Hauptgeschäftsführer gekündigt : IHK Lübeck: Kampf um Macht und Posten

Wachwechsel bei der IHK Lübeck: Geschäftsführer Matthias Schulz-Kleinfeldt musste gehen, Friederike C. Kühn kam. Fotos: IHK
Wachwechsel bei der IHK Lübeck: Geschäftsführer Matthias Schulz-Kleinfeldt musste gehen, Friederike C. Kühn kam. Fotos: IHK

Nach einer Kampfabstimmung trennte sich die IHK Lübeck von ihrem Ex-Geschäftsführer. Der fordert jetzt trotzdem weiterhin Geld und einen Dienstwagen.

shz.de von
15. Juli 2013, 02:15 Uhr

Lübeck | Der Ball soll flach gehalten werden: Seit sich nach einem kräftigen personellen Ruck in der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Lübeck das Präsidium von Hauptgeschäftsführer Matthias Schulz-Kleinfeldt getrennt hat, sind die offiziellen Mitteilungen hanseatisch sachlich knapp. Ganz anders geht es hinter dem Firnis zur Sache. Da brodelt der Streit um Ämter, Macht und Ehre, neuerdings auch um Geld und Dienstwagen des geschassten Hauptgeschäftsführers. Jurist Schulz-Kleinfeldt kündigte schon mal juristische Klärung an. Der Ball, das zeigt sich, ist ein Flummi, das Spielfeld steinig und die Geschichte knotig.
"Die Vollversammlung der IHK zu Lübeck hat die Abberufung von Hauptgeschäftsführer Matthias Schulz-Kleinfeldt beschlossen. Als wesentlichen Grund gab Präses Friederike C. Kühn das nachhaltig gestörte Vertrauensverhältnis zwischen Präsidium und Hauptgeschäftsführer an." So trocken vermeldete die IHK die Vorgänge aus der nichtöffentlichen Sitzung vom 4. Juni dieses Jahres. Auch der Rest der Mitteilung war eher ein Winden: Man sei, so Kühn, "zuversichtlich, eine einvernehmliche Lösung über die offenen dienstvertraglichen Fragen zu finden. Bis ein Kandidat gefunden und von der IHK-Vollversammlung bestellt ist, führt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Lars Schöning die Geschäfte." Da war in der Kammer indessen schon viel Porzellan zerschlagen.

Drohendes Familien-Doppel

Nach außen deutlich wahrnehmbar hatte es nämlich bereits schon Anfang des Jahres gescheppert, als es um die Wahl des neuen Präses ging. Was eigentlich Routine ist, weil eine Findungskommission geeignete Bewerber vorsortiert, geriet diesmal zur Schlacht; denn der Name des ausgewählten Bewerbers lag vielen Kammermitgliedern bleischwer im Magen: Lutz Kleinfeld, Chef eines Lübecker auch im Dienste der Kammer stehenden Wachunternehmens und Schwager des da noch amtierenden Hauptgeschäftsführers Matthias Schulz-Kleinfeldt.
Kritiker des drohenden Familien-Doppels sahen den Ruf des ehrbaren Kaufmannes in Gefahr. IHK-Vizepräsis Bernd Jorkisch, Mitglied der Findungskommission, hatte beim Gedanken an die Außenwirkung Bauchschmerzen. Peter Sünnenwold, Ehrenvorsitzender der CDU-Wirtschafts- und Mittelstandsvereinigung, mahnte "Objektivität, Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit" an. Und Friederike Kühn, Chefin der MWS Werbeagentur GmbH in Bargteheide, warf am 5. Februar ihren Hut in den Ring, stellte sich als Alternative zur Wahl - und schlug in der ersten Kampfabstimmung um einen Präses der 160 Jahre währenden Lübecker IHK-Geschichte Lutz Kleinfeldt mit 30 zu 19 Stimmen aus dem Feld.

Mehrstündige nichtöffentliche Debatte

Vorausgegangen war der Wahl eine mehrstündige nichtöffentliche Debatte, die von Teilnehmern als "turbulent" bezeichnet wurde. Eine Frau an der Spitze wurde zunächst so fröhlich gefeiert, dass die Konturen der eigentlichen Angelegenheit verschwimmen wollten. Dann kam es zur Abberufung des Hautgeschäftsführers.
Den Weg dorthin behält die Kammerspitze für sich. Tatsache ist, dass Schulz-Kleinfeldt am 4. Juni, wiederum nach mehrstündiger Diskussion, mit 30 zu 18 Stimmen per sofort von seinen Aufgaben entbunden wurde. Stellungnahmen zum "nachhaltig gestörten Vertrauensverhältnis" blieben an diesem - auch für die Öffentlichkeit jenseits der IHK inzwischen spannenden - Abend mirakulös.

Streit um "Maximalforderungen"

Kühn sprach von "Details" und "Fakten auf den Tisch", verweigerte mit Hinweis auf "juristische Gründe" zwar nähere Einlassungen, brachte aber doch die Vertragsverlängerung mit Schulz-Kleinfeld vom März 2012 ins Spiel. Und da wird es noch einmal spannend. Denn die Amtsverlängerung soll Kühns Vorgänger Christoph Andreas Leicht mit seinem Hauptgeschäftsführer Schulz-Kleinfeldt klargemacht haben, ohne die Gremien in Kenntnis zu setzen. Das übliche - demokratische - Prozedere lässt der IHK-Vollversammlung die Wahl.
Im vorläufig letzten Akt ist die Schlacht um Macht und Posten um den Faktor "Geld und andere Vorteile" erweitert. Schulz-Kleinfeldt, inzwischen nicht mehr nur abberufen, sondern auch gekündigt, wähnt sich im Recht auf Weiterzahlung des Gehaltes für drei Jahre und einen Teil früherer Zulagen, sowie die Weiternutzung von Dienst-Laptop, -Handy, -Mercedes plus Tankkarte. Für Kühn sind das "Maximalforderungen", die man nicht erfüllen wolle. Den Wagen hat sie schon mal abholen lassen.

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