Online-Geschäft – mit Folgen für den Umbau in Kiel.

Margret Kiosz von
29. August 2018, 10:07 Uhr

Kiel | Ikea muss sich neu erfinden, denn inzwischen werden auch Sessel und Kleiderschränke immer öfter im Internet gekauft. Der neue Ikea-Deutschland-Chef Dennis Balsley steuert deshalb  um und will die Online-Präsenz deutlich ausbauen. Zwar zählte Ikea in seinen 53 Häusern in Deutschland im vergangenen Jahr fast 98 Millionen Besucher und 53 Millionen Kunden. Aber die Zahl stagniert, und der Umsatz (plus vier Prozent) kletterte 2017 fast allein durch drei neu eröffnete Filialen. Online hingegen gaben die Bundesbürger nach Angaben des E-Commerce-Branchenverbandes über 20 Prozent mehr für Einrichtung aus als im Vorjahr.

„Die Zeit der großen Möbel-Paläste am Stadtrand ist vorbei“, betont Balslev. Insofern erstaunt es nicht, dass auch der Um- und Erweiterungsbau des 16 Jahre alten Ikea-Hauses in Kiel vorerst auf Eis gelegt wird. Offiziell wird die geplante 60 Millionen Investition gestoppt, weil das Ausschreibungsergebnis deutlich über den Kalkulationen des unmöglichen Möbelhauses liegen. „Teilweise wollen die Baufirmen 30 Prozent mehr haben, als wir budgetiert hatten“, erklärte Konzernsprecherin Chantal Gilsdorf gestern. Bei solchen Kostensteigerungen rechne sich das Projekt nicht mehr. 2019 werde entschieden, ob das neue Regallager gebaut und die Restauranterweiterung tatsächlich umgesetzt wird.

Statt Riesenfilialen auf der grünen Wiese setzt Ikea-ChefBalsley auf kleinere, innenstadtnahe Geschäfte. Es gehe um die enge Verknüpfung des stationären mit dem Online-Handel. „Das ist die Zukunft, da haben wir keinen Zweifel.“ Dazu will das Unternehmen den Lieferservice beschleunigen. Ziel sei eine „Lieferung am selben oder am Folgetag“.

Jeder Dritte hat schon einmal ein Einrichtungsstück im Internet gekauft. „Der Möbelhandel ist beim Thema E-Commerce schon viel weiter, als den meisten bewusst ist. Der Online-Anteil an den Umsätzen liegt heute schon bei zehn Prozent“, betont der Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein. Jährlich geben die Deutschen mehr als 40 Milliarden Euro für die Gestaltung der eigenen vier Wände aus.

Vorreiter beim Online-Möbelhandel ist der Versandhändler Otto. „Sein Marktanteil liegt um die 50 Prozent – mit steigender Tendenz“, berichtet Heinemann. Doch auch Amazon hat es laut Fachmagazin „Möbel Kultur“ inzwischen unter die Top 10 der deutschen Möbelhändler geschafft. Der Möbelhändler Home24 hat sich jüngst mit seinem Börsengang Geld für zusätzliche Wachstumsspielräume im Internet besorgt. Und auch Westwing und Wayfair kämpfen um ein Stück vom Kuchen. Zum Vergleich: Der Umsatzanteil des Internethandels bei Ikea liegt derzeit bei 6,3 Prozent und soll mittelfristig auf 30 Prozent steigen.

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